Wirtschaft

US-Geschäft boomt Telekom sieht Umsatzplus

Dank zahlreicher neuer Kunden in den USA und in Europa wächst die Deutsche Telekom im zweiten Quartal erstmals seit Jahren wieder aus eigener Kraft. "Wir erleben einen Kundenansturm auf beiden Seiten des Atlantiks", stellt Telekom-Chef Obermann zufrieden fest. Doch das Wachstum hat seinen Preis.

Die Deutsche Telekom hat im zweiten Quartal erstmals seit Jahren wieder einen Umsatzanstieg verbucht. Unter Einbeziehung der seit Mai voll konsolidierten US-Tochter stieg der Umsatz um 5,4 Prozent a uf 15,16 Milliarden Euro. Aber auch organisch betrug das Wachstum 2,1 Prozent. Ihr Geschäft in den USA hat sie gedreht und will jetzt 500 Millionen Euro mehr in T-Mobile US investieren. Das wirkt sich auch auf die Gesamtjahresprognose aus.

In den USA gewann T-Mobile US im zweiten Quartal 688.000 neue Vertragskunden hinzu, nachdem im Vorjahr noch 557.000 Kunden verloren wurden. "In den USA legen wir eine gewaltige Trendwende vor", sagte Telekom-Chef René Obermann. Dabei profitiert das Unternehmen nicht zuletzt davon, dass es seinen amerikanischen Kunden seit April endlich auch das dort besonders beliebte iPhone von Apple anbieten kann. Bislang hatte der Konzern als einziger der vier großen US-Mobilfunkanbieter das iPhone nicht in seinem Angebot und litt deshalb unter Kundenschwund bei den besonders wertvollen Vertragskunden.

Die Telekom will weiter auf der Welle reiten und im zweiten Halbjahr zwischen 500.000 und 700.000 neue Vertragskunden gewinnen. Das wird das Ergebnis allerdings belasten, da Marketing und andere Investitionen die Kundengewinnung zu einem teuren Spaß machen.

Prognose gesenkt

Die Telekom geht nunmehr für 2013 von einem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 17,5 Milliarden Euro und einem freien Cashflow von 4,5 Milliarden Euro aus. Bislang war die Telekom unter einer pro-forma Einbeziehung von T-Mobile US für acht Monate von 18 Milliarden Euro Ebitda und 5 Milliarden freiem Cashflow ausgegangen. Die niedrigere Prognose sei aber ausschließlich den Investitionen in den USA geschuldet, beruhigten die Bonner.

Im zweiten Quartal sank das bereinigte Ebitda konzernweit um 6 Prozent auf 4,42 Milliarden Euro. Unterm Strich wurden 530 Millionen Euro nach 482 Millionen im Vorjahr verdient, was diversen Sondereffekten geschuldet ist. Darum bereinigt ging der Konzernüberschuss um 1,5 Prozent zurück.

Eine Nasenlänge vorne

Auch außerhalb der USA lief es im Vergleich zur Konkurrenz ordentlich. So sank der in Deutschland mit mobilen Diensten erzielte Umsatz um lediglich 1 Prozent und damit deutlich niedriger als bei den Wettbewerbern. Konzernweit konnte die Telekom 1,38 Millionen neue Mobilfunk-Vertragskunden gewinnen.

Mit den vorgelegten Zahlen für das Juni-Quartal hat die Telekom die Erwartungen der Analysten umsatzmäßig deutlich übertroffen und beim operativen Ergebnis eine Punktladung erzielt. Der Markt hatte mit einem Umsatz von 14,54 Milliarden Euro und einem bereinigten Ebitda von 4,42 Milliarden Euro gerechnet.

"Man war erst verschnupft wegen der gesenkten Guidance für den Freien Cashflow", sagte ein Händler. Er sei bei einem Dividendenwert wie der Telekom extrem wichtig. Erklärbar sei die Prognose aber durch den "sensationellen Erfolg" am US-Markt: "Das hatte wirklich niemand auf dem Radar". Die Neukundengewinnung der wichtigen Vertragskunden übersteige alle Schätzungen. Dass dafür Aufwendungen in die Hand genommen wurden, die den Cashflow drücken, sei akzeptabel.

"Strategisch ist das eine sehr gute Investition", so ein anderer Händler. Denn sollte sich die Telekom dennoch von T-Mobile US trennen, dürften diese Wachstumszahlen den Wert der US-Tochter kräftig steigern. Auch in Europa lief es gut für die Telekom, vor allem im Vergleich zu den Wettbewerbern. "Per Saldo sollte diese Kombination für kräftige Kursgewinne sorgen", so der Händler.

Quelle: ntv.de, sla/DJ/dpa