Wirtschaft

Ungleichgewichte abschaffen Szenarien im Währungsstreit

Weltweite Ungleichgewichte und ein drohender Währungskrieg stehen bei internationalen Treffen derzeit ganz oben auf der Agenda. Wie könnte die Weltwirtschaft auf ein breiteres Fundament gestellt und der Streit beigelegt werden?

Im Folgenden einige Möglichkeiten, mit denen die Spannungen gelöst werden könnten:

IWF reformieren sowie die Rolle des Fonds stärken

Wahrscheinlichkeit: sehr hoch

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Der Fonds hat in der europäischen Schuldenkrise an Ansehen gewonnen. Aber eine Reform bleibt überfällig.

(Foto: Pixelio/Geralt)

Die 187 Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wollen dem Fonds eine größere Rolle bei der Überwachung der staatlichen Entscheidungen geben, die Währungsturbulenzen auslösen könnten. Vor allem die Industriestaaten sollen genauer unter die Lupe genommen werden. Dabei soll regelmäßig kontrolliert werden, wie sich die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der USA, Chinas, der Euro-Zone, Japans und Großbritannien gegenseitig beeinflussen.

Damit das Vorhaben von Erfolg gekrönt werden kann, müssten die Schwellenländer ein höheres Gewicht im IWF erhalten. Die nächsten Gespräche dazu stehen beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Staaten (G20) in Seoul an.

Allerdings sind ähnliche Vorstöße für eine stärkere Kontrollfunktion des IWF in der Vergangenheit gescheitert. China lassen Forderungen kalt, die seine Währungspolitik angehen. Auch die Europäer haben Reformanregungen des IWF ignoriert. Deswegen besteht Skepsis, ob dieses Mal alles anders sein wird.

G20 als Forum, um Streitigkeiten zu schlichten

Wahrscheinlichkeit: Frankreich will es 2011 probieren

Die G20 haben im vergangenen Jahr die Gruppe der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) als Forum für die Probleme der weltweiten Wirtschaft abgelöst. Bei ihrem Treffen im November könnten die G20-Staaten ein Dokument verabschieden, in dem der Abbau von Ungleichgewichten thematisiert wird. Auch die Währungen dürften oben auf der Tagesordnung des Gipfels stehen.

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Gespräche unter 20 sind 18 zu viel und können schnell versanden.

(Foto: Pixelio/Klaus Brueheim)

Unter der Hand halten Vertreter reicher Staaten die G20 aber für zu schwerfällig. Bilaterale Gespräche seien zielführender. Frankreich sieht aber keine Alternative zu dem Forum, und Präsident Nicolas Sarkozy will eine Überprüfung des weltweiten Währungssystems zum Kernstück seiner G20-Präsidentschaft im kommenden Jahr machen.

G7 und China räumen ihre Streitigkeiten aus

Wahrscheinlichkeit: gering

Die G7-Staaten - also USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada - könnten China einladen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Die Währungen dieser Staaten machen den größten Teil des weltweiten Devisenhandels aus. China dagegen verfügt über die mit Abstand größten Devisenreserven weltweit, die es nutzt, um den Yuan-Kurs niedrig zu halten.

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Pattsituation zwischen Ost und West. Wer am längeren Hebel sitzt, lässt sich nicht sagen.

(Foto: Pixelio/Hofschlaeger)

Die G7 haben jedoch zuletzt massiv an Bedeutung verloren, und bei Treffen werden nicht einmal mehr offizielle Erklärungen herausgegeben. Dazu kommt, dass China seine Währung als nationales Problem sieht. Die Regierung in Peking dürfte daher ablehnen, einer internationalen Organisation beizutreten, deren Mitglieder auf eine Aufwertung des Yuan drängen dürften.

Es passiert nichts

Wahrscheinlichkeit: hoch

Können sich die Länder nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, wäre die internationale Kooperation beendet, die im Kampf gegen die Wirtschaftskrise an den Tag gelegt wurde. Dafür sind eine Reihe von Anzeichen zu sehen, darunter auch der harte Sparkurs in einigen besonders von der Schuldenkrise gebeutelten europäischen Staaten. Die Politik der ruhigen Hand käme China zugute, das den Yuan nicht antasten will.

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Der ganze Streit für die hohle Hand.

(Foto: Pixelio/Knipseline)

Doch die Kombination aus unsicherem Wachstum, einer ultralockeren Geldpolitik und einem staatlichen Sparkurs birgt die Gefahren konjunktureller Schieflagen und Verzerrungen am Devisenmarkt, die in einen Währungs- und Handelskrieg münden könnten.

Neue Reservewährung

Wahrscheinlichkeit: kurzfristig äußerst gering

China und Russland treten für eine Ablösung des Dollar als weltweiter Leitwährung ein. Sie brachten vor einiger Zeit die Sonderziehungsrechte des IWF ins Spiel, eine Rechengröße, die sich aus verschiedenen Währungen zusammensetzt und bisher kaum praktische Bedeutung hat.

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Dieses Szenario ist bestenfalls Zukunftsmusik.

(Foto: Pixelio/Andrena)

Eine neue Leitwährung würde den Welthandel unabhängiger von der Entwicklung des Dollar machen. In der US-Währung wird derzeit der größte Teil des internationalen Handels abgerechnet.

Doch Veränderungen im weltweiten Währungsgefüge ziehen sich über lange Zeiträume hin - das konnte man bei der Ablösung des Pfund durch den Dollar nach dem zweiten Weltkrieg und danach der Ende der Dollar-Bindung 1968 bis 1972 sehen.

Quelle: ntv.de, rts