Wirtschaft

"Made in China" Schnäppchen werden teurer

Waren aus China dürften bald mehr Geld kosten. Das liegt nicht nur an der Aufwertung der chinesischen Währung Yuan, sondern auch an kräftigen Lohnerhöhungen.

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Textilproduktion in China.

(Foto: REUTERS)

Ob T-Shirts für 4,99 oder Plüschtiere für 1,99 Euro - an solche Schnäppchen haben sich viele Deutsche gewöhnt. Doch Waren aus China, wo die meisten Billigwaren herkommen, dürften bald teurer werden. Dafür sprechen die Aufwertung des Yuan und kräftige Lohnerhöhungen in der Volksrepublik. "Importe aus China werden teurer, vor allem Konsumgüter wie Spielzeug, Textilien und Elektronik", sagt der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

Wie allgegenwärtig "Made in China" inzwischen in deutschen Geschäften ist, belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 2009 wurden Waren im Wert von 60 Mrd. Euro aus der Volksrepublik eingeführt, in erster Linie Konsumgüter. Lediglich aus den Niederlanden bezieht Deutschland noch mehr - aber nur, weil in Europas größtem Seehafen Rotterdam viele Rohstoffe und andere Güter umgeschlagen werden. "Wird der Yuan teurer, werden wir das in jedem Fall spüren", erwartet der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Das erzeugt einen leichten Preisdruck bei uns", sagt auch DIHK-Experte Treier.

Zum Wochenstart kletterte der Yuan-Kurs bereits auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Von Reuters befragte Experten gehen davon aus, dass die Währung in den kommenden zwölf Monaten um 3,8 Prozent im Vergleich zum Dollar aufwerten wird. Dabei haben sich chinesische Exporte in die Euro-Länder seit Jahresbeginn ohnehin spürbar verteuert, weil der Euro gegenüber dem Dollar knapp 14 Prozent an Wert verloren hat. Der Yuan wiederum ist seit fast zwei Jahren fest an den Dollar gekoppelt. "Durch die Aufwertung des Yuan verstärkt sich dieser Trend noch", sagte Rees.

Preistreiber sind aber nicht nur die Wechselkurse, sondern auch die Löhne. Im ganzen Land dürften sie in diesem Jahr um durchschnittlich 15 bis 20 Prozent wachsen, schätzt der für China zuständige UBS-Chefvolkswirt Tao Wang. Der Elektronik-Zulieferer und iPhone-Hersteller Foxconn muss seinen Werksarbeitern nach Protesten 66 Prozent mehr Lohn zahlen. Der japanische Autobauer Honda hob die Löhne nach mehreren Streikwellen in seinen chinesischen Werken um 22 Prozent an. Zahlreiche Städte und Kommunen setzten zudem den gesetzlichen Mindestlohn um 20 Prozent nach oben.

Die teils deutlichen Lohnsteigerungen führen dazu, dass vor allem Branchen mit geringen Gewinnmargen - wie Textilien, Spielzeug oder Elektronik - kaum um Preiserhöhungen umhinkommen. Es sei denn, sie verlagern ihre Fabriken - entweder innerhalb Chinas in billigere Regionen oder in konkurrierende Billiglohnländer wie Vietnam, Indien oder Bangladesch.

Für Unternehmen mit hohen Stückzahlen und großen Gewinnmargen wird China aber wegen seines immer noch riesigen Angebots an Produktionskapazitäten, seiner guten Infrastruktur und seines engen Netzes an regionalen Zulieferern vorerst immer erste Wahl bleiben. "China wird seinen Kostenvorteil behalten", sagte UniCredit-Experte Rees. "Aber bei einigen Produkten wie Textilien werden die Unternehmen auf andere Länder ausweichen."

Schnäppchen wird es in deutschen Läden weiter geben. Aber sie werden wohl seltener den Aufdruck "Made in China" tragen - oder etwas mehr kosten.

Quelle: n-tv.de, rts

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