Wirtschaft

Militärische Tests im Alpenraum Schweizer Piloten testen Eurofighter

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Neue Eurofighter-Erprobung in der Schweiz: Bei der Tiger-Nachfolger-Evaluierung 2012 kamen zweisitzige Trainer der Bundeswehr zum Einsatz.

(Foto: © Schweizerische Eidgenossenschaft, Armée Suisse (CC BY-NC-ND))

Der europäische Flugzeugbauer Airbus kann sich Hoffnungen auf einen milliardenschweren Großauftrag aus der Schweiz machen. Bei der Suche nach dem am besten geeigneten Kampfjet wollen die Eidgenossen den Eurofighter erneut intensiven Praxistests unterziehen.

Bewährungsprobe über den Alpen: Piloten der Schweizer Luftwaffe sollen in dieser und der kommenden Woche Kampfjets vom Typ Eurofighter im praktischen Betrieb auf Herz und Nieren prüfen. Wie das Verteidigungsministerium in Bern mitteilte, werden Eurofighter in den kommenden Tagen über der Schweiz ausgiebige Testeinsätze fliegen. Bis Ende Juni sollen dann Konkurrenzmaschinen von Boeing und Lockheed-Martin aus den USA, Dassault aus Frankreich und Saab aus Schweden folgen.

In Deutschland hängen rund 25.000 Arbeitsplätze am Eurofighter - vom Bau der Rumpfmitte in Augsburg über die Triebwerksfertigung bei MTU in München bis zur Endmontage in Manching bei Ingolstadt. Die Bundeswehr plant gerade, 33 ältere Eurofighter durch neue Maschinen des gleichen Typs zu ersetzen.

Im Hintergrund warten Airbus und die übrigen Eurofighter-Partner zudem noch immer auf eine Entscheidung aus dem Bundesverteidigungsministerium in Berlin, welches Flugzeug in den kommenden Jahren die verschiedenen Aufgaben der betagten Tornado-Jagdbomber der Bundeswehr übernehmen soll. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden des Tarnkappenfliegers F-35 von Lockheed Martin sind hier eigentlich nur noch überarbeitete US-Kampfjets vom Typ F-18 "Hornet" von Boeing und der Eurofighter in der engeren Auswahl.

Im Fall der Eidgenossen geht es um etwas kleinere Stückzahlen: Die Schweiz will 30 bis 40 neue Jagdflugzeuge beschaffen, die von 2025 an die betagten amerikanischen F-18-Jäger ablösen sollen. Sollte sich die Schweizer Luftwaffe für den Eurofighter entscheiden, bekämen sie die gleichen Maschinen wie die deutsche Luftwaffe, sagte ein Airbus-Sprecher in München.

Risikofaktor Volksentscheid

Für neue Jagdflugzeuge und für die bodengestützte Luftverteidigung hat die Regierung in Bern bislang umgerechnet rund sieben Milliarden Euro eingeplant. Die Entscheidung soll Ende 2020 oder Anfang 2021 fallen. Vor einigen Jahren war ein ähnliches Beschaffungsprogramm an einem Volksentscheid gescheitert: Das Schweizer Militär suchte nach einem geeigneten Nachfolger für ihre veralteten "Tiger"-Düsenjäger.

Nach einem aufwändigen Auswahlverfahren, in dem neben dem Eurofighter unter anderem auch die französische "Rafale" ausgiebig getestet wurden, fiel die Entscheidung schließlich für den Ankauf des schwedischen Kampfjetmodells JAS-39 "Gripen". Im Mai 2014 lehnte eine knappe Mehrheit der Schweizer das Geschäft jedoch als zu teuer ab.

Das europäische Jagd- und Mehrzweckkampfflugzeug Eurofighter ist ein Gemeinschaftsprodukt von Airbus mit der britischen BAE und dem italienischen Hersteller Leonardo. Eurofighter sind auch in den Schweizer Nachbarländern Österreich und Italien im Einsatz, ferner in Großbritannien und Spanien, sowie in Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und im Oman.

In Finnland seien Eurofighter für die Luftwaffe derzeit ebenfalls noch in der engeren Wahl, wie der Airbus-Sprecher erklärte. In Belgien entschied sich das Verteidigungsministerium im vergangenen Herbst für den Ankauf des Stealth-Jets F-35 als Ersatz für ihre F-16-Jäger. Die Belgier gaben damit dem Modell von Lockheed Martin den Vorzug vor dem Eurofighter. Die Briten, die über BAE Systems selbst am Bau des europäischen Konkurrenten beteiligt sind, setzen - zumindest beim Trägereinsatz auf hoher See - mittlerweile ebenfalls auf die F-35.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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