Wirtschaft

Kreditanfrage dementiert Spanien verunsichert Märkte

Die internationale Finanzwelt ist wieder einmal aufgeschreckt. Nach dem mühsam zusammengeschusterten Paket für Griechenland ist nun Spanien im Blickpunkt. Der IWF und Ministerpräsident Zapatero dementieren Gerüchte, dass sich Spanien um einen Nothilfekredit bemühe. An den europäischen Börsen kommt es zu starken Kursverlusten.

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Spanien hat nach wie vor mit der Rezession zu kämpfen.

(Foto: REUTERS)

Nach der Einigung der Finanzminister der Euro-Zone auf ein milliardenschweres Griechenland-Paket gerät nun Spanien in den Fokus. In der Finanzwelt wachsen die Befürchtungen, dass die Schuldenkrise auf die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone übergreifen könnte.

"Wenn Spanien keine drastischen Maßnahmen ergreift, läuft es Gefahr, in dieselbe Falle zu gehen wie Griechenland", betonte die "New York Times": "Es könnte sich in einer Lage befinden, in der es unmöglich wird, auf den Geldmärkten Kredite zu akzeptablen Zinsraten aufzunehmen."

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wies Spekulationen zurück, wonach sich Spanien ebenfalls um einen IWF-Nothilfekredit bemühe. "Diese Gerüchte entsprechen nicht der Wahrheit", erklärte der IWF in Washington. Es war spekuliert worden, Spanien wolle um ein milliardenschweres IWF-Darlehen bitten.

Die Furcht vor einem Übergreifen der Probleme Griechenlands auf andere Euro-Staaten wie Spanien und Portugal hatte an den europäischen Börsen zu starken Kursverlusten geführt. Die Handelsplätze in Athen und Madrid verzeichneten ein Minus von rund 6,7 beziehungsweise 5,4 Prozent.

Spanische Milliarden für Griechenland

Unter den Anlegern breiteten sich zunehmend Zweifel aus, ob die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero das wachsende Haushaltsdefizit in den Griff bekommen kann. Die spanische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in der Rezession. Die Arbeitslosenquote stieg auf ein Rekordniveau von über 20 Prozent.

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Die Wirtschaftsdaten werden mit Spannung erwartet.

(Foto: dpa)

Zapatero wies die Spekulationen über eine drohende Finanzkrise in Spanien zurück. Zu Gerüchten, Spanien werde in Kürze um Finanzhilfe der Euroländer bitten, sagte er: "Das würde ich nicht glauben. Das ist kompletter Irrsinn." In Kürze lägen die aktuellen Wirtschaftsdaten für die Länder der Eurozone vor. "Man hat vorhergesagt, dass es in Spanien im ersten Quartal kein Wachstum geben werde. Wir werden ja sehen, ob das stimmt", sagte der Regierungschef. Es gebe "überhaupt keinen Grund" zu Spekulationen über eine Krise in Spanien.

Spanien muss trotz seiner eigenen Verschuldung eine Summe von 9,8 Mrd. Euro für das Griechenland-Paket aufbringen. "Die Investoren befürchten, dass die Schuldenkrise auch andere schwächere Länder der Eurozone wie Portugal oder Spanien infizieren könnte", schrieb die "Financial Times". "Einige warnen gar davor, dass es für diese Staaten möglicherweise auch Rettungspakete geben müsse." Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" ergänzte: "Aus dem Magier Zapatero ist ein Improvisateur geworden. Spanien glaubt nicht mehr an seinen Kapitän."

König Juan Carlos rief die Spanier zur Einigkeit auf. "Wenn alle gemeinsam daran arbeiten, die Krise zu überwinden, können wir die Dynamik von Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand zurückerlangen", sagte der Monarch in der nordspanischen Stadt León.

Fitch hält an gutem Rating fest

Unterdessen bekräftigte die Ratingagentur Fitch hat ihre erstklassige Note "AAA" für die Kreditwürdigkeit Spaniens. Auch der Ausblick bleibe stabil, sagte ein Sprecher der international einflussreichen Ratingagentur. "Das ist unser Rating für das Land mit allen Implikationen."

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Royale Unterstützung: König Juan Carlos mit Ministerpräsident Zapatero.

(Foto: REUTERS)

Fitch vergibt aktuell für Griechenland die Note "BBB-", während Portugal, Irland und Italien jeweils mit "AA-" eingestuft werden. Moody's hält dagegen Italien und Portugal (jeweils "Aa2") für etwas finanzschwächer als Irland ("Aa1"). Griechenland bekommt von Moody's die Note "A3". Spanien hält die Moody's-Bestnote "Aaa".

Standard & Poor's (S&P) benotet als die dritte der drei großen Ratingagenturen Irland mit "AA", Italien mit "A+", Portugal mit "A-" und Griechenland mit "BB+". Spanien rangiert bei S&P derzeit unter "AA", und damit also auf der zweitbesten Notenstufe des Hauses.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa/rts/AFP

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23.05.09