Wirtschaft

Verdacht auf Schneeballsystem Razzien gegen Anlagebetrüger

Kapitalanlagebetrüger sollen 4000 Anleger mit Anteilen an der Firma Business Capital Investors um 100 Millionen Euro geprellt haben. Ermittler und sieben Staatsanwälte rücken zu einer großen Razzia aus, um dem Verdacht nachzugehen. Für Geschädigte wird eine Hotline eingerichtet.

Mit Großrazzien in mehreren Bundesländern sind Polizei und Staatsanwaltschaft gegen drei mutmaßliche Anlagebetrüger vorgegangen, die Investoren mit hohen Renditeversprecher geködert haben sollen. Drei Männer im Alter von 50, 64 und 66 Jahren seien unter dem Verdacht des Betrugs in einem besonders schweren Fall verhaftet worden, teilten die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und das Landeskriminalamt NRW mit. Sie sollen rund 4000 Anleger um etwa 100 Mio. Euro geschädigt haben.        

553213_R_by_Andrea Damm_pixelio.de.jpg

Für Geschäfigte hat das Landeskriminalamt NRW eine Hotline eingerichtet: 0211-939-1564.

(Foto: Andrea Damm, pixelio.de)

Um die 120 Ermittler seien am Montag ausgerückt und hätten Wohnungen und Büroräume in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Hessen durchsucht. Haftbefehle gegen die drei Männer seien vollstreckt worden. Sie seien dringend verdächtig, seit 2002 "in betrügerischer Absicht" Beteiligungen an einer "Business Capital Investors Corp." (BCI) vertrieben zu haben. Anleger seien mit Renditen in einer Höhe von 15,5 Prozent gelockt worden.

Seit 2005 auf der "Warnliste" geführt

In einschlägigen Internet-Foren finden sich noch immer Fragen besorgter Verbraucher, ob diese Gesellschaft nun seriös sei oder nicht. Den Ermittlern zufolge gibt es derweil Anhaltspunkte, dass diese Renditen nicht erwirtschaftet, sondern im Rahmen eines Schneeballsystems aus den Anlagebeträgen gezahlt wurden. "Wir haben bis jetzt keine renditeträchtige Geschäftstätigkeit dieses Unternehmens feststellen können", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann. Das Landeskriminalamt NRW hat für Geschädigte eine Hotline (Tel:0211-939-1564) eingerichtet.  

Die Festnahmen sind weiteren Angaben zufolge im niedersächsischen Oldenburg, im Raum Köln und im Ausland erfolgt. Die Ermittlungen seien auch durch Hinweise von Schweizer Strafverfolgern angestoßen worden, hieß es. Die Stiftung Warentest hatte schon 2005 vor BCI gewarnt und das Unternehmen auf seiner Warnliste geführt. Damals hatte die Finanzaufsicht Bafin einem Finanzberater das Verkaufen von BCI-Beteiligungen untersagt. Einem Aachener Rechtsanwalt wurde verboten, Anlegergeld für die BCI als Treuhänder anzunehmen.  

Erst im Sommer war der wohl größte Fall von Anlagebetrug in Deutschland vom Landgericht Würzburg verhandelt worden. Der Hauptangeklagte Helmut Kiener wurde zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten verurteilt - er hatte mit einem Schneeballsystem mehr als 5000 Kleinanleger und zwei Banken um mehr als 300 Mio. Euro geprellt. Auch Kiener hatte unrealistische Renditen von mehr als zehn Prozent versprochen.  

Quelle: ntv.de, rts/dpa