Wirtschaft

Ambitionierte Ziele So will die Commerzbank die Krise beenden

Commerzbank-Chef Martin Zielke will mit einem massiven Konzernumbau Deutschlands zweitgrößte Bank auf Kurs bringen. Die Ziele erscheinen im aktuellen Umfeld ambitioniert. Wie realistisch sind daher die Erwartungen?

Martin Zielke steht vor einer Herkulesaufgabe: Nachdem der Chef der Commerzbank Anfang August, also nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt, die Jahresprognose kassierte, hat er nun dem Aufsichtsrat die Ziele für das Jahr 2020 vorgelegt. Sie zeigen, vor welch großen Herausforderungen die Commerzbank auch in den nächsten Jahren steht. Im Zuge der Überprüfung der Strategie wird im dritten Quartal eine Sonderabschreibung von rund 700 Millionen Euro verbucht, weshalb unter dem Strich ein Verlust steht. Gleichzeitig steigt die Risikovorsorge "aufgrund der nachhaltig schwachen Schiffsmärkte" deutlich. Immerhin liegen die Erträge im operativen Geschäft" in etwa auf dem Niveau des zweiten Quartals." Da die obige Sonderabschreibung das Ergebnis erheblich belasten wird, geht Zielke nun lediglich von einem leichten Konzerngewinn aus.

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Belastet hat die Aktie vor allem der Ausblick auf die 2020er-Ziele, denn sie dürften bei Investoren für erhebliche Verunsicherung sorgen. So peilt Zielke für 2020 Erträge, also Einnahmen, zwischen 9,8 und 10,3 Milliarden Euro an. Analysten sind hingegen wesentlich skeptischer. So liegen die Schätzungen für das Jahr 2018 im Schnitt bei lediglich 9,1 Milliarden Euro, gegenüber erwarteten 8,8 Milliarden für 2016. Was könnte dazu führen, dass die Erträge in den Jahren 2019 und 2020 so kräftig steigen, dass sie 2020 rund 10 Milliarden erreichen?

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Commerzbank-Chef Martin Zielke.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zielke will zudem die Kosten in den nächsten Jahren energisch senken, auf 6,5 Milliarden für 2020 von zuletzt 7,1 Milliarden. Entsprechend soll die Aufwandsquote auf weniger als 66 Prozent sinken. Sie wird errechnet, wenn man die Kosten durch den Ertrag dividiert. Zur Erinnerung: Ursprünglich hatte Zielkes Vorgänger Martin Blessing bereits für 2016 eine Aufwandsquote von 60 Prozent in Aussicht gestellt. Bei der Vorlage der 2015er-Ergebnisse musste Blessing dieses Ziel aber aufgeben, zumal die Quote im Jahr 2015 bei 73,3 Prozent lag.

Etlichen Analysten erscheint das Ziel von 66 Prozent hingegen zu wenig ambitioniert, weil der Branchenschnitt eher bei rund 55 Prozent liegt. Die Analysten ignorieren aber offenbar, wie schwer sich die Commerzbank in den vergangenen Jahren damit getan hat, die Quote zu senken. "Die Gewinnziele sind ambitioniert und die Commerzbank hat einen schwachen Track Record beim Liefern", schreiben die Analysten der Citigroup.

Ehrgeiziges Renditeziel

Stark im Fokus der Investoren steht zudem die Eigenkapitalrendite: Zielke stellt bei dieser Kennzahl auf den Gewinn im Verhältnis zum – um den Firmenwert aus Übernahmen bereinigten – Eigenkapital (englisch Return on Tangible Equity, kurz RoTE) ab. Der RoTE "soll Ende 2020 bei mindestens sechs Prozent liegen." Das Ziel basiere auf der Annahme, dass das Zinsumfeld herausfordernd bleiben werde. Die Frage ist allerdings, wie die Commerzbank es schaffen will, den RoTE so stark zu steigern. Nach 1,1 Prozent für 2014 und 4,2 Prozent für 2015 lag der Wert im ersten Halbjahr 2016 bei lediglich 2,9 Prozent. Da in diesem Jahr wohl nur ein leichter Konzerngewinn erwirtschaftet wird, dürfte die Eigenkapitalrendite im Gesamtjahr einmal mehr nur knapp über der Nulllinie liegen.

Für wenig Begeisterung sorgt auch die Prognose zur harten Kernkapitalquote. Sie soll auf absehbare Zeit bei rund zwölf Prozent liegen und 2018 bei über zwölf Prozent. Damit würde der Wert nur leicht gegenüber dem Juni-Stand von 11,5 Prozent ansteigen. In dem schwierigen Branchenumfeld wäre aber eine höhere harte Kernkapitalquote besser, würde sie doch das Vertrauen der Investoren in die Kapitalausstattung der Bank stärken. Da es zumindest kurzfristig schwer sein dürfte das harte Kernkapital deutlich zu erhöhen, müssten gegebenenfalls die Risiko gewichteten Aktiva abgebaut werden, um die Quote zu verbessern.

Mit dem Streichen der Dividende sendet Zielke das klare Signal, dass die Commerzbank vor großen Herausforderungen steht. Viele Analysten dürften daher, die Gewinnschätzungen für 2017 weiter senken. In dem Umfeld könnte die Aktie daher unter Druck bleiben, zumal sie durch weitere negative Nachrichten von der Deutschen Bank oder anderen europäischen Instituten, etwa aus Italien, mit in den Abwärtsstrudel gezogen werden könnte.

Quelle: n-tv.de

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