Wirtschaft

Branchenprimus verdient prächtig Toyota lässt Volkswagen links liegen

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Sportlich: Toyotas Concept Car FT-1 ist momentan noch Zukunftsmusik.

(Foto: REUTERS)

Im Dreikampf um die Weltmarktführerschaft in der Automobilindustrie legt Toyota vor. Die Nummer eins schließt ihr Geschäftsjahr mit mehreren Rekordwerten ab. Dem GM- und VW-Rivalen spielen mehrere positive Umstände dabei in die Karten.

Die Ankündigung von Volkswagen, bis 2018 weltgrößter Autobauer zu werden, lässt Branchenprimus Toyota absolut kalt. Der japanische Konzern erzielte vielmehr im vergangenen Geschäftsjahr neue Rekorde. Gleichzeitig tritt das Unternehmen aber auf die Euhporie-Bremse.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 verdienten die Japaner operativ 2,29 Billionen Yen - das sind umgerechnet 16,15 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor. 2012/13 waren es noch 1,32 Billionen Yen. Damit hat der Konzern seine alte Bestmarke von vor sechs Jahren vor dem Ausbruch der Finanzkrise getoppt.

Und damit nicht genug: Das Unternehmen kurbelte seinen Absatz auf mehr als 10 Millionen Fahrzeuge in einem Jahr hoch, das hat zuvor noch kein Autobauer geschafft. Unter dem Strich erhöhte sich das Nettoergebnis um 90 Prozent auf 1,82 Billionen Yen. Der Umsatz legte um 16,4 Prozent auf 25,69 Billionen Yen zu.

Schwacher Yen liefert Treibstoff

Japans Autoindustrie ist seit dem Amtsantritt von Premierminister Shinzo Abe vor rund einem Jahr im Aufwind. Abe hatte seine auch "Abenomics" genannte wirtschaftliche Agenda vorangetrieben und unter anderem die Geldpolitik gelockert, so dass der Yen gegenüber dem Dollar und anderen wichtigen Währungen abwertete - ein Vorteil für Exporteure wie Toyota, Honda & Co.

Toyota profitiert derzeit zusätzlich zur guten Nachfrage nach den Autos und dem Rückenwind von der Währungsseite von Kostensenkungen und der Ausgabendisziplin. Entgegen vielen Rivalen investieren die Japaner in den kommenden drei Jahren beispielsweise nicht in neue Werke, um die Kapazitäten auszubauen. Toyota trimmt dagegen die bestehenden Fabriken auf Effizienz.

Im vergangenen Geschäftsjahr haben günstige Währungswechselkurse bei Toyota 900 Milliarden Yen zum operativen Gewinn beigetragen. Zusätzlich wirkten sich die Einsparungen mit 290 Milliarden Yen positiv aus. Toyota-Chef Akio Toyoda erklärte, besonders in Japan und in Nordamerika seien im vergangenen Geschäftsjahr mehr Fahrzeuge verkauft worden. Diese beiden Märkte machten mehr als 50 Prozent der konsolidierten Verkäufe bei Toyota aus. Besonders nachgefragt sind bei Toyota die Hybridautos und Fahrzeuge aus dem Premium-Segment.

Vorsichtig stabilisieren

Für das laufende Geschäftsjahr per Ende März strebt Toyota Motor einen operativen Gewinn von 2,3 Billionen Yen bei einem Umsatz von 25,7 Billionen Yen an. Das traditionell vorsichtige Management ist mit seiner Prognose deutlicher pessimistischer als Branchenexperten, die bislang von einem Gewinnanstieg von 7,4 Prozent ausgegangen waren.

Die Erholung in den Vereinigten Staaten und in Europa werde sich bemerkbar machen, allerdings warnte Toyota vor der Entwicklung auf den Schwellenmärkten. Hier wachse die Unsicherheit. In Asien, ohne den Heimatmarkt, dürften die Verkäufe im laufenden Jahr wohl schrumpfen, so Toyota. Demnach wird der Absatz 2014/2015 bei 9,1 Millionen Fahrzeugen liegen.

Konzernchef Akio Toyoda sieht sich mit einem schrumpfenden Heimatmarkt konfrontiert und muss eine Durststrecke bis zum Start neuer Modelle überbrücken. Toyoda sprach von einer Flaute, in der nach Wegen für eine Stabilisierung der Geschäfte gesucht werden müsse. Ziel ist es, das Wachstum auf eine solide Grundlage zu stellen.

Die vergangenen Jahre wurden durch Extreme geprägt. 2010 wurde Toyota von einem Massen-Rückruf gebeutelt, 2011 von den Folgen des Tsunami. Doch die Erholung gelang rasch und gipfelte im Rekordgewinn 2013/2014.

VW ist noch nicht so weit

Europas Branchenprimus Volkswagen will die Zehn-Millionen-Marke beim Absatz in diesem Jahr überspringen. Die Chancen stünden gut, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn im März. Der Umsatz wuchs 2013 um zwei Prozent auf 197 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss brach jedoch um mehr als die Hälfte auf 9,1 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr hatten Sondereffekte im Zusammenhang mit der Porsche-Übernahme die Bilanz aufgebläht.

Künftig spielt der Kampf um die Spitzenposition als Weltmarktführer in den strategischen Plänen bei VW offenbar nur noch eine untergeordnete Rolle: Statt Wachstum um jeden Preis will der Konzern mit seinen zwölf Marken stattdessen künftig mehr an jedem verkauften Auto verdienen.

2013 hatte sich VW beim Fahrzeugabsatz mit insgesamt 9,73 Millionen Einheiten knapp an dem US-Rivalen General Motors vorbeigeschoben und war zum weltweit zweitgrößten Autobauer geworden.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/DJ

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