Wirtschaft

Streit ums Bankgeheimnis UBS-Boss sieht "Wirtschaftskrieg"

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Sieht sich angegriffen: UBS-Chef Sergio Ermotti.

(Foto: REUTERS)

Der Chef der Schweizer Bank UBS, Ermotti, sieht die Eidgenossen ausländischen Attacken ausgesetzt. Ziel sei es, den schweizerischen Finanzplatz zu schwächen. Tausende Arbeitsplätze gingen so verloren, klagt der Banker.

UBS-Chef Sergio Ermotti sieht im Streit um das Bankgeheimnis einen Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz. "Es geht darum, die zwei Schweizer Großbanken, die international erfolgreich sind, zu schwächen", sagte der Banker der Zürcher "Sonntagszeitung". "Für uns ist das ein Wirtschaftskrieg", betonte er. Nicht nur ausländische Politiker, auch die Konkurrenten von UBS und Credit Suisse hätten ein Interesse an den Angriffen auf die Schweiz. "Die Schweiz wird attackiert seit 2008. Wir stecken mitten drin im Wirtschaftskrieg."

Ziel sei es, den Finanzplatz zu schwächen. "Unsere Banken verwalten 2,2 Billionen Franken ausländische Vermögen. Da wollen sich einige Konkurrenzbanken und ausländische Finanzplätze zusätzliche Marktanteile verschaffen", vermutet Ermotti. Die Kritik an der Schweiz sei ungerechtfertigt. Die USA und die EU seien daran interessiert, den Schweizer Finanzplatz in die Knie zu zwingen. Allein durch die Abgeltungssteuer würden 20 bis 25 Prozent der Vermögen abfließen. Dies habe neue Sparmaßnahmen zur Folge: "Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren auf dem Schweizer Finanzplatz 20.000 Arbeitsplätze verloren gehen."

Steuerabkommen auf der Kippe

Das zwischen Deutschland und der Schweiz ausgehandelte Steuerabkommen ist derweil immer noch in der Schwebe. Die SPD- und Grünen-geführten Landesregierungen lehnen das Abkommen weiterhin ab, obwohl es jüngst noch einmal zulasten von Steuerflüchtlingen abgeändert worden war. Das Abkommen, das nun eine Versteuerung von in die Schweiz verschobenen Geldern von 21 bis 41 Prozent vorsieht, bedarf der Zustimmung des Bundesrates. Das politischen Hickhack um das Steuerabkommen mündete zuletzt in einem Schweizer Haftbefehl gegen deutsche Steuerfahnder.

Sollte das Abkommen mit Deutschland wie geplant 2013 in Kraft treten, werden Deutsche ihr Geld in der Schweiz zwar versteuern müssen. Ihren Namen erfährt das Finanzamt aber nicht. Damit würden deutsche Vermögen im Wert von bis zu 200 Mrd. Franken auf einen Schlag von problematischem Schwarzgeld zu korrekt versteuertem Geld mutieren. SPD und Grüne halten das Abkommen aber trotz der zuletzt vereinbarten Nachbesserungen für unzureichend, da es aus ihrer Sicht ein nicht zu rechtfertigendes Entgegenkommen gegenüber Steuerkriminellen darstellt.

In den USA werden Zehntausende verdächtigt, ihr Vermögen mit Unterstützung von Schweizer Banken vor dem Finanzamt verborgen und damit Steuern hinterzogen zu haben. Die Schweiz hat deshalb bereits auf Druck der USA ihr Bankgeheimnis gelockert.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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