Wirtschaft
Strom von der Säule: Die Bundesregierung will die Elektrifizierung der Antriebe fördern.
Strom von der Säule: Die Bundesregierung will die Elektrifizierung der Antriebe fördern.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Sonntag, 09. August 2009

Mit staatlicher Kaufhilfe: Regierung will Elektroautos

Die Bundesregierung will in Sachen Elektroauto Gas geben. Mit staatlicher Kaufhilfe sollen in den nächsten Jahren 100.000 Elektroautos auf die heimischen Straßen kommen. Bis 2020 sollen es ein Million elektrischer Fahrzeuge werden.

Elektro-Autos sollen nach dem Willen der Bundesregierung im nächsten Jahrzehnt mit staatlicher Kaufhilfe verstärkt in den Straßenverkehr kommen. Auf die Höhe und den genauen Zeitraum einer Förderung für 100.000 Elektroautos zur Dämpfung der anfangs hohen Fahrzeug-Kosten konnten sich die vier zuständigen Ministerien Wochen vor der Bundestagswahl jedoch nicht mehr einigen. Das geht aus dem nach längeren Auseinandersetzungen jetzt fertigen "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" hervor, den das Kabinett voraussichtlich am 19. August beschließen will.

Die Elektromobilität soll mit dem Ausbau von Öko-Strom die Strategie "Weg vom Öl" voranbringen. Das Umweltministerium wollte den Kauf der ersten 100.000 E-Autos mit je 5000 Euro fördern. Das Finanzressort will jedoch am Ende dieser Wahlperiode keine neuen Bindungen mehr über die dazu nötigen 500 Millionen Euro eingehen.

Rahmen der Fördermaßnahmen umstritten

In Feldversuchen fahren bereits einige Elektroautos, wie dieser Mini E, auf deutschen Straßen umher.
In Feldversuchen fahren bereits einige Elektroautos, wie dieser Mini E, auf deutschen Straßen umher.

Nach Klärung etlicher rechtlicher und technischer Fragen wie internationale Verkehrsnormen für E-Autos und einer besseren Speicherfähigkeit der Batterien geht die Regierung davon aus, dass bis 2020 erst eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen rollen. Das Konzept bezieht nur strombetriebene Elektroautos ein und Plug-In-Hybrid-Autos (mit Verbrennungsmotor und Elektromotor bei aufladbarer Batterie). Einbezogen werden sollen aber auch leichte Nutzfahrzeuge sowie Elektro-Motorräder und -Fahrräder. Der Plan knüpft am 500-Millionen Euro umfassenden Autoförderpaket im Rahmen des laufenden Konjunkturpakets II an, das vor allem auch E-Autos betrifft. Diese Förderung sollte verlängert werden.

Während Bundesverkehrminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Pläne lobte, kam scharfe Kritik von Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Die von der schwarz-roten Koalition umweltpolitisch ungezielt in Gang gesetzte Abwrackprämie für Altfahrzeuge habe den Markt für Elektro-Fahrzeuge "gerade kaputt gemacht", sagte Trittin im Deutschlandfunk. "Das Geld, mit dem die Elektromobile von morgen gekauft werden konnten, ist gerade ausgegeben worden von den Bürgerinnen und Bürgern - angestiftet durch die große Koalition - für alte Technologie." Trittin kritisierte damit auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, der sich in seinem Deutschland-Plan zur Wahl für die Elektro-Auto-Förderung ausgesprochen hatte.

Ständige Gesprächsplattform mit der Wirtschaft

Tanken aus der Steckdose soll, nach dem Willen der Bundesregierung, keine Ausnahme mehr bleiben.
Tanken aus der Steckdose soll, nach dem Willen der Bundesregierung, keine Ausnahme mehr bleiben.

Tiefensee hat im Zuge des Konjunkturpakets mit 115 Millionen Euro aus seinem Verkehrsetat bereits Mittel für die Förderung von acht Modellregionen. "Wir können und müssen Deutschland mit unseren hervorragenden Ideen aus dem ganzen Land zum Marktführer für moderne Antriebstechnologien machen", sagte er. "Das sichert wichtige Arbeitsplätze und die Mobilität der Zukunft." Die vier zuständigen Ressorts für Wirtschaft, Verkehr, Umwelt und Forschung schlagen im Entwicklungsplan ein Marktanreizprogramm für Elektro-Autos vor. Einschränkend heißt es jedoch: "Soweit zusätzliche Aktivitäten auf den Bund entfallen, stehen sie unter dem Vorbehalt der geltenden Finanzplanung und der politischen Entscheidungen in der nächsten Legislaturperiode." Mit der Wirtschaft soll eine ständige Gesprächsplattform zu den Themen entwickelt werden.

Die Regierung teilt die weitere Entwicklung in drei Phasen ein: die laufende Marktvorbereitung von 2009 bis 2011, weitere Tests und erste Serienreife von 2011 bis 2016 (Markthochlauf) sowie die erste Massenfertigung und flächendeckende Strom-Lademöglichkeiten von 2017 an. Zum Zeitplan heißt es: "Plug-In-Hybridfahrzeuge und kleine Elektrofahrzeuge mit Reichweite für den Stadtverkehr werden daher in wenigen Jahren Marktreife erlangen." Bis zum Massenmarkt würden jedoch deutlich mehr als zehn Jahre vergehen. "Im Jahr 2030 können es über fünf Millionen Fahrzeuge sein. Bis 2050 kann der Verkehr in Städten überwiegend ohne fossile Brennstoffe auskommen. Dazu gehört auch die Schaffung einer bedarfsgerechten Infrastruktur für das Laden der Fahrzeuge. Die Bundesregierung wird dies durch geeignete Rahmenbedingungen unterstützen."

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Quelle: n-tv.de