Wirtschaft

Neuer Bieter aus Russland Schnellangebot für Karstadt

Im Ringen um die insolvente Warenhauskette Karstadt meldet sich ein weiterer Interessent. Medienberichten zufolge soll ein russisches Konsortium unter Führung des St. Petersburger Unternehmers Artur Pachomow ein Angebot abgegeben haben – allerdings wurde die Offerte offenbar auf die Schnelle runtergeschrieben.

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Meint es der neue Bewerber ernst mit Karstadt?

(Foto: dpa)

"Es ist ein Schreiben eingegangen. Es wurde an die Investmentbank zur Prüfung weitergeleitet", bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg. Wer zu den bisherigen Bietern Triton, Nicolas Berggruen und Highstreet hinzugekommen ist, wollte der Sprecher nicht sagen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will das russische Konsortium für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag 100 Prozent der Geschäftsanteile erwerben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, umfasst das Schreiben des Interessenten aber lediglich fünf bis sechs Seiten. Zudem sei er nicht im Datenraum gewesen und habe damit keine Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen, hieß es.

Investition von 80 Mio. Euro jährlich

Das russische Konsortium will laut "Spiegel" neben der Bereitstellung von Geld für die Finanzierung des Weihnachtsgeschäfts 2010 ab 2011 durch Investitionen von jährlich rund 80 Mio. Euro die Karstadt Warenhaus AG langfristig sichern. Zudem solle die wirtschaftliche Basis des Unternehmens "durch punktuelle Internationalisierung des Warenhaus-Geschäftes an attraktiven Standorten außerhalb Deutschlands" verbreitert werden. Zu den Beratern der Investoren gehören dem Magazin zufolge mehrere ehemalige Karstadt-Manager, darunter der Ex-Vorstandschef Helmut Merkel.

Fraglich ist jedoch, ob der Vorstoß der Russen überhaupt ernst genommen wird. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte am Freitag bislang, es seien drei "seriöse Angebote" vorgelegt worden.

Angebotsfrist noch mal gestreckt

In der Zitterpartie um von Karstadt hatte Insolvenzverwalter Görg am Freitag die eigentlich an diesem Tag auslaufende Frist für einen Bieter bis auf den 9. Juni verlängert. An diesem Termin sollen nun die Gläubiger des 25.000 Beschäftigte zählenden Warenhauskonzerns einen Kaufvertrag mit einem neuen Eigner unterzeichnen. Bis dahin müssen sie sich aber noch einig werden, welchem Bieter sie den Zuschlag geben. Die deutsch-schwedische Fondsgesellschaft Triton, der Investor Nicolas Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet um die US-Investmentbank Goldman Sachs hatten am Freitag erst kurzfristig vor der Sitzung des elfköpfigen Gläubigerausschusses detaillierte Gebote vorgelegt.

Investor Nicolas Berggruen nutzte die Gelegenheit um sein Werben um die Arbeitnehmer noch einmal zu verstärken. Berggruen sei nach der Präsentation seiner Offerte in Essen am Freitagnachmittag in Berlin mit Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane zusammengekommen, sagte eine Verdi-Sprecherin. Er habe seine Pläne mit der Gewerkschafterin besprochen.

Noch kein Favorit

Für den Vorsitzenden des Karstadt-Gesamtbetriebsrats, Hellmut Patzelt, gibt es noch keinen Favoriten unter den drei Bietern. Die Angebote müssten erst genau prüft werden, sagte Patzelt, der als Vertreter der Belegschaft auch im Gläubigerausschuss sitzt, im Deutschlandradio Kultur: "Der Investor, der Karstadt mittel- bis langfristig nachhaltig eine Zukunft bietet, und insbesondere natürlich den Arbeitsplätzen - ich glaube, das wird dann derjenige sein, der auch Karstadt haben soll."

Nach dem Gläubigerbeschluss muss das zuständige Amtsgericht in Essen noch grünes Licht für eine Rettung von Karstadt geben. Es muss entscheiden, ob der Karstadt-Insolvenzplan in Kraft treten kann. Bedingungen dafür sind ein Kaufvertrag mit einem neuen Eigner sowie ein Verzicht von Kommunen mit Karstadt-Standorten auf Mehrwertsteuerzahlungen. Scheitert der Insolvenzplan, würde Karstadt mit seinen 120 Warenhäusern zerschlagen, zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren.

Quelle: ntv.de, sla/rts/dpa

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