Wirtschaft

Aufschrei im Mobilfunkmarkt Google streicht bei Motorola

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Mit den MoMo-Patenten in der Tasche versucht Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt Motorola Mobility in die schwarzen Zahlen zu schieben.

(Foto: REUTERS)

Die Übernahme ist unter Dach und Fach - jetzt packt der Suchmaschinenriese Google die unangenehmen Wahrheiten aus: Bei Motorola Mobility sollen rund 20 Prozent der MoMo-Mitarbeiter gehen. Google versucht, den Handyhersteller gesundzuschrumpfen.

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"Diese Änderungen sind dazu gedacht, Motorolas Mobilfunk-Einheit in die schwarzen Zahlen zu bringen."

(Foto: REUTERS)

Der US-Internetkonzern Google macht bei Motorola Mobility reinen Tisch und streicht bei dem jüngst erworbenen Handyhersteller rund 4000 Stellen. Der Abbau von rund einem Fünftel der Belegschaft solle die Tochter wieder profitabel machen, teilte Google mit. Fast ein Drittel der weltweit 94 Büros sollten geschlossen werden.

Mit den scharfen Einschnitten in den Reihen der Motorola-Belegschaft macht der weltgrößte Suchmaschinenanbieter wahr, was viele Experten erwartet haben. Denn Google wollte sich im Patentkampf mit Branchenschwergewichten wie Apple durch die vor allem den Zugriff auf die rund 17.000 Schutzrechte und 7500 Patentanwendungen bei Motorola sichern.

Das strauchelnde Handygeschäft des US-Mobilfunkanbieters habe nie im Zentrum der Übernahme gestanden, hieß es. Googles Ziel sei die Stützung der Betriebssoftware für mobile Endgeräte. Android läuft mittlerweile auf der Mehrheit aller Smartphones und erweist sich für Google immer stärker als wichtige Umsatzstütze.

Google hatte den MoMo-Zukauf im Volumen von 12,5 Mrd. Dollar erst im Mai abgeschlossen. Letztlich dürften die jüngsten Motorola-Zahlen Google dazu bewegt haben, jetzt aktiv zu werden. Im zweiten Quartal fuhr die Motorola-Sparte einen operativen Verlust von 233 Mio. Dollar ein.

Großzügige Abfindungen

"Diese Änderungen sind dazu gedacht, Motorolas Mobilfunk-Einheit in die schwarzen Zahlen zu bringen, nachdem sie in 14 der letzten 16 Quartale Geld verlor", begründete Google in einem Schreiben an die US-Börsenaufsicht den geplanten Stellenabbau. Der Konzern betonte, man werde sich gegenüber den entlassenen Mitarbeitern gütlich zeigen und großzügige Abfindungen anbieten.

Der Stellenabbau birgt für Google nicht unerhebliche Image-Risiken: Vor dem Hintergrund stagnierender Arbeitslosenzahlen in den USA und des dort laufenden Präsidentschaftswahlkampfes steht die Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht nur für politische Beobachter im Vordergrund. Konkurrent Apple hatte zuletzt in einer eigens angesetzten Kampagne darauf hingewiesen, welche .

Insgesamt rechnet Google mit maximalen Kosten von 275 Mio. Dollar im Zusammenhang mit den Stellenkürzungen. Diese würden weitestgehend im dritten Quartal verrechnet. Es sei mit weiteren Restrukturierungskosten zu rechnen. Die Höhe sei noch nicht einzuschätzen, könnten aber signifikant sein, hieß es.

Bisher hielt sich Google bedeckt, was für Motorola angeht. Auch zu Wochenbeginn wurden wenig neue Details bekannt. Laut "New York Times" soll MoMo die geschäftlichen Aktivitäten in Asien und Indien zurückfahren, auf die Produktion von Billig-Geräten verzichten und sich nur noch auf wenige Modelle konzentrieren.

Diesen Angaben zufolge will Google den Rotstift auch im Motorola-Management ansetzen. An der New Yorker Börse schienen die Einschnitte zumindest unter Anlegern gut anzukommen: Die Google-Aktie legte vorbörslich mehr als zwei Prozent zu.

Quelle: ntv.de, mmo/rts