Wirtschaft

Ackermanns Griechenland-Skepsis Regierung geht auf Distanz

In der Bundesregierung regt sich Unmut wegen der öffentlich geäußerten Zweifel des obersten Deutsch-Bankers Ackermann an der Bonität Griechenlands. Die stellvertretende Regierungssprecherin sagt, zu Spekulationen über die Fähigkeit des südeuropäischen Landes, seine Schulden zurückzuzahlen, gebe es "keinen Anlass und keinen Nutzen".

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Ist der Gau überhaupt noch abzuwenden?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesregierung hat die Zweifel von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zurückgewiesen, wonach Griechenland die Schuldenkrise nicht bewältigen könne. Die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach sagte in Berlin, das Anpassungsprogramm der griechischen Regierung sei realistisch. "Die öffentliche Rüge ist nicht Art der Bundeskanzlerin." Es gebe aber keine Zweifel an der Entschlossenheit der griechischen Regierung, dieses Sparprogramm umzusetzen. Zu derartigen Spekulationen über die Fähigkeit des südeuropäischen Landes, seine Schulden zurückzuzahlen, gebe es "keinen Anlass und keinen Nutzen". Direkt kommentieren wolle man die Meinungsäußerung Ackermanns nicht.

Schäubles Sprecher Michael Offer verwies darauf, dass das Sparprogramm mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU- Kommission und der Europäischen Zentralbank verhandelt und anerkannt worden sei. Insofern gebe es ein Testat von einer Gruppe, die Kernkompetenz besitze. Daher habe man eine positive Erwartung.

Europa vor dem Gau?

Ackermann hatte am Vorabend in einem ZDF-Interview gesagt: "Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln." Nach den Worten von Ackermann muss Griechenland stabilisiert werden. Wenn das Land fiele, würde die Krise mit großer Sicherheit auf andere Länder übergreifen und könnte zu einer Art Kernschmelze führen.

Ackermann hatte zugleich betont, dass alles getan werden müsse, um eine Umschuldung zu vermeiden. Bei einer Umschuldung würden Geldgeber Griechenlands, darunter deutsche Institute, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Der Deutsche-Bank-Chef fügte jedoch hinzu: "Und wenn es dann am Schluss dieser ganzen Phase doch nicht ganz reicht, dann kann man ja immer noch über Umschuldungen nachdenken."

Die öffentlichen Zweifel Ackermanns und die Andeutung einer späteren Umschuldung kommen überraschend. Der Spitzenbanker hatte erst kürzlich mit der Bundesregierung über einen Beitrag des Finanzsektors zur Stabilisierung Griechenlands verhandelt. Dabei wurden auch andere Unternehmen zur Teilnahme an diesen "flankierenden Maßnahmen" aufgerufen. Auch soll der Chef der Deutschen Bank in der Wirtschaft für Unterstützungsmaßnahmen geworben haben.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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