Wirtschaft

Unter dem Dach der Deutschen Bank Sal.Oppenheim beendet Ära

Zwei Weltkriege überstanden, aber die Finanzkrise nicht: Die private Bank Sal. Oppenheim verliert ihre Unabhängigkeit. Das Geldinstitut ist ab sofort Bestandteil der Deutschen Bank. Investmentbanking findet bei Sal.Oppenheim bald nicht mehr statt. Dafür kümmert man sich um reiche Kunden und institutionelle Anleger.

Für die Traditionsbank Sal. Oppenheim sind die Zeiten der Eigenständigkeit vorbei. Das 220 Jahre alte private Institut ist ab sofort nur noch eine Marke der Deutschen Bank. Die eine Milliarde Euro teure Übernahme ist mittlerweile abgeschlossen.

Sal. Oppenheim konzentriert sich künftig komplett auf die Vermögensverwaltung für reiche Kunden und institutionelle Anleger. Die noch verbliebenen Investmentbank-Aktivitäten sollen im Laufe des Jahres eingestellt werden. Die Kosten hierfür tragen Finanzkreisen zufolge noch die Altgesellschafter. Denn die Belastungen reduzieren den nicht bezifferten Aufpreis, den die Deutsche Bank den Alteigentümern in einigen Jahren zahlt, wenn sich das Institut positiv entwickelt.

Erstmals seit 1945 schrieb Sal. Oppenheim wegen der Finanzkrise Verluste, vor allem wegen der Lasten aus der Beteiligung an dem insolventen Arcandor-Konzern. Dies trieb die lange in Köln ansässige Bank Kreisen zufolge auch im vergangenen Jahr nochmals tief in die roten Zahlen. Die rund 40 Altgesellschafter waren finanziell nicht mehr in der Lage, die Löcher des Instituts zu stopfen.

Die Deutsche Bank rechnet nach Worten ihres Finanzchefs Stefan Krause mit einem Kapitalbedarf von mehr drei Milliarden Euro für die Oppenheim-Übernahme. Dies zeigt das Ausmaß der Löcher bei dem Neuerwerb. Hierfür brauche die Deutsche Bank aber keine Kapitalerhöhung, hatte Krause in einem Interview betont.

BHF-Bank bleibt separate Einheit

Trotz des Verlustes und der Unsicherheit über die Zukunft von Sal. Oppenheim legte das von dem Traditionshaus verwaltete Vermögen bis Ende 2009 leicht auf 137 Milliarden Euro zu - vor allem wegen der Kursgewinne an den Märkten. Die Deutsche Bank wird mit der Übernahme zum größten Vermögensverwalter für reiche Privatkunden in der Euro-Zone.

Zur Disposition steht Kreisen zufolge auch der Sitz in Luxemburg. Zudem sollen Risiken weiter abgebaut werden. Die Oppenheim-Tochter BHF-Bank werde als separate Einheit weitergeführt. Die Deutsche Bank prüfe hier verschiedene strategische Optionen. Experten rechnen fest mit einem Verkauf des Instituts - wenn der Preis stimmt. Der Buchwert liegt bei 650 Millionen Euro.

Mit dem Abschluss der Übernahme wird der Vorstand von Sal. Oppenheim noch um zwei weitere Manager der Deutschen Bank erweitert, nachdem Bankchef Wilhelm von Haller bereits von den Frankfurtern gekommen war. Künftig werden Jürgen Dobritzsch und Jürgen Fiedler die Finanzen beziehungsweise die Risikosteuerung verantworten. Aufsichtsratschef wird Pierre de Weck, der im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank das Geschäft mit reichen Privatkunden betreut.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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23.04.09