Wirtschaft

Volles Haus in Stuttgart Razzia bei der LBBW

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Einsatzkräfte des Landeskriminalamts Baden-Württemberg rollen Kartons mit Unterlagen aus der LBBW.

(Foto: AP)

Aufregung bei der Landesbank Baden-Württemberg: Am Morgen durchsuchen Ermittler mit mehr als zweihundert Einsatzkräften Büros und Privaträume von amtierenden und früheren Vorständen. Bisher unbestätigten Angaben zufolge geht es um schwere Untreue.

240 Ermittler haben die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) durchsucht. Wegen des Verdachts der schweren Untreue gegen amtierende und frühere Vorstandsmitglieder beschlagnahmten sie Unterlagen in der LBBW-Hauptverwaltung in Stuttgart sowie in zehn Privatwohnungen.

Wie Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt mitteilten, werden sieben Manager beschuldigt, seit Ende 2006 pflichtwidrig dreistellige Millionenbeträge in hoch riskante Finanzgeschäfte investiert oder dies nicht verhindert zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde dadurch ein Schaden in Millionenhöhe verursacht.

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Ein Polizeibeamter steht in Stuttgart in einem Büro der LBBW.

(Foto: dpa)

Gegen den LBBW-Vorstandsvorsitzenden Hans-Jörg Vetter wird dem Vernehmen nach nicht ermittelt, aber sein Vorgänger Siegfried Jaschinski gehört zum Kreis der Beschuldigten. Den betroffenen Managern wird vorgeworfen, die riskanten Kreditgeschäfte getätigt oder geduldet zu haben, obwohl im Zusammenhang mit der Immobilienkrise in den USA der Markt für Hypothekenanleihen unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand. Zum Ankauf entsprechender Finanzprodukte habe das Kreditinstitut auch mehrere Zweckgesellschaften im Ausland unterhalten.

"Die LBBW unterstützt die Ermittlungen vollumfänglich, um zu einer raschen Aufklärung des Sachverhalts beizutragen", sagte ein LBBW-Sprecher. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte schon seit Monaten wegen riskanter Geschäfte gegen Spitzenkräfte der LBBW Immobilien GmbH ermittelt.

Im August war ein Anfangsverdacht der besonders schweren Untreue gegen zwei amtierende und einen ausgeschiedenen Geschäftsführer der LBBW-Tochter bestätigt worden. Seinerzeit waren bereits Räume der Bank durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt worden.

Gegen die LBBW-Vorstandsmitglieder ermittelt das Landeskriminalamt nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit November wegen besonders schwerer Untreue. Vorermittlungen seien bereits Ende 2008 eingeleitet worden, nachdem bekannt wurde, dass die LBBW im Zuge der Finanzkrise Verluste in Milliardenhöhe erlitten hatte.

Mehr als eine halbe Milliarde

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Polizeiaufgebot vor dem Gebäude.

(Foto: dpa)

Erst vergangene Woche hatte die größte deutsche Landesbank erneut tiefrote Zahlen vorgelegt. Unter dem Strich stand nach der ersten neun Monaten des laufenden Jahres ein Minus von 620 Mio. Euro. Belastet haben die Bilanz vor allem die wegen der Wirtschaftskrise notwendig gewordene hohe Absicherung gegen die zunehmende Gefahr von Kreditausfällen. Außerdem schlugen sich die Kosten für den Umbau der angeschlagenen Bank nieder.

LBBW-Chef Hans- Jörg Vetter rechnete damit, dass dies dem Haus auch im Schlussquartal zusetzen dürfte. Für das Gesamtjahr 2009 ging er bei der Vorstellung der Neunmonatszahlen von einem deutlichen Verlust aus.

"Die LBBW hat einen tiefgreifenden Umbau der Bank begonnen", teilte Vetter mit. "Dies ist erstens wegen der Anforderungen der EU unumgänglich. Es ist aber vor allem notwendig und sinnvoll, um unser Geschäft auf die Zukunft einzustellen."

Sorgen bereitete der Landesbank - unabhängig von den nun laufenden Ermittlungen - vor allem die drastische Erhöhung der Kreditrisikovorsorge. Damit wappnet sich die LBBW eigenen Angaben zufolge gegen das erhöhte Risiko möglicher Kreditausfälle wegen der Wirtschaftskrise. Das Sicherheitspolster stieg demnach zum 30. September auf 1,2 Mrd. Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bank hier einen Puffer von 14 Mio. Euro für ausreichend erachtet.

Quelle: ntv.de, dpa/rts

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