Wirtschaft

Schuldenschnitt und Milliardenhilfen "Stottern" regiert in Griechenland

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Bei Griechenlands Schuldenkrise kann man schon einmal ins Grübeln kommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die griechische Wirtschaft? Läuft nicht ganz rund. Die Gespräche mit den privaten Gläubigern? Stocken. Diskussionen über ein weiteres Rettungspaket? Gibt es, aber bisher ohne Ergebnis. Griechenland steht vor einer harten Woche - wieder einmal.

Die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt sind erneut ins Stocken geraten. Der Verhandlungsführer der Gläubigerbanken verließ Athen, nachdem in der Frage des künftigen Zinssatzes anscheinend keine Annäherung möglich war. Aus den Reihen der griechischen Regierung verlautete, möglicherweise werde es vor dem Treffen der Eurozonen-Finanzminister keine Einigung geben. Bei ihrem Treffen werden die Minister über ein weiteres Rettungspaket für Griechenland diskutieren, mit dem eine Staatspleite verhindert werden soll.

Nur wenn sich Griechenland mit seinen privaten Gläubigern auf die Details eines Schuldenschnitts geeinigt hat, kann die nächste Tranche des Rettungspaketes freigegeben werden. Der Chef des Institute of International Finance (IIF), Charles Dallara, der federführend für die Banken mit der griechischen Regierung zwei Tage lang über die im Grundsatz vereinbarte Umschuldung verhandelt hatte, reiste am Samstag aus Athen ab. Offen ist bislang, welchen Kupon die neuen Anleihen bekommen, die Griechenland im Gegenzug für die alten Staatsschulden ausgibt.

Zuvor schien es, als wenn beide Seiten sich auf einen Zinssatz von 3,5 Prozent bei kurzfristigen Schuldtiteln und am langen Ende auf einen Satz von 4,6 Prozent einigen würden. Im Schnitt hätte Griechenland dann für seine neuen Anleihen 4 Prozent Zinsen zahlen müssen. Aus dem Umfeld der Verhandlungen hieß es jedoch, der Internationale Währungsfonds und Deutschland hätten auf einen niedrigeren Zinssatz gedrängt, weil sie befürchteten, dass für Griechenland 4 Prozent nicht zu stemmen wäre.

"Derzeit gibt es keine Verhandlungen", sagte ein Informant am Wochenende.  Es wird Konsultationen mit der EU und dem IWF geben, um den aktuellen Stand zu bestimmen." Mit den neuen Wünschen von dritter Seite an die Höhe des Zinssatzes seien die Gespräche wieder kompliziert geworden. IIF-Sprecher Frank Vogel sagte, Dallara habe aus persönlichen Gründen nach Paris abreisen müssen, werde aber später am Telefon mit Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos weiterverhandeln.

Kein Ergebnis vor Eurogruppen-Treffen

Die Gespräche mit den privaten Gläubigern waren in dieser Woche wiederaufgenommen worden, nachdem sie eine Woche zuvor fast gescheitert waren. Griechenland benötigt dringend eine Einigung mit den Banken, bevor am Montag die Finanzminister in Brüssel über weitere 130 Mrd. Euro Rettungshilfe der EU-Partner und des IWF an Griechenland diskutieren. Das Thema sollte ganz oben auf der Tagesordnung der Minister stehen. Jetzt jedoch scheint eine Lösung schwierig.

"Wir werden nun wahrscheinlich kein Ergebnis vor dem Treffen der Eurogruppe haben", sagte ein leitender Regierungsvertreter der Eurozone: "Das ist sehr unglücklich, weil eigentlich jetzt die entscheidenden Gespräche über die Auszahlung der nächsten Milliardenhilfe geplant war. Voraussetzung war allerdings ein Schuldenschnitt bei den Banken."

Von 161 auf 120 Prozent

Griechenland sitzt derzeit auf einem Schuldenberg von rund 352 Mrd. Euro. Das entspricht 161 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Erlaubt sind nach den EU-Spielregeln eigentlich allenfalls 60 Prozent. 206 Mrd. Euro an Forderungen befinden sich in den Händen von Privatleuten, Banken, Versicherungen und Hedge Fonds. Sollte der Schuldenschnitt wie erhofft gelingen, können die Schulden nach Schätzungen der EU und des Internationalen Währungsfonds IWF zunächst auf 152 Prozent fallen. Bis 2020 sollen sie auf 120 Prozent sinken - allerdings unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft nach mehrjähriger Rezession ab 2013 wieder deutlich wächst. Dies jedoch ist bislang nicht in Sicht.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/dpa