Wirtschaft

Aktienanleger verunsichert Sommerloch, Crashgefahr oder Gelegenheit?

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein Minus von zehn Prozent beim Dax: Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten erschüttern die Aktienmärkte. Auf Unternehmensseite geht eine durchwachsene Berichtssaison zu Ende. Im Sommerloch sind Trading-Strategien gefragt.

An den Finanzmärkten ist zurzeit der Krieg in der Ukraine das beherrschende Thema - und das sorgt für jede Menge Unsicherheit. Die Anleger befürchten, dass die ohnehin labile Konjunktur in Europa durch einen drohenden Handelskrieg mit Russland erneut in die Rezession abgleitet. Auch der Ölpreis bereitet Sorgen. Der wichtige Energierohstoff hat sich seit Jahresmitte um mehr als zehn Prozent verbilligt. Das sieht nur auf den ersten Blick nach einer guten Nachricht aus. Denn dass der Ölpreis trotz der Bürgerkriege im Nahen Osten fällt, lässt eine weltweit schwache Konjunkturentwicklung befürchten.

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Besonders die deutsche Wirtschaft hängt von der globalen Konjunktur ab und leidet maßgeblich unter den Sanktionen gegen Russland. Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juli bereits das dritte Mal in Folge. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen im August sogar so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Der Dax verlor zwischenzeitlich zehn Prozent - kein anderer bedeutender Aktienindex verlor mehr.

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Thomas Wukonigg verantwortet bei der Capital-Forum AG u.a. das Portfoliomanagement. Der Bankkaufmann verfügt über 28 Jahre Berufserfahrung.

In diesem politisch und konjunkturell unsicheren Umfeld strafen Börsianer enttäuschende Unternehmensergebnisse rigoros ab. Aktien wie Adidas (WKN A1EWWW), Lufthansa (WKN 832212) oder Bilfinger (WKN 590900) crashten nach Gewinnwarnungen zum Teil um bis zu 35 Prozent. Dies verdeutlicht, wie angeschlagen die Aktienmärkte derzeit sind.

Die Anleger flüchten in Sicherheit - die Kurse deutscher Bundesanleihen steigen weiter, wodurch ihre Renditen auf neue historische Tiefs fallen. Auch der US-Dollar legt spürbar zu. Seit Anfang Mai hat sich der Greenback gegenüber dem Euro um rund vier Prozent verteuert. Das deutet darauf hin, dass ausländische Investoren ihr Kapital aus dem Euro-Raum abziehen.

Besonders betroffen ist wiederum der deutsche Aktienmarkt. Der Dax befindet sich mehrheitlich im Eigentum von Anlegern aus dem Ausland. Was vormals als Stärke galt, erweist sich in der derzeitigen Börsenphase als Schwäche.

Kursverluste mit Ansage

Die jüngste Korrektur kam aber nicht wirklich überraschend - die Belastungsfaktoren für Aktien haben sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut. Entscheidend ist jetzt die Frage, wie es weitergeht. Generell sind Korrekturen von rund zehn Prozent nicht außergewöhnlich und zwischenzeitlich durchaus gesund. Die vorübergehenden Überinvestitionen institutioneller Investoren, insbesondere derjenigen mit kurzer Orientierung, sollten sich mittlerweile abgebaut haben. Gleichzeitig ist das Stimmungsbild noch immer sehr negativ.

Insgesamt dürften sich die Aktienmärkte damit kurzfristig in einer überverkauften Situation befinden, was für einen Gegenlauf nach oben spricht. Vor allem bei Aktien wie Airbus (WKN 938914), die trotz positiver Geschäftsausblicke in den vergangenen Wochen 20 Prozent und mehr verloren haben, scheinen erste Käufe angebracht. Auch bei sehr stark abverkauften Papieren wie den erwähnten Adidas oder Bilfinger wären Gegenbewegungen wenig überraschend.

Insgesamt sollten Anleger aber aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen erst einmal vorsichtig agieren. Noch ist unklar, ob Russland in der Ukraine-Krise einlenkt und sich die Lage im Nahen Osten wieder beruhigt. Fragezeichen stehen zudem hinter der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Es wird erwartet, dass die Währungshüter im September wieder eingreifen und die Banken mit preiswerter Liquidität versorgen, um so die schleppende Kreditvergabe in Südeuropa anzukurbeln. Ob dies gelingt, ist ungewiss.

Defensive Aktien und Cash

Vor diesem Hintergrund empfehlen wir eine Konzentration auf defensive und weniger konjunkturell anfällige Sektoren. Bei Einzeltiteln halten wir eine geringe Volatilität, ordentliche Dividendenrenditen und günstige Bewertungen für gute Auswahlkriterien. Um unliebsame Überraschungen auszuschließen, sollten Anleger vor dem Kauf auf jeden Fall die Unternehmensergebnisse für das zweite Quartal abwarten, falls diese noch ausstehen. Und sie sollten ausreichend Liquidität halten. Sollte beim Dax das bisherige Jahrestief von 8930 Punkten nicht halten, wären Rückschläge bis zum letzten zyklischen Hoch bei 8150 Zählern eine hervorragende Gelegenheit, die Aktienquote wieder auszubauen. Denn trotz der kurz- und mittelfristigen Turbulenzen, stehen die Ampeln bei Dividendentiteln langfristig auf grün.

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Quelle: ntv.de

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