Wirtschaft

Konzerne sind zu voreilig Schlechtes Timing beim Drohnenprojekt

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Claus Günther erklärt Ursula von der Leyen auf der ILA eine Rakete.

(Foto: dpa)

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen reagiert kühl auf den Vorstoß dreier Luftfahrtkonzerne zu einem gemeinsamen Drohnen-Projekt. Jetzt erhält sie Schützenhilfe von unerwarteter Seite – direkt aus der Industrie.

Der Vorstoß europäischer Luftfahrtkonzerne für ein militärisches Drohnenprojekt ist in der eigenen Branche auf Kritik gestoßen. Der große deutsche Luftfahrt- und Rüstungszulieferkonzern Diehl hält den Zeitpunkt angesichts der offenen Entscheidung zur Drohnenbeschaffung und der hitzigen Debatte für schlecht gewählt. "Ich halte das für unglücklich", sagte Claus Günther, der bei Diehl für die Wehrtechnik zuständig und Vorstandsmitglied der Diehl Stiftung ist.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte den Vorstoß der Airbus-Gruppe zusammen mit Dassault Aviation (Frankreich) und Alenia Aermacchi (Italien) Anfang der Woche reserviert aufgenommen. "Es gibt zurzeit keinen Entscheidungsdruck", sagte die CDU-Politikerin. Zunächst müsse die für den Sommer geplante parlamentarische Debatte über die Drohnenbeschaffung abgewartet werden. "Ich verstehe die Ministerin. Ich wäre auch verschnupft", sagte Günther.

Erst Politik, dann Produktion

Der Diehl-Verteidigungschef verwies auf die hitzige Debatte über unbemannte Drohnen. Deshalb hätte die Industrie bei dem für die Hersteller so wichtigen Thema gut daran getan, die grundsätzliche Klärung zur Beschaffung abzuwarten, sagte er. Am 30. Juni sollen im Parlament Experten angehört werden. Danach sollen sich zumindest die Koalitionsfraktionen einig werden. "Wir brauchen einen breiten Konsens im politischen Umfeld", sagte Günther. Im gesellschaftlichen Umfeld sei dieser angesichts der Stimmungslage nicht zu erwarten. Spannungen zwischen der schwarz-roten Regierungskoalition und der Rüstungsindustrie verhehlte Günther nicht. Auch deshalb hält er den Zeitpunkt für die Drohnen-Ankündigung für schlecht gewählt. "Wir versuchen gerade, wieder in einen vertrauensvollen Dialog zu kommen."

Zuletzt hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Unruhe bei den Herstellern ausgelöst, weil er dafür eintritt, weniger Waffen aus Deutschland zu exportieren. Zudem lässt von der Leyen Großprojekte in der Wehrtechnik überprüfen.

Messebesuch ohne Drohnenschau

Auf der ILA bilden die militärische Luftfahrt und speziell die Drohnen einen Schwerpunkt. Bei ihrem Besuch auf der Messe am Mittwoch machte die Ministerin um jegliche Drohnen einen Bogen. Begleitet wurde sie bei ihrem strammen Programm von Bernhard Gerwert, Präsident des Branchenverbandes der Luft- und Raumfahrindustrie BDLI. Gerwert ist auch Chef der Rüstungs- und Raumfahrtssparte der Airbus Group, der die Drohnen-Zusammenarbeit verkündet hatte. Dass er jetzt ein einträchtiges Bild mit der Ministerin abgab, wollte er nicht kommentieren und sagte nur kurz: "Wir sind Profis".

Gerwert sagte bei Bekanntgabe zum Projekt: "Bei unseren Streitkräften besteht eindeutiger Bedarf." Bereits 2020 könne eine "kostengünstige und zulassungsfähige" Drohne bereitstehen, die der Aufklärung diene. Derartige Drohnen können auch bewaffnet werden.

Der Diehl-Konzern gehört zu den größten deutschen Zulieferern in der Luftfahrt und Wehrtechnik. Im vergangenen Jahr erzielte er nach Unternehmensangaben mit 14 400 Beschäftigten fast 3 Milliarden Euro Umsatz. 570 Millionen Euro entfielen auf die Verteidigungssparte, also rund 20 Prozent. Am stärksten wächst der Luftfahrtbereich, für den 2015 rund eine Milliarde Umsatz erwartet wird. Besonderen Schub gibt dabei der neue Langstreckenjet A350 von Airbus, zu dem Diehl wesentliche Teile der Kabinenausstattung zuliefert. Auch beim Konkurrenzmodell von Boeing, dem Dreamliner 787, ist Diehl dabei.

Quelle: n-tv.de, dpa

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