Wirtschaft

"Eine große Ehre" Russen spotten über Sanktionen

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Russlands Präsident Wladimir Putin.

(Foto: REUTERS)

In Russland sorgen die Sanktionen des Westens für demonstrative Heiterkeit. Doch so harmlos sie auch sein mögen, sie sind womöglich nur der Anfang. Und härtere Maßnahmen könnten Putin durchaus beeindrucken - sicher ist das aber nicht.

Gemessen an den Reaktionen der Betroffenen haben die Sanktionen von Europäischer Union und USA gegen russische Politiker und Militärs ihr Ziel verfehlt. "Es ist eine große Ehre für mich, auf der Liste zu stehen", spottet etwa Wladislaw Surkow, seines Zeichens Erfinder der "gelenkten Demokratie". Oder wie es ein Abgeordneter der Duma ausdrückt: "Sie versuchen, mit nacktem Hintern einem Igel Angst zu machen."

In der Tat, die Sanktionen machen keinen sonderlich furchteinflößenden Eindruck. Das sehen die unbestechlichen Finanzmärkte auch so: Der Rubel steigt wieder etwas, an der Moskauer Börse geht es nach oben, der Ölpreis fällt.

Dreizehn Russen hat die EU mit Einreiseverboten und Kontosperren belegt, sieben Russen die Amerikaner. Unter ihnen sind Mitglieder der politischen und wirtschaftlichen Elite des Landes. Doch glaubt der Westen wirklich, mit diesem Schritt Putin zu beeindrucken und irgendetwas zu erreichen?

Bezeichnenderweise gehören weder Putin noch sein engster Kreis zu den Betroffenen. Surkow - der auf der amerikanischen Liste steht - ist beispielsweise längst entmachtet. Und auch die Oligarchen bleiben verschont. "Jeder durchschnittliche Fußballfan kann innerhalb von zwei Minuten eine härtere Liste zusammenstellen", schimpft Oppositionspolitiker und Schachlegende Garri Kasparow und gibt einen Ratschlag: "Ihr wollt eine starke Liste? Schaut euch Forbes an! Geht auf die Liste der russischen Milliardäre, die Putin unterstützen und die Staatskasse plündern - und nehmt sie euch vor!"

Wirtschaftssanktionen denkbar

Für die vergleichsweise zurückhaltenden Sanktionen des Westens werden in der Regel zwei Erklärungen angeführt. Zum einen hoffen EU und USA, mit einem Warnschuss eine Verschärfung der Krise zu verhindern und Russland davon abzuhalten, sich mehr als die Krim einzuverleiben. Zum anderen will der Westen harte Schritte wie Wirtschaftssanktionen vermeiden. Die würden zwar vor allem Russland stark treffen, doch die EU ist auf russisches Gas angewiesen und macht gute Geschäfte mit dem Riesenreich. Mit anderen Worten: Der Westen kann Russland ökonomisch nicht treffen, ohne sich selbst zu schaden.

Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass EU und USA wirtschaftliche Sanktionen verhängen werden. Möglicherweise bleibt ihnen nichts anderes übrig, sollte Russland sich nicht mit der Krim begnügen. Die Suspendierung der Mitgliedschaft in der G8 soll als deutliche Warnung in Richtung Kreml verstanden werden. Zweifellos steckt Russlands Wirtschaft derzeit in großen Schwierigkeiten. Das Wachstum ist schwach, zudem leidet das Land unter Kapitalflucht. Rund 50 Milliarden Dollar sind Schätzungen zufolge seit Anfang des Jahres abgeflossen. Sanktionen würden die ohnehin schon angeschlagene Volkswirtschaft sehr hart treffen. Doch ob das Putin das kümmert?

Vermögen im Ausland

Vielleicht hat er keine andere Wahl, wenn es erst mit Russlands Wirtschaft abwärts geht. Und möglicherweise bekommt er bereits Probleme, wenn der Westen der politischen und wirtschaftlichen Elite ihren Besitz im Ausland wegnimmt und ihr es nicht mehr möglich ist, im Westen ihren Reichtum zu genießen.

Manche Beobachter meinen allerdings, dass das durchaus im Sinne Putins wäre. Denn er hat kein Interesse daran, dass Politiker und Unternehmer ihr wie auch immer verdientes Geld im Ausland in Sicherheit bringen und so unabhängiger von der Machtzentrale werden. Seit geraumer Zeit fordert er sie auf, das Geld zurück nach Russland zu bringen.

Doch die Angesprochenen halten das wohl für keine gute Idee. Trotz aller Lippenbekenntnisse hängen sie an ihren Auslandskonten und ihren Schengen-Visa - und an westlichen Statussymbolen. "Ich boykottiere ab heute US-Produkte", tönte beispielsweise Unternehmer Michail Dworkowitsch, der Bruder eines der russischen stellvertretenden Ministerpräsidenten. Dabei muss er übersehen haben, dass er dieses Bekenntnis auf Twitter veröffentlichte. Und ein iPhone benutzte.

Quelle: n-tv.de

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