Wirtschaft

Abwärtsspirale dreht sich schneller Spanien spart sich in Rezession fest

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Den Blick nach vorn in eine bessere Zukunft gerichtet? Spaniens Rekordarbeitslosigkeit birgt auch politischen Sprengstoff.

(Foto: REUTERS)

Seitdem Spaniens Immobilienblase geplatzt ist, kommt die viertgröße Volkswirtschaft der Eurozone nicht mehr auf die Beine. Der Bausektor, der einst für rund ein Fünftel der Wirtschaftskraft des Landes stand, liegt am Boden. Der private Konsum ebenso. Die Regierung schmiedet Sparpläne, aber statt Wirtschaftswachstum klettern nur die Arbeitslosenzahlen.

Spaniens angeschlagene Wirtschaft ist zum Jahresstart noch tiefer in die Krise gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone sank zwischen Januar und März um 2,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum und um 0,5 Prozent zum Schlussquartal 2012, wie die Statistikbehörde INE mitteilte. Volkswirte hatten die Entwicklung erwartet. Im 4. Quartal 2012 betrug der Rückgang des BIP 1,9 Prozent auf Jahres- und 0,8 Prozent auf Quartalssicht. Es war der siebte Rückgang seit Sommer 2011.

Hauptursache für den sich auf Jahressicht verschärfenden Abschwung ist die weiter nachlassende Nachfrage der Verbraucher. Sie leiden unter der schmerzhaften Sparpolitik der Regierung. Auch die extrem hohe Arbeitslosigkeit bereitet Kopfzerbrechen.

Jahrelange Krise

2007/2008, als ide Blase am Immobilienmarkt platzte, endete der Wirtschaftsboom des Eurozonen-Mitgliedes abrupt. Seitdem kämpft Madrid gegen die damit einhergehenden Problemen. Auch zahlreiche Regionen des Landes sind finanziell angeschlagen. In der Bankenbranche kriselt es ebenso.

Um das verlorene Vertrauen der Finanzmärkte wiederzugewinnen, setzte die Regierung des Landes auf einen harten Sparkurs: Die Staatsausgaben wurden deutlich gesenkt, viele Steuern erhöht. An den Finanzmärkten kommt der Sparkurs der Regierung zwar gut an. Spanien kann sich bei Anlegern wieder deutlich günstiger frisches Geld beschaffen. Allerdings dämpften die Maßnahmen den für die Wirtschaft so wichtigen Privatkonsum. Eine Abwärtsspirale setzte sich in Gang.

Die Regierung hat gerade erst das Ziel um zwei Jahre auf 2016 gestreckt, die Defizitobergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen. Das Land rechnet für 2013 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent, mehr als doppelt so viel wie zuvor erwartet.

Hauptproblem Arbeitslosigkeit

In Spanien haben derzeit etwa 6,2 Millionen Menschen keinen Job. Die Arbeitslosenquote stieg im ersten Quartal auf 27,2 Prozent. Es ist der höchste Wert seit den 1970er Jahren - dem Beginn der Datenerhebung. "Diese Zahlen sind schlimmer als erwartet und stehen für die schwierige Situation der spanischen Wirtschaf", sagte Citi-Analyst Jose Luis Martinez.

Spaniens Arbeitsmarkt leide noch immer unter seiner geplatzten Immobilienblase und den damit verbundenen Einbrüchen im Baugewerbe. Der Sektor erzeugte einst fast ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Landes, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba: "Dadurch sind unheimlich viele Arbeitsplätze flöten gegangen." Zur Besserung dieser Lage setzt die Regierung nun vor allem auf Impulse für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen im Land.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/rts/DJ

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