Wirtschaft

Siemens in Bedrängnis GE an Alstom-Energiesparte interessiert?

General Electric ist in vielen Geschäftsbereichen der Hauptkonkurrent von Siemens. Und GE hat Hunger. Der US-Industrieriese will offenbar den französischen Alstom-Konzern - der etwa den TGV herstellt - schlucken. Die Anleger spekulieren. Ein Alstom-Teil reicht bereits.

Das Interesse von General Electric am französischen Konkurrenten Alstom könnte sich Branchenkreisen zufolge auf dessen Energiesparte beschränken. Das sei möglicherweise das eigentliche Ziel bei der kolportierten Übernahme im Volumen von 13 Milliarden Dollar, sagte ein Branchenkenner. Das könnte bedeuten, dass am Ende die Transport-Sparte als börsennotiertes Unternehmen in Paris bestehen bleibt.

Auch die Zeitung "Le Figaro" berichtete, das Hauptziel von GE sei Alstoms Energie-Sparte, in der das Geschäft etwa mit Kraftwerken und Gasturbinen gebündelt ist.    

Siemens muss aufpassen

Die Agentur Bloomberg hatte unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, GE wolle den angeschlagenen Turbinen- und Zughersteller für 13 Milliarden Dollar kaufen. Die beiden Konzerne könnten eine entsprechende Übereinkunft bereits ab der nächsten Woche bekanntgeben. Demnach wird der Deal vom wichtigsten Alstom-Aktionär unterstützt, dem französischen Bau-, Energie- und Telekommunikationsunternehmen Bouygues. Der Konzern hält rund 29 Prozent der Alstom-Aktien.

Weder Bouygues noch General Electric wollten Stellungnahmen zu dem Bloomberg-Bericht abgeben. Alstom sprach in einer Erklärung von "Spekulationen in der Wirtschaftspresse".

Anleger spekulieren

Sollte die Zug-Sparte an die finanzstarke GE gehen, wäre dies ein herber Schlag für Siemens. Bei einer Komplett-Übernahme entstünde für die Deutschen ein noch ernstzunehmenderer Konkurrent.

Alstom-Aktien stiegen am Donnerstag um 11 Prozent. Der Konzern erklärte, er sei über eine mögliche Offerte nicht informiert. Auch der Kurs der Bouyges-Aktien stieg deutlich. GE-Papiere gaben leicht nach, Siemens-Anteilsscheine büßten 1,5 Prozent ein.

GE hat immer noch Hunger

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Alstom konkurriert mit dem TGV im Schnellzugbereich mit Siemens (ICE) und Bombardier.

(Foto: REUTERS)

Der US-Konzern General Electric, der unter anderem Kraftwerke und Flugzeugmotoren herstellt und mit GE Capital auch im Finanzsektor aktiv ist, ist bereits jetzt einer der größten Konzerne der Welt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Siemens-Konkurrent mit weltweit 305.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 146 Milliarden Dollar, der Börsenwert beläuft sich auf mehr als 265 Milliarden Dollar.

Alstom beschäftigt weltweit 93.000 Mitarbeiter - davon 18.000 in Frankreich - und machte im Geschäftsjahr 2012/13 einen Umsatz von 20,3 Milliarden Euro. Zuletzt war der Alstom-Börsenkurs wegen alarmierender Gerüchte über Finanzprobleme des Konzerns gesunken.

GE hat noch Aufholpotenzial

Eine Übernahme von Alstom wäre der größte Kauf von General Electric in seiner Geschichte. Börsenanalysten von Barclays erklärten, ein Aufkauf wäre für den französischen Konzern "strategisch sinnvoll, indem dieser den Markt der Kraftwerke, des Schienenwesens und der Hochspannungsleitungen angesichts eines schwächeren weltweiten Wachstums und einer stärkeren asiatischen Konkurrenz konsolidiert". GE sei zwar Marktführer bei Kraftwerken, habe aber unter anderem im Gebiet der Stromnetze Aufholbedarf.

Unklar ist, wie die Regierung in Paris darauf reagieren wird, sollte eines der Flaggschiffe des französischen Industriesektors von einem ausländischen Konzern übernommen werden. Premierminister Manuel Valls sagte auf die Berichte angesprochen lediglich, er wolle keine "Gerüchte" kommentieren, verfolge die Angelegenheit aber «aufmerksam». Es gehe schließlich um Arbeitsplätze und Technologien.

Quelle: n-tv.de, bad/AFP/rts