Wirtschaft

RWI sieht dunkle Wolken aufkommen Stahlproduktion wird sinken

Von der Konjunkturabkühlung in Deutschland ist auch die Stahlbranche betroffen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI registriert eine nachlassende Investitionsdynamik. Einen spürbaren Personalabbau 2012 werde es nach Ansicht der Experten noch nicht geben. Die Branche könne den deutlichen Produktivitätsrückgang aber nur vorübergehend hinnehmen.

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Ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp zieht im Duisburger Stahlwerk eine Probe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Rohstahlproduktion in Deutschland geht nach einer Prognose des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI im kommenden Jahr deutlich zurück. Gründe seien die 2012 insgesamt nachlassende Investitionsdynamik, der Abbau von 2011 gefüllten Lagern und das verlangsamte Exportwachstum wegen der flauen Konjunktur im Euro-Raum, hieß es. Mit spürbarem Personalabbau im kommenden Jahr rechnet das Institut aber noch nicht.

Erwartet würden für 2011 eine praktisch konstante Produktion von knapp 44 Millionen Tonnen und 2012 ein Rückgang um 7,9 Prozent auf 40,4 Millionen Tonnen. Die Kapazitätsauslastung sinke damit auf voraussichtlich unter 80 Prozent. Da die Stahlindustrie nach Erfahrungen aus der Finanzkrise ihre qualifizierten Arbeitskräfte vermutlich halten werde, sei 2012 noch nicht mit einem vollen Durchschlagen auf die Beschäftigung zu rechnen, so das RWI.

Den deutlichen Produktivitätsrückgang durch die geringeren Mengen werde die Branche aber nur vorübergehend hinnehmen können. Die Erlöse seien in diesem Jahr trotz guter Kapazitätsauslastung und kräftiger Nachfrage unter Druck geblieben, weil die Branche deutlich höhere Rohstoffkosten nicht über die Preise weitergeben konnte. Zuletzt seien die Verkaufspreise sogar leicht rückläufig gewesen, heißt es in der Studie.

Die Wirtschaftsvereinigung der deutschen Stahlindustrie hatte sich vor einer Woche bei der Weltstahlkonferenz in Paris noch deutlich optimistischer gezeigt. Nach der Verbandsprognose sollen 2011 deutschlandweit 45,5 Millionen Tonnen Stahl hergestellt werden, 1,7 Millionen Tonnen mehr als 2010. Im kommenden Jahr rechnet der Stahlverband dann nicht mit einem Einbruch, sondern mit einem weiteren Wachstum von 1,5 Prozent in Deutschland.

Metaller wollen Schluck aus der Pulle

Unterdessen fordert die IG Metall für die rund 75.000 Beschäftigten in der nordwestdeutschen Stahlindustrie sieben Prozent mehr Lohn. Zudem will die Gewerkschaft für die Auszubildenden eine unbefristete Übernahme durchsetzen. "In der Stahlindustrie haben die Beschäftigten 2011 ordentliche Wertzuwächse geschafft", sagte der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Oliver Burkhard zur Begründung. Auch 2012 ist seiner Ansicht nach ein moderates Wachstum zu erwarten. Daher müssten die Beschäftigten auch mehr verdienen. Der Arbeitgeberverband Stahl erklärte postwendend, die Forderungen überstiegen bei weitem die Möglichkeiten der Unternehmen.   

Der Arbeitgeberverband erklärte, die Lohnforderung ignoriere, dass sich die Konjunkturaussichten für die Stahlindustrie in jüngster Zeit stark eingetrübt hätten. "Die Forderung nach unbefristeter Übernahme der Ausgebildeten wäre das sichere Ende der von den meisten unserer Mitgliedsunternehmen bislang geübten Praxis, über den voraussichtlichen Bedarf hinaus auszubilden", fügte Arbeitgeberchef Helmut Koch hinzu. Am Freitag kommen die Tarifparteien in Düsseldorf zu ihrer ersten Verhandlungsrunde zusammen. Der bisherige Tarifvertrag läuft noch bis zum 31. Oktober. Dann endet auch die Friedenspflicht.

Quelle: ntv.de, wne/dpa/rts