Wirtschaft

Rendite auf Rekordtief Run auf Bundesanleihen

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Ein Rekordtief bei der Umlaufrendite wirkt auf den ersten Blick unspektakulär: Dahinter stecken jedoch gewaltige Umwälzungen.

(Foto: REUTERS)

Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt von Europas oberstem Währungshüter verzeichnen Beobachter am Kapitalmarkt ein neues Allzeittief. Die Entwicklung bei deutschen Staatsanleihen deutet Experten zufolge auf eine grundlegende Verunsicherung hin.

Der Wunsch der Anleger nach Sicherheit hat am Donnerstag den deutschen Bundesanleihen einen neuen Schub gegeben. Der Bund-Future stieg um 35 Ticks auf ein Rekordhoch von 149,17 Zähler. Entsprechend gaben die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen nach und fielen bis auf ein Rekordtief von 0,91 Prozent. Es sei nur "eine Frage der Zeit" gewesen, wann die Umlaufrendite die Ein-Prozent-Marke testen wird, sagte ein Händler.

Neben der Ukraine-Krise und den Konflikten im Nahen Osten sorgten laut Händlern zuletzt enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone für einen echten "Run" auf die Papiere. Mit Spannung warteten die Anleger auf die Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi, die für 14.30 Uhr angesetzt ist.

Zwar wurden keine Zinssenkungen oder andere Liquiditätsmaßnahmen erwartet. Draghi dürfte jedoch von Seiten der Fachpresse auf die zuletzt schlechten Daten aus Deutschland angesprochen werden, vermuten Börsianer. So war im Juni die deutsche Produktion schwächer als erwartet gestiegen und die deutschen Industrieaufträge eingebrochen.

Madrid besorgt sich Geld

Nicht nur Bundesanleihen, sondern auch die Staatspapiere Spaniens und Italiens stehen im Vorfeld der Draghi-Aussagen wieder in der Gunst der Anleger höher, was die Renditen entsprechend in die Tiefe drückte. Spanien zapfte zudem erfolgreich den Kapitalmarkt an.

Für zehnjährige Kredite musste Madrid den Anlegern mit durchschnittlich 2,686 Prozent so wenig Rendite bieten wie noch nie. Neben den zehnjährigen Bonds bot die Regierung auch fünfjährige Papiere an. Insgesamt nahm Madrid mit 3,1 Milliarden Euro etwas mehr Geld als geplant ein.

Fortschritte in Griechenland?

Auch aus Griechenland erreichen ermutigende Signale den Kapitalmarkt: Die Regierung in Athen kann auf Erleichterungen bei der Rückzahlung seiner Schulden hoffen. Im ersten Halbjahr 2014 erzielte das Land einen sogenannten primären Haushaltsüberschuss - ohne Zinslast - in Höhe von 1,8 Milliarden Euro, wie das Finanzministerium mitteilte.

2013 hatte Griechenland erstmals seit zehn Jahren wieder einen Primärüberschuss verzeichnet. Er lag bei 1,5 Milliarden Euro. Die Eurogruppe hatte Athen bei einem Primärüberschuss Erleichterungen bei den Konditionen der gewährten Kredite in Aussicht gestellt. Dazu sollen niedrigere Zinsen und längere Zahlungsfristen gehören. Beratungen dazu werden im Herbst erwartet.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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