Wirtschaft

Rebellen kündigen Waffenstillstand Shell reduziert in Nigeria

Der Ölkonzern Shell verkauft einen Teil seiner Förderlizenzen in Nigeria. Im umkämpften Nordwesten gibt der Öl-Multi einen kleineren Teil seiner Rohölproduktion an ein nigerianisches Konsortium ab. Die Widerständler haben unterdessen einen Waffenstillstand aufgekündigt.

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Das Öl schießt aus einer Förderanlage von Shell im Niger-Delta. Der Multi will sich aus dem Gebiet zurück ziehen.

(Foto: REUTERS)

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell verkauft einen Teil seiner Ölfelder in Nigeria an ein einheimisches Konsortium. Der Konzern kündigte an, Förderlizenzen im Nordwesten des umkämpften erdölreichen Niger-Deltas abzugeben. Die wichtigste Rebellenbewegung in der Region erklärte unterdessen einen einseitig ausgerufenen Waffenstillstand für beendet und drohte mit neuen Anschlägen gegen die Erdölanlagen.

Von dem Verkauf betroffen sind nach Angaben von Shell rund 30 Förderanlagen auf einer Fläche in etwa so groß wie das Saarland, die 50.000 Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Liter) pro Tag produzieren. Die Anlagen fördern demnach auch Gas. Zum Verkaufspreis machte Shell keine Angaben.

Verkauf betrifft nur kleinere Teile

Die Förderung auf den verkauften Ölfeldern sei derzeit unterbrochen, teilte Shell mit. Zunächst müsse eine Ende 2008 beschädigte Pipeline repariert werden. Das Käufer-Konsortium werde von zwei nigerianischen Unternehmen geführt, zudem sei eine französische Gruppe an dem Projekt beteiligt.

Der Verkauf betrifft nur einen kleinen Teil der Fördertätigkeit von Shell in Nigeria. Alleine über seine nigerianische Tochter SPDC kontrolliert der Konzern Ölfelder in der Größenordnung von 30.000 Quadratkilometern - mehr als das Zehnfache der verkauften Lizenzen. Außerdem beutet Shell mit einer weiteren Tochterfirma Ölvorkommen vor der Küste des westafrikanischen Landes aus.

Waffenstillstand aufgekündigt

Die Aktivitäten des Energieunternehmens in Nigeria wurden in den vergangenen Jahren immer wieder durch Rebellen beeinträchtigt, die Shell-Mitarbeiter entführten und Anschläge auf die Förderanlagen verübten.

Die Rebellenbewegung für die Befreiung des Nigerdeltas (MEND), die Hauptgruppe der bewaffneten Kämpfer in der Region, kündigte in der Nacht zum Samstag einen Ende Oktober ausgerufenen Waffenstillstand auf. Die nigerianische Regierung sei nicht gewillt, auf die Forderungen einzugehen, hieß es in einer Erklärung der Gruppe. Die Rebellen forderten zugleich die Ölfirmen auf, ihre Tätigkeit in der Region einzustellen. Andernfalls würden neue Anschläge verübt.

In der Unruheregion gibt es mehrere bewaffnete Rebellengruppen. Sie fordern eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an den Einnahmen aus dem Ölgeschäft und sind für zahlreiche Anschläge auf Förderanlagen verantwortlich.

Quelle: n-tv.de, AFP