Wirtschaft

Hier sind Anleger richtig verbunden Telekomaktien wieder auf dem Kaufzettel

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Magenta steht ihm gut: T-Mobile-USA-Chef John Legere lässt kaum eine Gelegenheit aus, um seine Freude an der Telekommunikation zu äußern.

(Foto: REUTERS)

Nach einer jahrelangen Durststrecke legen Telekom-Aktien, allen voran die T-Aktie, im vergangenen Jahr ein bemerkenswertes Comeback hin. Und auch das neue Jahr verspricht alles andere als langweilig zu werden.

John Legere, Chef von T-Mobile USA, weiß, wie man für Aufmerksamkeit für die Telekom-Tochter sorgt: Kurz nachdem er mit einem T-Shirt in der Farbe Magenta auf einer Party des Konkurrenten AT&T auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas aufgekreuzt war, wurde Legere von der Feier hinausgeworfen. Derweil geht die Party bei den lange Jahre Leid geprüften Aktionären der Mutter Deutsche Telekom weiter, zumal offenbar Konkurrenten Interesse an einer Übernahme von T-Mobile USA haben. Doch nicht nur die T-Aktie ist wieder beliebt - auch das Papier von QSC hat sich zuletzt merklich erholt. United Internet ist sogar weiter auf Rekordfahrt, wer an der Autobahn A3 bei 1&1 vorbei fährt weiß: Das große Firmenlogo hat durchaus seine Berechtigung. Doch kann auch 2014 das Jahr des ehemals so langweiligen Telekom-Sektors werden?

US-Tochter macht Telekom Freude

Beginnen wir die Analyse bei der Deutschen Telekom: Nach einem kurzen Kursrückschlag zu Jahresanfang ist die Aktie wieder auf dem Weg nach oben: In den vergangenen sechs Monaten hat das Papier um 40 Prozent zugelegt, womit sie den dritten Platz im Dax belegt. Angetrieben wurde das Papier zuletzt vor allem von der Übernahmephantasie um T-Mobile USA. So gab es Mitte Dezember Gerüchte, dass der US-Telekomkonzern Sprint Interesse an einem Kauf von T-Mobile USA hätte. Sprint war selbst 2013 von dem japanischen Mobilfunker und Internetkonzern Softbank übernommen worden. Nachdem am Jahresende Gerüchte aufgekommen waren, dass Softbank möglicherweise den US-Anleihenmarkt anzapfen werde, um einen Kauf von T-Mobile USA zu finanzieren, legte die Aktie der Mutter weiter zu. T-Mobile USA selbst hatte im Mai 2013 den Wettbewerber MetroPCS gekauft.

Zuvor hatten es bereits Spekulationen gegeben, dass der US-Satelliten-Fernsehanbieter Dish Network Interesse an einer Akquisition von T-Mobile USA hätte. Nicht zuletzt das US-Geschäft ist dafür verantwortlich, dass die Deutsche Telekom nach etlichen Quartalen mit Umsatzrückgängen seit dem zweiten Quartal 2013 wieder auf Wachstumskurs ist. Zwar ist bislang noch keine Übernahmeofferte für T-Mobile USA abgegeben worden. Laut Experten hätte Sprint aber eine größere Chance bei T-Mobile USA zum Zug zu kommen als der Konkurrent AT&T, der mit seinem Übernahmeversuch 2011 am Widerstand der Wettbewerbshüter gescheitert war. Denn der US-Branchendritte Sprint hat mit 54 Millionen Mobilfunk-Kunden nur halb so viele wie AT&T, weshalb die Marktmacht von Sprint wesentlich geringer ist. T-Mobile USA hat zuletzt für rund 3,3 Milliarden Dollar Sendefrequenzen vom US-Branchenprimus Verizon gekauft, um den Empfang zu verbessern und die Bandbreite für Smartphones zu erhöhen.

Der neue Chef der Deutschen Telekom, Tim Höttges, lehnt sich allerdings nicht zurück, und wartet auf ein mögliches Angebot für T-Mobile USA ab. Vielmehr strukturiert er die Mutter weiter um. Neben dem geplanten Personalabbau bei der Geschäftskundensparte T-Systems soll auch das Europa-Ressort die Kosten deutlich senken, liegt doch die operative Marge in dem Bereich deutlich unter dem des Deutschland-Geschäfts. Dabei nimmt der Wettbewerbsdruck hierzulande nach der Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland durch Vodafone weiter zu.

Wegen der hohen Investitionen hat die Telekom zwar eine Dividendenkürzung für 2013 auf 0,50 Euro angekündigt. Die Rendite von vier Prozent kann sich dennoch mehr als sehen lassen. Für 2014 gehen Analysten allerdings lediglich von einem kleinen Gewinnanstieg auf 0,70 Euro je Aktie aus. Solange die Übernahmephantasie um T-Mobile USA anhält, könnte die Aktie der Telekom jedoch ein Liebling der Investoren bleiben, wenngleich sie mit einem KGV von 17,5 deutlich höher bewertet ist als der Dax.

1&1 = Wachstum

Eine Wachstumsfirma par excellence ist United Internet aus dem Westerwald. Nicht wegen der regionalen Lage haussiert die Aktie, sondern weil das Umsatzwachstum stimmt. Wer im Fernsehen nicht ständig über Werbung für 1&1 stolpert, macht fast etwas falsch. Diese Strategie der Wahrnehmbarkeit und günstigen Preise zahlt sich aus. Der Internetdienstleister hat im dritten Quartal den Umsatz um 11,4 Prozent auf 672,1 Millionen Euro gesteigert. Der Konzern gewinnt viele Kunden für seine mobilfunkbasierten Internetprodukte und sein DSL-Angebot. Zu dem Erlösplus trug auch die Übernahme des spanischen Webhosters Arsys kräftig bei.

United-Internet-Chef Ralf Dommermuth investiert weiter stark in die neuen Geschäftsfelder, um das Wachstum bei United Internet weiter anzukurbeln. Im Vordergrund stehen die rechtsverbindlichen De-Mail-Dienste ebenso wie das Geschäft mit Top-Level-Domains. Die Möglichkeit, in den nächsten Jahren Internetseiten mit 700 neuen Endungen wie .hotel, .immo, .berlin, oder .shop zu eröffnen, machen das Domain-Thema aktuell.

Für das Gesamtjahr Dommermuth peilt ein Umsatzplus von rund zehn Prozent auf mehr als 2,6 Milliarden Euro an. Der Gewinn je Aktie soll ein Euro bis 1,10 Euro erreichen. Das ist ein sattes Plus gegenüber dem 2012er-Wert von 0,55 Euro. Für 2014 gehen die Analysten von 1,37 Euro je Aktie aus. Der Börsenwert liegt mit 6,1 Milliarden Euro deutlich über dem der Dax-Firmen K+S und Lanxess.

QSC geht ehrgeizig ins Jahr

Hingegen schwächelt das Geschäft bei QSC. Der Konzern fokussiert sich auf Informations- und Kommunikationstechnik für Unternehmen. Weil die Umsätze im Stammgeschäft als Telekom-Wiederverkäufer gesunken sind, ging der Konzernerlös im dritten Quartal deutlich zurück. Das Outsourcing- und Consulting-Geschäft erfreut sich allerdings deutlich steigender Aufträge. Vorstandschef Jürgen Hermann will künftig vor allem in den Bereichen Cloud Computing und Beratung wachsen. Er hat ehrgeizige 2016er-Ziele. Dann soll der Umsatz 800 Millionen bis eine Milliarde Euro erreichen. Für 2013 hat er mindestens 450 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Konzern will für 2013 eine Dividende von mindestens 0,09 Euro zahlen. Damit läge sie mindestens auf dem Vorjahresniveau. Nach der Rally der vergangenen Monate ist der Börsenwert des TecDax-Wertes auf 570 Millionen Euro geklettert.

In den nächsten Monaten dürfte vor allem die Telekom-Aktie weiter ganz oben im Fokus der Investoren stehen. Warten doch etliche immer noch auf ein mögliches Übernahmeangebot für T-Mobile USA. Und spätestens wenn Sprint und Softbank (12. Februar) Quartalszahlen vorlegen, werden Analysten genau nachhaken, ob tatsächlich eine Offerte für T-Mobile USA in Arbeit ist. Der Telekomsektor dürfte 2014 also in der Tat keinesfalls langweilig  werden – man ist mit ihm nachrichtenseitig gut verbunden.

Quelle: n-tv.de

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