Wirtschaft

Gläubigerversammlung nicht beschlussfähig Solarworld sucht seine Anleger

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Die Schieflage von Solarworld ist bedrohlich.

(Foto: picture alliance / dpa)

Solarworld drückt ein enormer Schuldenberg. Dazu kommen hohe Verluste und ein wegbrechender Umsatz. Mit Hilfe eines Schuldenschnitts soll das Ex-TecDax-Unternehmen wieder auf Vordermann gebracht werden. Allerdings fehlt offenbar die Akzeptanz dafür.

Der notleidende Photovoltaikhersteller Solarworld muss auch seine zweite Gläubigerversammlung wiederholen: Zu dem Treffen der Inhaber einer im Jahr 2017 auslaufenden Unternehmensanleihe sind viel weniger Anleger erschienen als notwendig gewesen wären, um einen gemeinsamen Vertreter zu wählen. Ein Solarworld-Sprecher bezifferte die Anwesenheitsquote auf Anfrage des "Wall Street Journal Deutschland" auf rund 7,5 Prozent. Zur Beschlussfähigkeit wäre eine Quote von 50 Prozent notwendig gewesen.

Schon am Mittwoch war die Versammlung von Inhabern einer im Jahr 2016 fälligen Anleihe ohne die Wahl eines Gläubigervertreters zu Ende gegangen. In dem Fall waren nach Solarworld-Angaben nur rund 4,6 Prozent des Anleihevolumens repräsentiert. Schon vor den Versammlungen der Anleihegläubiger hatte als unwahrscheinlich gegolten, dass die nötigen Mindestteilnehmerzahlen zu erreichen sind. Ihre Vertreter können die Inhaber der beiden von Solarworld begebenen Anleihen nun frühestens in zwei Wochen wählen. Während der zweiten Runde von Gläubigerversammlungen ist das Quorum aufgehoben.

"Mit 60 auf 5"

Solarworld muss mit den noch zu wählenden Gläubigervertretern über einen Schuldenschnitt verhandeln. Schon im Januar hatte das Unternehmen, das von enormem Preisdruck und Kürzungen bei der Förderung von Solaranlagen betroffen ist, "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft" angekündigt. Später stellte Solarworld Eckpunkte eines Sanierungsplans vor, dem nach Unternehmensangaben schon ein Großteil der institutionellen Schuldscheingläubiger zugestimmt hat.

Demnach will der Solarhersteller rund 60 Prozent seiner Verbindlichkeiten durch neue Aktien ablösen. Das würde den Anteil der bisherigen Aktionäre derart stark verwässern, dass ihnen nur noch rund 5 Prozent an dem Unternehmen blieben.

Solarworld war zum Ende des Jahres 2012 mit rund 1 Mrd. Euro verschuldet. Rund 64 Mio. Euro stammten zu dem Stichtag aus Bankdarlehen. Etwa 356 Mio. Euro machten Schuldscheindarlehen aus. Den größten Teil der Verbindlichkeiten - rund 551 Mio. Euro - hatte Solarworld Ende des Jahres aber gegenüber den Anleihegläubigern, zu denen viele Privatanleger gehören.

Quelle: n-tv.de, Hendrik Varnholt, DJ

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