Wirtschaft

Neues Abkommen mit Deutschland Singapur will kein Schwarzgeld

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Singapur möchte sich seinen Ruf als seriöser Finanzplatz nicht ruinieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einem Steuersatz von maximal 20 Prozent und der Steuerfreiheit von Kapitalerträgen gilt Singapur als eines der Steuerparadiese dieser Welt. Doch eine Fluchtburg für Hinterzieher will Singapur nicht sein. Mit Berlin vereinbart der Top-Finanzplatz nun einen besseren Datenaustausch.

Deutschland und das südostasiatische Singapur wollen bei der Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Steuerflucht enger zusammenarbeiten. "Wir haben uns grundsätzlich über eine Ergänzung unseres Steuerabkommens geeinigt", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble in Singapur. Nach Angaben seines Ministeriums beinhaltet die Ergänzung des Doppelbesteuerungsabkommens von 2004 einen umfassenden Informationsaustausch und mehr Auskunftsrechte von Singapur über Schwarzgelder deutscher Steuerflüchtlinge, die in den Stadtstaat fließen. Das Bankgeheimnis stelle kein Hindernis für den Informationsaustausch dar, teilte das Ministerium mit.

Singapur will nach eigenen Angaben kein Zufluchtsort von Steuerhinterziehern und Geldwäschern sein. Vielmehr will das Land seinen Ruf stärken als attraktiver Standort für legal operierende Anleger aus aller Welt und als wichtiger globaler Finanzplatz. In dem Stadtstaat werden nach Angaben von Diplomaten 1,4 Billionen US-Dollar an Vermögen verwaltet. Nur ein kleiner Teil, drei bis vier Prozent davon, kommen aus Europa. Singapur gilt mit einem Steuersatz von maximal 20 Prozent und der Steuerfreiheit von Kapitalerträgen als eines der Steuerparadiese dieser Welt.

Besondere Aufmerksamkeit genießt das Thema Singapur in Deutschland in Verbindung mit dem innerdeutschen Streit über das ausgehandelte, aber in Deutschland politisch von der Opposition blockierte Steuerabkommen mit der Schweiz. Kritiker, etwa aus der SPD, beklagen, um der deutsch-schweizerischen Vereinbarung mit ihren Nachversteuerungspflichten auszuweichen, seien deutsche Steuerhinterzieher inzwischen dabei ihr Schwarzgeld von der Schweiz nach Singapur und in andere Steueroasen zu verschieben.

Allerdings gibt es für größere Kapitalbewegungen in dieser Richtung bislang keine Belege. "Fakten, die belegen, dass der Abschluss des deutsch-schweizerischen Steuerabkommens zu einem vermehrten Vermögenstransfer von der Schweiz nach Singapur oder anderen Destinationen geführt hat, liegen der Bundesregierung nicht vor", erklärte das Finanzministerium Ende September auf eine Anfrage.

Singapur will seriöser Finanzplatz sein

Auch Singapur kämpft gegen das Image als vermeintliche Steueroase und hat ein hohes Interesse an dem neuen Auskunftsabkommen mit Deutschland, um seinen Ruf als seriöser Finanzplatz nicht zu gefährden. Der Stadtstaat will sein Finanzsystem vor Missbrauch als Zufluchtsort für illegales Geld schützen. Auf der "grauen Liste" der Industrieländer-Organisation OECD über Länder, die einen Austausch von Informationen verweigern, steht Singapur seit einigen Jahren nicht mehr. Der Stadtstaat hat bereits mit 35 anderen Staaten ein Abkommen, offen ist noch der Umfang der angestrebten Auskünfte.

Das Vermögen deutscher und europäischer Anleger in Singapur ist überschaubar. Nach Angaben deutscher Diplomaten umfasst das in Singapur verwaltete Vermögen 1,4 Billionen US-Dollar. Nur ein geringer Teil von drei bis vier Prozent davon entfalle auf Europa. Es gebe überhaupt keine Anzeichen, dass mit Schweizer Banken Schwarzgeld nach Singapur verschoben wird, hieß es. Die Wirtschaftsmacht versichere glaubhaft, dass sie wegen einiger Millionen sich nicht den Ruf als verlässlicher und seriöser Finanzstandort ruinieren wolle.

Quelle: ntv.de, dpa