Wirtschaft

Umstrittener Kraftwerksneubau RWE gibt Belene-Pläne auf

Der Energieversorger RWE zieht sich aus dem geplanten Neubauprojekt eines Kernkraftwerks am bulgarischen Standort Belene zurück. Kritiker atmen auf. Das Gebiet gilt als erdbebengefährdet.

RTX8D2F.jpg

Der Bau hat längst begonnen: Beton fließt seit letztem Sommer.

(Foto: REUTERS)

Bei der geplanten Beteiligung an dem umstrittenen Kraftwerksbau in Bulgarien zog RWE nun offenbar die Notbremse: Nur zehn Monate nach dem Einstieg in die Projektgesellschaft für das AKW Vorhaben "Belene" kündigte der Versorger nun den Rückzug aus dem Milliardenprojekt an. Grund sei die unsichere Finanzierung, hieß es. Die von Umweltschützern wiederholt geäußerten Sicherheitsbedenken wies RWE erneut zurück.

Das Städtchen Belene liegt im Norden Bulgariens an der Grenze zu Rumänien. Die Grenze zwischen den beiden Staaten bildet hier die Donau. Bis zur rumänische Hauptstadt Bukarest im Nordwesten Belenes sind es gut 100 Kilometer. 

Im Konzern dürfte die Entscheidung auch für Erleichterung sorgen, weil das von Vorstandschef Jürgen Großmann vorangetriebene Projekt intern umstritten war. Auch im Aufsichtsrat stieß es auf Skepsis.

Meiler russischer Bauart

Umweltschützer liefen Sturm gegen die Pläne mit der Begründung, der Bau liege in einem erdbebengefährdeten Gebiet. Greenpeace nannte Belene "eines der weltweit gefährlichsten Atomprojekte".

RWE erklärte dazu, die Arbeit der vergangenen Monate habe bestätigt, dass sowohl das sicherheitstechnische Konzept des Reaktors des russischen Lieferanten Atomstroyexport als auch die Voraussetzungen am Standort "hohen internationalen Anforderungen gerecht werden und damit einer Realisierung nicht entgegen stehen".

RTR1P214.jpg

Protestiert wird gegen das Bauvorhaben bereits seit Jahren.

(Foto: REUTERS)

Für das Projekt hat die bulgarische Regierung auch Siemens und die französische Areva gewonnen. Für RWE könnte der Rückzug insofern verschmerzbar sein, da sich seit dem Einstieg in Belene andernorts neue Perspektiven für die Atomkraft ergeben haben.

Im Januar bündelte der Konzern mit dem Konkurrenten Eon seine Kräfte zum Bau neuer Meiler in Großbritannien. Und in Deutschland droht den Kernkraftwerken unter der Regierung von CDU/CSU und FDP kein baldiges Aus mehr.

Zur Begründung für den Rückzug erklärte der deutsche Versorger: "RWE hatte auf die Schwierigkeiten insbesondere bei der Finanzierung bereits frühzeitig gegenüber der Vorgängerregierung hingewiesen."

Bulgarien macht wohl alleine weiter

Die Essener waren im Dezember vergangenen Jahres in die Projektgesellschaft Belene mit 49 Prozent eingestiegen, die restlichen 51 Prozent blieben bei dem staatlichen bulgarischen Versorger NEK. RWE hatte versucht, für seinen Anteil einen Partner zu finden - allerdings ohne Erfolg.

Die seit Juli amtierende neue Regierung in Sofia hat das Projekt auf den Prüfstand gestellt und erklärt, die Kosten für das Kraftwerk mit Leistung von 2000 Megawatt könnten auf bis zu zehn Milliarden Euro steigen. Die Vorgängerregierung hatte die Kosten noch auf vier Milliarden Euro beziffert.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/rts

Mehr zum Thema
23.04.09
23.04.09
23.04.09