Wirtschaft
Volkswagen für Highways und Interstates: VW-Produktion am Standort Chattanooga, Tennessee.
Volkswagen für Highways und Interstates: VW-Produktion am Standort Chattanooga, Tennessee.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 18. September 2014

Mehr Macht im Süden der USA: UAW nimmt zweiten Anlauf bei VW

Zu Beginn des Jahres stimmen die VW-Mitarbeiter im US-Werk in Chattanooga gegen einen Betriebsrat. Die Gewerkschaft UAW lässt sich davon nicht entmutigen. Einen Ortsverband mit mehreren Hundert Mitgliedern gibt es bereits.

Die US-Gewerkschaft UAW gibt trotz der Schlappe Anfang des Jahres nicht auf, um bei Volkswagen doch nocht Fuß zu fassen. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter des VW-Werks Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee haben sich dem Ortsverband der UAW angeschlossen, wie die Gewerkschaft mitteilte. Nun wollen die Arbeitnehmervertreter erreichen, dass VW die örtliche Gewerkschaftsvertretung als Tarifpartner für diese Arbeiter anerkannt.

Die UAW war im Februar mit dem Versuch gescheitert, in einer Abstimmung von der Belegschaft zur offiziellen Arbeitnehmervertretung gekürt zu werden. Seitdem bemüht sich die 79 Jahre alte Arbeiterorganisation über einen Umweg, doch noch Einfluss zu erhalten. Im Sommer hat sie in Chattanooga einen Ortsverband gegründet, etwa 750 Arbeiter des VW-Werks seien bereits beigetreten.

Anfang des Jahres bekam die UAW bei VW in Chattanooga eine Abfuhr.
Anfang des Jahres bekam die UAW bei VW in Chattanooga eine Abfuhr.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Gewerkschaft wolle nicht erneut über eine Arbeitnehmervertretung abstimmen lassen. Stattdessen werde sie sich nun direkt an Volkswagen wenden. Das Ziel: Der Autobauer soll den neuen Ortsverband als Art Betriebsrat für das Werk anerkennen, so dass die UAW zumindest für die Mitglieder verhandeln könne, die dem Ortsverband beigetreten sind.

Eine Gewerkschaft ringt um Einfluss

Ein Arbeitnehmervertreter habe auf informellem Wege mit dem Management von VW über die Entwicklungen gesprochen, hieß es. Unterstützung habe er von den deutschen Gewerkschaften erhalten. Ein Volkswagen-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Die UAW ringt schon lange um mehr Einfluss im Süden der USA. Dort wurden die meisten der neuen Autofabriken gebaut. Der Einfluss der UAW ist insgesamt geschwunden. Weil die Autoindustrie vom Norden in den Süden gewandert ist, hat sich die Mitgliederzahl der Gewerkschaft von früher 1,5 Millionen geviertelt - und der Großteil der Mitglieder kommt gar nicht mehr aus der Autobranche.

Hochpolitisch

Der Konflikt um den Einfluss der UAW ist in den USA hochpolitisch und tiefverwurzelt. So führten gewerkschaftskritische Beobachter die Pleite der beiden Autobauer GM und Chrysler auch darauf zurück, dass die UAW zu teure und unflexible Tarifverträge für ihre Mitglieder herausgeschlagen hat, an denen die Autobauer in der Wirtschaftskrise dann erstickten.

Republikanische Politiker in Tennessee fürchten nun, dass sich eine gewerkschaftliche Organisation bei VW von Nachteil für das Jobwachstum in dem US-Staat herausstellen könnte. Der Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, und der republikanische Senator Bob Corker haben sich gegen die gewerkschaftliche Organisierung des Werkes ausgesprochen. Die Gründung von Ortsverbänden ist ein Erfolg des neuen UAW-Präsidenten Dennis Williams, der versprochen hat, der Gewerkschaft auch im Süden Geltung zu verschaffen.

Quelle: n-tv.de

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