Wirtschaft

Milliardenverluste statt sonnige Aussichten Steckt Bosch in der Solar-Falle?

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Bosch schaut sich sein Solargeschäft derzeit genau an. Wohin die Reise damit geht, ist völlig offen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Juni 2008 steigt Bosch, der weltgrößte Automobilzulieferer, als Mehrheitseigner bei der Thüringer Ersol Solar Energy AG und damit in die Solartechnik ein. Weitere Zukäufe folgen. Doch statt Wachstum und schwarzer Zahlen verbrennt die Sparte offenbar Milliarden. Welche Optionen hat Bosch nun noch?

Die Bosch-Solarsparte verbrennt ohne Ende Geld - und keine Besserung ist in Sicht. Den Bereich aber dichtzumachen, hätte für die Schwaben weitreichende Folgen, die in Zukunft womöglich noch gravierender sein könnten als eine teure Durststrecke. Fragen und Antworten zu einer richtig harten Nuss für die Bosch-Manager:

Was ist das generelle Problem im Solargeschäft?

Weltweites Überangebot befeuert einen ruinösen Preisverfall. Längst rollt auch durch Deutschland eine Insolvenzwelle. Ein Treiber der Probleme liegt in Asien: Im zentralistisch gesteuerten China sind Solarhersteller eine erklärte Schlüsselindustrie, die entsprechend unterstützt wird. Die Solarpaneele aus dem Riesenreich haben in der EU Branchenschätzungen zufolge einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Experten beklagen, dass China hochsubventionierte Produkte unter Wert in die Auslandsmärkte drückt, um der Konkurrenz damit zu schaden.

Die EU droht der mächtigen Solarbranche Chinas mit Strafzöllen, in Brüssel laufen ein Antidumping- und Antisubventions-Verfahren. Erste vorläufige Untersuchungsergebnisse wird es nicht vor Sommer geben. Bosch-Chef Volkmar Denner sagte, diese Verfahren hätten aber keinen Einfluss auf die Planungen zur Zukunft der eigenen Solarsparte. "Wir als Bosch haben uns dieser Klage auch nicht angeschlossen." Auf Dauer würden sich mögliche Zollbarrieren auch gar nicht halten lassen.

Seit wann ist Bosch bei Solar dabei?

Im Juni 2008 stiegen die Schwaben als Mehrheitseigner bei der Thüringer Ersol Solar Energy AG ein und übernahmen ein Jahr später die Mehrheit ganz. Mit Ersol kaufte sich Bosch bereits den Großteil der Wertschöpfungskette von den Siliziumkristallen bis hin zum Modul. Die Übernahme markiert den Bosch-Anfang im Geschäft mit der damals boomenden Photovoltaik.

Es folgte 2009 der Einstieg bei Aleo Solar mit Sitz in Oldenburg und Prenzlau sowie einem großen Installateurs- und Vertriebsnetz in ganz Europa. Im selben Jahr startete auch der Ausbau des zentralen Standorts der Solarsparte im thüringischen Arnstadt. Bosch konnte nun die gesamte Sonnenenergiepalette anbieten von Modulen für Häuserdächer bis hin zu ganzen Solarkraftwerken.

Wann kam die Wende?

Spätestens Anfang 2012 wurde offensichtlich, dass Bosch seine ehrgeizigen Ausbaupläne für die Solarsparte nicht halten kann - denn die Stuttgarter verschoben ihren Baustart für eine Solarfabrik in Malaysia. Begründung: Das neue Werk könne erst kommen, wenn Bosch sicher sei, die gesetzten Kostenziele auch zu erreichen.

2012 wurde auch bekannt, dass Bosch sein Erfurter Solarwerk zum Jahresende dichtmacht - ein erster harter Einschnitt und Strategiewechsel. Siemens gab Ende 2012 bekannt, das Solargeschäft ganz zu verlassen.

Wie hoch sind die Verluste?

Milliardenschwer - so viel ist klar. Allein die Verluste mit dem Minus im laufenden Geschäft und die Abschreibungen auf Posten wie Firmenwerte und Zukunftschancen der einst lukrativ erscheinenden Unternehmung belaufen sich auf rund 2 Mrd. Euro. Bosch klagt über jeweils 40 Prozent Preisverfall in den zwei vergangenen Jahren. Schon im Frühling 2012 hatte Denners Vorgänger Franz Fehrenbach klare Worte gefunden: "Es wird keine dauerhafte Querfinanzierung geben."

Was sind die Optionen für Bosch?

Denner sagt: "Im Moment ist es noch zu früh, über das Thema abschließend zu sprechen." Er betont aber, dass die Schwaben langfristig an eine Zukunft für Solar im Umfeld der Energiewende und stärkerer dezentraler Stromgewinnung glauben. Denner nennt seine Pläne einen "Bosch-Weg", ohne das näher zu erklären. Es gehe auch um 3000 Jobs.

Wie mehrere Unternehmensinsider berichten, wäre für Bosch ein kompletter Ausstieg wie bei Siemens hoch riskant. Dagegen spreche neben dem Glauben an die Solarzukunft und firmeninternen Synergieeffekten auch der Fakt, dass Solar ein "Baby" von Denners Vorgänger Fehrenbach ist, der seit dem Wechsel als Chefaufseher über Bosch wacht. Zudem wäre die Kapitulation auch ein Gesichtsverlust für den Bosch-Konzern. Denner verwahrte sich gegen den Vorwurf, dem Stiftungsunternehmen fehle der Druck renditehungriger Aktionäre: "Den Druck machen wir uns schon selber."

Ist Solar überhaupt wichtig für die gesamten Bosch-Pläne?

Bosch als weltgrößter Autozulieferer will die Abhängigkeit vom Fahrzeuggeschäft reduzieren und plant für das Ende des Ölzeitalters. Ein wichtiges Ziel ist dabei im Internet Dinge und Dienste zu verknüpfen, in dem Alltagsgegenstände online eigenständig kommunizieren und Dienstleistungen organisieren. Bosch rechnet damit, dass in den nächsten 15 Jahren mehr als 50 Milliarden Teile - vom kleinen Sensor bis zum Hochleistungsrechner - untereinander vernetzt sein werden.

Ein Szenario dabei ist das schlaue Eigenheim: Es wäre denkbar, dass künftig eine Batterie im Keller tagsüber Solarenergie vom Dach speichert und später so intelligent ist, aktuelle Strompreise aus dem herkömmlichen Netz abzufragen. Lohnt es sich, wird der Batterievorrat angezapft. Ein solches System könnte die Stromrechnung in Echtzeit zeigen und etwa die Spül- oder Waschmaschine rechtzeitig einschalten. Ohne Solarkompetenz würde Bosch ein entscheidendes Puzzlestück dieser Wertschöpfungskette fehlen. Die Frage ist, wie das verlustärmer als aktuell ablaufen kann. Ein Partner käme in Frage.

Quelle: ntv.de, dpa

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