Wirtschaft

"Anleger wissen, die EZB steht bereit" Rückkehr der Euro-Krise löst keine Panik aus

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Griechenland, Portugal und Italien lassen die Alarmglocken schrillen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Angesichts der Wiederkehr der Schuldenkrise reagieren die Märkte nervös und die Angst ist wieder da. Doch die Investoren bleiben vergleichsweise ruhig - und erinnern sich an das Versprechen der Europäischen Zentralbank.

Die in den vergangenen Wochen etwas aus dem Fokus gerückte Euro-Krise ist zurück. Grund sind die mühevollen Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika um die nächsten Milliarden-Hilfen und die Erschütterungen in der portugiesischen Regierung. Zudem rumort es auch im italienischen Kabinett. Aktien und Anleihen-Investoren reagierten am Mittwoch mit heftigen Verkäufen vor allem auf die sich zuspitzende Situation in Portugal. Einen Rückfall der Märkte in den Krisenmodus, der mit explodierenden Zinskosten für die hoch verschuldeten Staaten Italien und Spanien einhergehen würde, fürchtet HSBC-Trinkaus-Experte Rainer Sartoris dennoch nicht: "Natürlich schrillen die Alarmglocken, aber letztlich gilt das, was schon seit Monaten gilt: die Anleger wissen, dass im Notfall die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Anleihen-Ankaufprogramm bereit steht, um eine Eskalation zu verhindern."

Die EZB hatte im September angekündigt, am Kapitalmarkt unbegrenzt Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Hilfe beim Euro-Rettungsfonds ESM beantragen und sich strengen Bedingungen unterwerfen, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Das Wissen um ein solches Sicherheitsnetz hatte die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen seit Sommer 2012 von über 6 Prozent auf zeitweise 3,6 Prozent sinken lassen. Ähnlich sah die Entwicklung bei den spanischen Papieren aus.

Keine panikartigen Verkäufe

Zwar machten Investoren nach den neuerlichen Turbulenzen einen Bogen um die Titel Italiens und Spaniens - doch von panikartigen Verkäufen konnte keine Rede sein. "Die Verunsicherung hält sich noch in Grenzen", sagte ein Händler. Die Rendite der Italien-Bonds kletterte vor einer Krisensitzung des Kabinetts leicht auf 4,5 Prozent. Ex-Regierungschef Mario Monti hat damit gedroht, der Koalition von Ministerpräsident Enrico Letta die Unterstützung zu entziehen, da nach seiner Ansicht die Wirtschaftsreformen zu langsam vorankommen. Doch auch ohne Montis Partei hätte die aus der sozialdemokratischen PS und der rechtskonservativen Partei der Freiheit gebildete Koalition eine Parlamentsmehrheit.

Kritischer ist die Situation dagegen in Portugal, nachdem innerhalb von nur 24 Stunden sowohl der Finanz- als auch der Außenminister hingeschmissen haben.  Medienberichten zufolge sind weitere Minister zum Rücktritt bereit. In der Folge fiel die Börse in Lissabon auf den tiefsten Stand seit fast acht Monaten. Die Kurse der zehnjährigen Staatsanleihen brachen um rund zwölf Prozent ein. Offenbar gebe es in den regierenden Parteien große Differenzen über den Konsolidierungskurs des Landes, hieß es in einem Kommentar der Essener National-Bank. Finanzminister Vitor Gaspar gilt als Architekt der umstrittenen Sparmaßnahmen, für die Portugal im Gegenzug Hilfen von 78 Milliarden Euro zugesagt worden waren. Die Einschnitte führten zu massiven Protesten und stürzten das Land in die tiefste Wirtschaftskrise seit mehr als 40 Jahren.    

Mittlerweile schließt Portugal, das den Euro-Rettungsschirm eigentlich bis Mitte 2014 verlassen will, eine weitere Lockerung seiner Defizitziele nicht aus. Sollten die Bedingungen des laufenden Hilfspakets in naher Zukunft neu verhandelt werden, hieße das wohl nichts anderes als neue Hilfsleistungen seitens der EU, prognostizieren die Experten vom Brokerhaus AdmiralMarkets. Noch sei allerdings unklar, "ob die Troika in Anbetracht der jüngsten politischen Entwicklungen weitere Zugeständnisse für die Haushaltskonsolidierung machen will und vor allem kann", schreiben die Analysten der National-Bank. "Sie wären sehr gut zu begründen, denn dann kämen sicher andere Länder, die entsprechende Anpassungen mit dem Hinweis auf Portugal fordern würden."

"Schuldenschnitt nur eine Frage der Zeit"

Damit richtet sich der Blick dann nach Griechenland: Die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission prüft derzeit, ob Athen mit seinen Reformbemühungen vorangekommen ist und damit die Voraussetzungen für die Überweisung der nächsten Kredit-Tranche erfüllt. Allerdings hat das Land inzwischen selbst eingeräumt, nicht alle Vorgaben erfüllt zu haben. Zuletzt flammte dabei die Debatte über einen zweiten Schuldenschnitt wieder auf. Die Bundesregierung wies entsprechende Überlegungen zurück.

In Griechenland drehe sich derzeit alles um die Frage, ob der IWF seine Auffassung über die Schuldentragfähigkeit des Landes ändern und aus dem Hilfsprogramm aussteigen werde, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Aus Sicht von Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, dürfte der zweite Schuldenschnitt nur eine Frage der Zeit sein. "Aus politischen Gründen wird es den vor der Bundestagswahl nicht geben, aber ich bin mir sicher, noch im Spätherbst kommt der zweite Schuldenschnitt."

Ein zweiter Forderungsverzicht würde voraussichtlich Milliardenlasten für die Euro-Partner und damit vor allem für den deutschen Steuerzahler bedeuten. Im Frühjahr 2012 hatte das Land mit einem Schuldenschnitt bei seinen Privatgläubigern - vor allem Banken und Versicherungen - die Verbindlichkeiten um gut 100 Milliarden Euro verringert.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

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