Wirtschaft

Athen-Hilfspaket nur ein Pflaster S&P ist skeptisch

Das vereinbarte Hilfspaket verschafft Griechenland nach Einschätzung der US-Ratingagentur Standard & Poor's nur eine "Verschnaufpause". Das Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds sei "nicht die Lösung".

Nun hat auch die Wissenschaft festgestellt, dass Pflasterabziehen in einem Ruck weniger Schmerzen erzeugt als vorsichtiges Abpulen.

Verschafft das Hilfspaket dem griechischen Patienten nur vorübergehend Linderung?

Die Regierung in Athen müsse "dieses Zeitfenster jetzt nutzen, sehr engagiert zur Sache gehen und schon bald erste Erfolge  vorweisen", sagte Moritz Kraemer, der bei S&P das Team für die Bonitätsbewertungen europäischer Staaten leitet, in einem Interview mit der "Zeit". Dann könne sie auch wieder Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Dafür müsse sie aber die Bürger von ihrem Sparprogramm überzeugen. "Ein Problem ist, dass Griechenland in seiner jüngsten Geschichte kein Beispiel dafür liefert, solch ein massives Programm umsetzen zu können. Die Märkte haben diesbezüglich natürlich Zweifel", sagte Kraemer. "Die haben wir auch."

S&P hatte die Kreditwürdigkeit Griechenlands in der vergangenen Woche um drei Stufen auf Ramschstatus gesenkt. Die Aufregung darüber sei weniger S&P als der Nervosität der Märkte geschuldet, sagte Kraemer. Diese seien "schon seit Monaten wesentlich pessimistischer als wir" und gingen "mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit von einer Umschuldung aus". S&P tue das nicht. Historisch betrachtet, so Kraemer, gingen Staaten in der Ratingkategorie Griechenlands nur in 14 Prozent aller Fälle binnen zehn Jahren pleite.

S&P war nach der Herabstufung kritisiert worden, den Ausgang der Sparverhandlungen der Regierung mit EU und IWF nicht abgewartet zu haben. S&P hatte auch die Bewertungen für Portugal und Griechenland gesenkt. Dies hatte Sorgen geschürt, die Schuldenkrise könnte auf andere Länder Europas übergreifen. Moody's ist die einzige Agentur, die Griechenland mit ihrem Rating "A3" nicht auf Ramsch-Status gesenkt hat, allerdings wurde ein solcher Schritt auch nicht ausgeschlossen.

Quelle: n-tv.de, AFP/DJ

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