Wirtschaft

Für Einkaufstour in den USA Riad überweist Staatsfond 40 Milliarden Dollar

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Kronprinz Mohammed bin Salman hat den Staatsfonds auf Shoppingtour geschickt.

(Foto: picture alliance/dpa)

In der Corona-Krise stürzen die Kurse vieler Unternehmen ab. Der schwerreiche Staatsfonds von Saudi-Arabien nutzt die Gelegenheit für eine Shoppingtour und erwirbt Anteile an US-Unternehmen. Damit ihm das Geld nicht ausgeht, schießt die Führung in Riad frisches Kapital nach.

Saudi-Arabiens Zentralbank hat dem Staatsfonds des Königreiches 40 Milliarden US-Dollar überwiesen. Der staatliche Investor nutzt die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie, um Minderheitsbeteiligungen an amerikanischen Unternehmen zu erwerben. "Wir befinden uns in einer sehr ungewöhnlichen Zeit. Dies ist eine sehr außergewöhnliche einmalige Transaktion, die nach reiflicher Überlegung erfolgt ist", sagte der saudische Finanzminister Mohammed al-Dschadan dem "Wall Street Journal" in einem Telefonat. "Es wurde entschieden, dass dies vielleicht eine Gelegenheit ist, die wir nicht vergeuden sollten."

Der rund 300 Milliarden Dollar schwere Public Investment Fund (PIF) hat im ersten Quartal Anteile im Wert von jeweils rund einer halben Milliarde Dollar an Facebook, Walt Disney und dem Hotelkonzern Marriott International erworben, wie aus einer Mitteilung an die Regulierungsbehörde hervorgeht.

Der Fonds investierte zudem ähnliche Summen in Cisco Systems, Citigroup, Bank of America, Carnival und Live Nation Entertainment. An dem Flugzeugbauer Boeing erwarben die Saudis eine Beteiligung im Wert von 714 Millionen Dollar.

Diversifizierung der Wirtschaft

Laut al-Dschadan, der im Board von PIF sitzt, wurden im März 15 Milliarden Dollar an den Staatsfonds überwiesen und im April weitere rund 25 Milliarden. Bislang sei aber nur ein kleiner Teil davon ausgegeben worden. "Sie suchen noch nach guten Vermögenswerten, die sie erwerben können", sagte der Finanzminister.

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Kronprinz Mohammed bin Salman hatte den Staatsfonds 2015 mit der Diversifizierung der Wirtschaft beauftragt, um die Abhängigkeit seines Landes vom Öl zu verringern. Der PIF soll in Unternehmen und Industrien investieren, die nichts mit Erdöl zu tun haben. Der jüngste Kaufrausch des Fonds zeugt von einer kühnen Strategie in globale Aktien zu investieren, auch wenn die Finanzlage Saudi-Arabiens aufgrund der Corona-Pandemie und eines Absturzes der Ölpreise heute die prekärste seit zehn Jahren ist.

Bedenken, dass die Senkung der Währungsreserven die Landeswährung Riyal unter Druck setzen könnte, wies al-Dschadan zurück. "Nein, ganz und gar nicht. Ich denke, es ist ein sehr gut kalkulierter Schritt", sagte er, fügte aber hinzu, er erwarte nicht, dass sich dieser wiederhole.

Die Reserven Saudi-Arabiens sind im März um 27 Milliarden Dollar gesunken - der größte Rückgang in einem einzigen Monat seit 20 Jahren. Im April werde es einen weiteren Rückgang um 24 Milliarden Dollar geben, sagte der Finanzminister. Der saudischen Zentralbank würden danach etwa 455 Milliarden Dollar bleiben.

Quelle: ntv.de, chr/DJ