Wirtschaft

Neue Spielregeln für die Märkte Seoul verändert die Welt

Im Schatten des Währungsstreits und der Diskussionen um ungleiche Handelsbilanzen geben die 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte der Erde grünes Licht für zwei Großprojekte: die Reform des Internationalen Währungsfonds und die neuen Vorschriften für Banken. Beobachter halten beide Entscheidungen für epochal.

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Viel Köche, viel Brei: Der Gipfel in Seoul war in jeder Hinsicht - logistisch, diplomatisch und historisch - ein Großereignis.

(Foto: REUTERS)

Im Rahmen des G20-Gipfels in Seoul haben die Staats- und Regierungschefs der 20 tonangebenden Industrie- und Schwellenländer die von langer Hand geplanten Maßnahmen zur Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte auf den Weg gebracht. Die Vertreter der teilnehmenden Staaten billigten das sogenannte Basel-III-Abkommen, das künftig riskante Geschäfte für Banken teurer macht.

Zum Abschluss des zweitägigen Treffens im südkoreanischen Seoul stimmten die G20 auch der Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu. Dort werden künftig aufstrebende Länder wie China, Indien und Brasilien mehr Einfluss haben, aber im Krisenfall auch mehr Verantwortung übernehmen. Trotz Streits in der Sache erteilte die Gipfelrunde Währungs- oder Handelskriegen zum Schutz nationaler Industrien eine Absage. Die IWF-Reform gilt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer neuen, stabiler aufgestellten Finanzmarktarchitektur.

Der IWF gilt als eine Art internationale Feuerwehr für Finanzkrisen. Beispielsweise hilft der IWF, Griechenland vor der Staatspleite zu bewahren. Der IWF hat 187 Mitglieder und galt bislang als von den USA dominiert. Da sich die Wirtschaftskraft rund um den Globus verschiebt, war die Reform eigentlich längst überfällig. China hatte vor kurzem Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA abgelöst.

Speckringe für harte Zeiten

Einen weiteren Meilenstein erreichten die G20-Staaten auf dem Gebiet der Banken. Banken an die kurze Leine setzen die Staaten nun gut zwei Jahre nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Weltfinanzsystems einen Teil der Lehren aus Krise in die Praxis um. Die Geldhäuser müssen in den nächsten Jahren Milliardenbeträge für eine erweiterte Risikovorsorge aufbringen. Das Basel-III-Abkommen soll verhindern helfen, dass bei der nächsten Krise Geldinstitute wieder mit Milliarden aus der Steuerkasse gerettet werden müssen. Beobachter hatten im Vorfeld des Gipfels vor einer Aufweichung des Abkommens in letzter Minute gewarnt.

Unklar blieb bis zuletzt, ob die USA oder andere Länder mit einer einflussreichen Bankenbranche nicht doch noch Änderungen in das Paket einbringen würden. Das befürchtete Feilschen blieb anscheinend aus. "Es gab keinerlei Kritik, sondern nur Zuspruch", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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