Wirtschaft
Hinter den Mauern des Madrider Santander-Hauptsitzes herrscht bereits große Unruhe.
Hinter den Mauern des Madrider Santander-Hauptsitzes herrscht bereits große Unruhe.(Foto: picture-alliance / dpa)
Donnerstag, 08. März 2012

Gefängnistherapeut klagt erfolgreich: Santander droht großer Ärger

Für die Banco Santander könnte es ganz dick kommen. Grund ist falsche Beratung bei einer Geldanlage. Ein Gericht in Alicante spricht ein Urteil zugunsten eines Gefängnistherapeuten, der von der Großbank Wandelanleihen im Wert von 45.000 Euro erworben hatte. Santander verkaufte Papiere am 129.000 Menschen. Das Volumen der Anleihen liegt bei 7 Milliarden Euro.

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Das könnte für die Banco Santander teuer werden: Nach einer Gerichtsentscheidung stehen der spanischen Großbank womöglich Entschädigungsforderungen in Milliardenhöhe ins Haus. Ein Gericht aus dem südostspanischen Alicante gab einem Gefängnistherapeuten Recht, der sich bei einer Geldanlage im Oktober 2007 falsch beraten fühlte.

Im vorliegenden Fall geht es um die mit 7 Milliarden Euro weltweit größte, jemals getätigte Ausgabe von Wandelanleihen. Santander verkaufte die Papiere an 129.000 seiner Kunden. Der Gefängnistherapeut Jorge Segura hatte von Santander Wandelanleihen im Wert von 45.000 Euro erworben. Das spanische Finanzhaus muss ihm nun die volle Summe erstatten. Dazu kommen noch Zinsen abzüglich der Renditen, die Santander auf die Anleihen ausgeschüttet hatte.

Ein Bank-Sprecher wollte das Urteil nicht kommentieren. In der Vergangenheit bestritt Santander stets jegliches Fehlverhalten. Dem Geldinstitut verbleiben 20 Tage zur Berufung vor einer höheren Instanz.

Die Banco Santander sitzt auf einer tickenden Zeitbombe. Immer mehr geschädigte Kunden beschreiten den Rechtsweg, um ihre Kursverluste bei dem Geldinstitut einzutreiben. Sie mussten seit Ausgabe der Papiere im Oktober 2007 rund 4 Milliarden Euro Wertverlust auf die riskanten Bonds verkraften.

Sammelklagen drohen

Santander hatte die Papiere ausgegeben, um die Übernahme der niederländischen ABN Amro zu stemmen. Im Oktober dieses Jahres werden die Anleihen automatisch in Aktien umgewandelt. Wertpapieranwälte und Verbraucherschutzorganisationen trommelten bereits Hunderte von betroffenen Kunden für mögliche Sammelklagen zusammen. Die Bank habe nicht ausreichend vor den Risiken der Wandelanleihen gewarnt, beschweren sich die Käufer der Wertpapiere.

Das Gericht monierte Santanders Vorgehen. Noch bevor die Regulierungsbehörde für die Konditionen der Emission grünes Licht gab, hatte Santander seine Verkaufsmaschinerie angeworfen. Kunden konnten sich fast zwei Wochen, bevor Santander den Verkaufsprospekt über die sogenannten Valores-Papiere überhaupt veröffentlichte, bereits die Anleihen ins Depot legen. Offensichtlich sehr zu ihrem Schaden, wie sich inzwischen herausstellte.

Segura sei über alle Risiken angemessen informiert worden, wehrte sich die Bank in einer Stellungnahme. Das Gericht widersprach und hob den Kaufvertrag auf. Die Charakteristika der Anlage seien Segura nicht bewusst gewesen.

Im Verlauf dieses Monats kommt es in Alicante zu einem zweiten Verfahren über Fehlinformationen bei den Santander-Wandelanleihen. Vielleicht sei die Bank inzwischen bereit, mit den geschädigten Kunden über Vergleiche zu verhandeln, sagte der Rechtsanwalt des vor Gericht erfolgreichen Gefängnistherapeuten.

Quelle: n-tv.de