Wirtschaft

Vergangenheit wirft lange Schatten Deutscher Bank bricht Gewinn weg

Die Deutsche Bank polstert sich weiter für juristische Auseinandersetzungen. Das aber kostet das Geldhaus den Quartalsgewinn. Zudem liefern einige Geschäftsbereiche schwache Zahlen. Mit Mühe rettet sich die Bank in die Gewinnzone.

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Die Deutsche Bank kämpft an mehreren Fronten gegen die Schatten der Vergangenheit: Die Vorwürfe reichen von fragwürdigen US-Hypothekengeschäften über Zinsmanipulationen bis hin zu angeblichen Bilanztricksereien. Dafür stellt die Bank inzwischen mehr als vier Milliarden Euro zurück. Allein im dritten Quartal kamen nochmals 1,2 Milliarden Euro hinzu, wie das Geldhaus mitteilte. Diese neuerlichen Rückstellungen allerdings fraßen den Quartalsgewinn nahezu vollständig auf. Die Aktionäre straften die Bank ab.

Unter dem Strich verblieben dem Branchenprimus zwischen Juli und Ende September nach Steuern noch 51 Millionen Euro. Vor einem Jahr waren es noch 754 Millionen Euro. Die Höhe der neuerlichen Rückstellungen, der Großteil davon für Altlasten im US-Hypothekengeschäft, traf die Analysten auf dem falschen Fuß. Sie hatten lediglich mit rund 500 Millionen Euro zusätzlich gerechnet.

Minimales Vorsteuerplus

Darüber hinaus setzte dem Institut die branchenweite Flaute im Anleihehandel zu. Zudem trug das schwache Geschäft im Investmentbanking dazu bei, dass das Vorsteuerergebnis auf 18 Millionen Euro buchstäblich in sich zusammenfiel. Zum Vorjahr war das ein Rückgang um 98 Prozent - deutlich stärker als von Analysten erwartet.

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Die Co-Vorsitzenden des Vorstands, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, haben Verträge bis 2017.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die beiden Co-Vorsitzenden des Vorstands, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, sprachen von substanziellen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Dennoch habe die Bank "Fortschritte auf wichtigen Feldern gemacht". So seien allein in diesem Quartal rund 15 Prozent der bis 2015 angestrebten Bilanzverkürzung von 250 Milliarden Euro umgesetzt worden. Zugleich stellten beide die Aktionäre auf "weitere Herausforderungen" in den kommenden Quartalen ein.

Dabei wird Deutschlands größte Bank bis mindestens 2017 von einer Doppelspitze geführt werden. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des Co-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen bis zum 31. März 2017. Fitschens bisheriger Vertrag wäre im Mai 2015 ausgelaufen, der seines Kollegen Anshu Jain läuft schon bis 2017. Beide hatten im Juni 2012 gemeinsam die Führung des Finanzinstituts übernommen. Das Kontrollgremium folgte mit der Verlängerung der Empfehlung des Präsidialausschusses, die bereits im September mitgeteilt wurde.

"Seit ihrer Berufung zu Co-Vorstandsvorsitzenden haben Jürgen Fitschen und Anshu Jain mit zahlreichen unternehmerischen Entscheidungen die Deutsche Bank in die richtige Richtung gebracht", sagte der Chef des Kontrollgremiums Paul Achleitner. "Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen."

Milliardenstrafe im US-Hypothekengeschäft?

Und die Aufgaben werden nicht kleiner. Beiden Manager haben alle Hände voll zu tun, mit der größten Bank Deutschlands im harten Wettbewerb ordentliche Gewinne einzufahren.

Doch der Bank steht eine Klageflut bevor. So verklagte 2011 die die US-Immobilienbehörde FHFA, die Fannie und Freddie seitdem treuhänderisch verwaltet, 18 internationale Großbanken wegen Betrug – darunter auch die Deutsche Bank. Und die bisherigen Einigungen lassen nichts Gutes erwarten: Die UBS musste 4,5 Milliarden Dollar berappen, auf die Citigroup entfielen 3,5 Milliarden. Schwergewicht JP Morgan hat 5,1 Milliarden Dollar aufzubringen - wohl nur der Anfang einer 13-Milliarden-Dollar-Strafe. Auf die Bank of America soll ein Bußgeld von gut sechs Milliarden Dollar zukommen.

Außerdem zeichnen sich in der Branche weitere teure Vergleiche im Libor- Zinsskandal ab. Offenbar mit Blick auf all diese Entwicklungen schraubte die Deutsche Bank ihre Rückstellungen für nun abermals hoch. Zum Thema Libor erklärte der Vorstand im Zwischenbericht: "Die laufenden Untersuchungen könnten die Verhängung hoher Geldstrafen und andere Auswirkungen für die Bank nach sich ziehen."

Vermögensverwaltung lohnt sich

Aber auch das Kerngeschäft machte dem Geldhaus im dritten Quartal Sorgen. Im Investmentbanking sank das Vorsteuerergebnis von 1,1 Milliarden vor einem Jahr auf nun 345 Millionen Euro. Allein im Handel mit Anleihen und anderen festverzinslichen Produkten - der wichtigsten Domäne der Deutschen Bank - brachen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um gut die Hälfte ein.

Vorwärts geht es indes auf der größten Baustelle, der Vermögensverwaltung. Hier kletterte das Vorsteuerergebnis trotz milliardenschwerer Nettomittelabflüsse binnen Jahresfrist von 113 Millionen auf 283 Millionen Euro, weil sich mehr und mehr die Erfolge des Sparprogramms zeigen. Denn die Erträge legten nur um gut zwei Prozent zu.

Im Privatkundengeschäft half zwar die sinkende Risikovorsorge im Kreditgeschäft, doch belasteten hier die anhaltenden Niedrigzinsen die Geschäfte. Das Vorsteuerergebnis schrumpfte von 404 auf 347 Millionen Euro. Dennoch zahlt sich die Strategie der Bank aus, das Geschäft durch die Postbank-Übernahme auszuweiten. Inzwischen erweist es sich als stabile Säule in schwierigen Zeiten. Immerhin galt das Geschäft lange als langweilig. Auch die starke Konkurrenz und die damit einhergehenden dünnen Margen sprachen nicht für dieses Segment.

Ein Viertel weniger Gewinn nach neun Monaten

Nach neun Monaten stehen bei der Deutschen Bank nun Erträge in Höhe von 25,3 Milliarden Euro zu Buche, ein Rückgang um zwei Prozent. Im Investmentbanking fiel das Vorsteuerergebnis um 15 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Euro. Der Bereich Vermögensverwaltung steigerte das Ergebnis vor Steuern dagegen um 41 Prozent auf 587 Millionen Euro. Das Privatkundengeschäft steuerte 1,2 Milliarden Euro zum Vorsteuerergebnis bei, ein Anstieg um 105 Millionen Euro. Unter dem Strich verbuchte das Finanzinstitut in den ersten neun Monaten damit gut zwei Milliarden Euro. Das war etwa ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum.

Mit schwachen Zahlen steht die Deutsche Bank nicht alleine da. So machte etwa der Credit Suisse und Barclays ebenfalls das schwache Anleihengeschäft zu schaffen. In den USA litten Banken wie JP Morgan Chase und die Citigroup darüber hinaus unter der trägen Wirtschaft und einer sinkenden Hypthekennachfrage.

Zeitweise größter Dax-Verlierer

An der Börse rutschte das Papier zunächst deutlich ab, verlor zeitweise mehr als 3 Prozent und führte lange Zeit die Verliererliste im Leitindex an. Bis zum Mittag begrenzte sie das Minus auf 1,5 Prozent und drehte dann im späten Handel ins Plus: Am Ende ging das Papier 0,9 Prozent fester aus dem Handel.

"Die Zahlen der Deutschen Bank bieten insgesamt ein ziemlich schwaches Bild. Die Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten machen der Bank zu schaffen, aber auch Erträge aus dem Investmentbanking sind nicht mehr das, was sie mal waren", sagte ein Händler. Aus Sicht von Equinet-Analyst Philipp Häßler dürften die Rechtsstreitigkeiten der größte Risikofaktor für die Deutsche Bank bleiben.

Quelle: ntv.de, mit rts und DJ

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