Wirtschaft

Proteste in New York und L.A. Sultan greift nach Luxushotels

Das königliches Staatsoberhaupt von Brunei will angeblich seine Hotelkette um mehrere Juwelen der Branche bereichern. Unter den Objekten der Begierde seiner Majestät ist das weltberühmte Plaza Hotel in New York. In den USA formiert sich Widerstand.

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Der Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Sultan von Brunei bereitet Branchengerüchten zufolge umfangreiche Investitionen vor. Aus dem Umfeld des Monarchen heißt es, Sultan Bolkiah wolle einige der berühmtesten Hotels der Welt kaufen. Eine Investmentgesellschaft des Sultanats bietet demnach rund 2 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 1,5 Milliarden Euro, für das weltbekannte Luxushotel "The Plaza" am New Yorker Central Park, das Dream-Hotel in Midtown New York sowie das Grosvenor House in London.

Der Sultan und seine Fünf-Sterne-Hotelkette Dorchester Collection stehen derzeit allerdings nicht nur in New York, London und Los Angeles massiv in der Kritik. Hintergrund ist die Menschenrechtslage in Brunei. Neue Gesetze in dem Land sehen die Todesstrafe durch Steinigung für Homosexuelle und Ehebrecher vor.

In den USA gibt es daher Forderungen, dass das Unternehmen seine Häuser verkaufen soll. Durch Boykottaufrufe seien der Hotelkette bereits Millionenumsätze verloren gegangen, gestand Dorchester ein. Der Chef der Hotelkette, Christopher Cowdray, hatte im Mai erklärt, seine Hotels seien nicht an das Recht in Brunei gebunden. "Dorchester Collection hält sich an die Gesetze des Landes, in dem wir operieren."

Das 107 Jahre alte Plaza dürfte wohl das berühmteste Hotel der USA sein. Das Haus spielte in bekannten Filmen und Romanen eine Rolle, so etwa in "Der große Gatsby" oder dem Hitchcock-Film "Der unsichtbare Dritte", in dem Cary Grant nach einem Drink in der Oak Bar entführt wird. Marlene Dietrich, Marilyn Monroe und die Beatles waren hier zu Gast. John F. Kennedys Schwester Patricia feierte im Ballsaal des Hotels ein rauschendes Hochzeitfest.

"Mach deine Geschäfte anderswo"

Hotel-Analysten fürchten, dass das Plaza bei einem Verkauf an Brunei in den Streit hineingezogen werden könnte und so Geschäft und Ruf des Hauses leiden würden. "Es würde absolut Proteste und Boykottforderungen geben, genau wie in L.A.", sagt Sean Hennessey, Chef der Beraterfirma Lodging Advisors. Er bezieht sich auf das Beverly Hills Hotel in Los Angeles, das im Mittelpunkt der Kontroverse steht.

Die Affäre schlägt hohe Wellen: Selbst Prominente wie Jay Leno und Ellen DeGeneres haben sich bereits empört über die Eigentümer aus Brunei geäußert. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Campaign ist bereits aktiv geworden und rief die Bewohner von New York dazu auf, sich dem Deal zu widersetzen. "Wir fordern alle New Yorker auf, dem Sultan eine einfache und klare Botschaft zu schicken: Mach deine Geschäfte anderswo."

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In Sichtweite des Central Parks: Das Plaza in New York.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Doch der neue "Kaufrausch" des Sultans, wie es heißt, ist kein Zeichen dafür, dass er aus der Branche aussteigen oder sich angesichts der Kontroverse in Zurückhaltung üben will. Er dürfte der Favorit unter einer ganzen Reihe von potenziellen Käufern der Hotels sein, die derzeit in Besitz der indischen Sahara Group sind.

Zu den Interessenten zählten auch andere Staatsfonds aus dem Nahen Osten, erklärte ein Insider. Die Sahara-Gruppe hatte sich 2012 zum Kaufpreis von etwa 430 Millionen Dollar die Kontrolle über das Plaza gesichert. Dem saudischen Milliardär Prinz al-Walid bin Talal gehören weiter 25 Prozent des legendären Hotels. Noch ist unklar, wie er mit seinem Anteil umgehen will, wenn Sahara verkaufen sollte.

Vertreter aus Brunei waren Branchenexperten zufolge den ganzen Sommer über mit Sahara im Gespräch. Eine Einigung könnte bereits im September erzielt werden. Vertreter des Sultans konnten nicht für einen Kommentar erreicht werden.

Klimatisierter Konferenzraum als temporäre Zelle

Bei Sahara herrschen unterdessen ganz andere Zustände: Der Gründer und Präsident von Sahara, Subrata Roy, sitzt in Neu-Delhi im Gefängnis, weil fällige Zahlungen an Anleihegläubiger nicht geleistet worden sein sollen. Roy und Sahara bestreiten diese Vorwürfe.

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofes erlaubt es dem Unternehmer, die Verhandlungen über den Verkauf von einem eigens eingerichteten Konferenzraum im Gefängnis aus zu führen. Roy hat für Videokonferenzen einen Computer mit Webcam zur Verfügung, in einem Raum gleich neben dem Büro des Gefängnisdirektors. Seit Anfang des Monats dient der klimatisierte Konferenzraum mit eigenem Bad als temporäre Zelle, erklärte ein Sprecher der Haftanstalt.

Brunei würde bei dem Deal auch den Sahara-Kredit auf die drei Immobilien bei der Bank of China übernehmen, hieß es aus dem Umfeld der Verhandlungspartner. Dorchester gehörte bis 2011 das New York Palace Hotel, ebenfalls in Midtown-Manhattan. Es wurde aber verkauft, weil das Unternehmen glaubte, das Haus sei mit seinen 900 Zimmern zu groß, um als Fünf-Sterne-Hotel geführt zu werden, wie Insider berichten.

Damit bleiben der Kette in den USA nur noch das Beverly Hills Hotel und das nahegelegene Hotel Bel-Air. Es ist noch unklar, ob der Sultan das Plaza in die Dorchester-Kette eingliedern will, oder ob dies überhaupt möglich wäre. Bisher hat Fairmont Hotels & Resorts einen Vertrag zum Betrieb des Plaza. Das Unternehmen wollte keinen Kommentar zu etwaigen Übernahmeplänen abgeben. Grosvenor House hat einen langfristigen Vertrag mit Marriott International. Das Dream-Hotel halten Analysten für nicht luxuriös genug für die Marke Dorchester.

Quelle: n-tv.de, mmo/apo/DJ

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