Wirtschaft

Beluga-Chef unter Betrugsverdacht US-Investor stellt Strafanzeige

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Die "Beluga Fortune" wurde im Oktober 2010 von Piraten überfallen - und von einer britischen Fregatte gerettet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Vorwürfe gegen den Reederei-Gründer Niels Stolberg wiegen schwer: Im Geschäft mit Schwergut-Transporten auf hoher See soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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Vom Investor beurlaubt: Niels Stolberg (Archivbild).

(Foto: dapd)

Die Bremer Staatsanwaltschaft hat gegen den Firmengründer der Beluga-Reederei, Niels Stolberg, und weitere leitende Angestellte ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Betrugs eingeleitet. Wie die Behörde mittteilte, stehen die Beschuldigten im Verdacht, seit 2009 Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so Investoren getäuscht zu haben. Beluga gilt als Weltmarktführer für Schwergut-Transporte.

Angesichts der nun laufenden Ermittlungen signalisierte Reederei-Gründer Stolberg Kooperationsbereitschaft. "Ich werde mich dem Verfahren und den mir gegenüber erhobenen Vorwürfen stellen", sagte er dem Bremer "Weser-Kurier". Mit Blick auf das laufende Verfahren wollte er sich zu den Vorwürfen nicht weiter äußern. Er betonte jedoch: "Ich laufe nicht weg."

Die Anzeige hatte der US-Investor Oaktree Capital Management (OCM) erstattet, den Reederei-Gründer Stolberg erst im Vorjahr ins Boot geholt hatte. Das Unternehmen hält mittlerweile 49,5 Prozent an der Reederei Beluga, dem angeschlagenen Weltmarktführer für Schwergut-Transporte.

Bundesweit bekannt wurde die Reederei durch die öffentlichkeitswirksame Fahrt eines ersten Frachters durch die Nordostpassage, Stolbergs Sponsor-Auftritte bei dem Bundesligisten Werder lernt Abstiegskampf und sein Engagement bei "Skysails", dem Einsatz von Lenkdrachensegeln in der kommerziellen Schifffahrt. Zuletzt war die Beluga-Reederei in ganz anderem Zusammenhang in die Schlagzeilen geraten: Bei einem Piratenüberfall vor der Küste Somalias kommen Reederei entsetzt über Piraten . Sieben weitere befinden sich wohl noch Piraten legen Forderungen vor . Es ist bereits das dritte Schiff der Reederei, das von Piraten angegriffen wurde.

Nach Informationen des "Weser Kuriers" wurde Stolberg, der langjährige Alleingesellschafter und zu diesem Zeitpunkt offiziell noch Mehrheitseigner der Reederei, in der vergangenen Woche auf Betreiben des US-Investors zusammen mit weiteren Führungskräften "mit sofortiger Wirkung" beurlaubt. Stolberg habe lediglich fünf Minuten Zeit bekommen, seinen Schreibtisch zu räumen, berichtete die Zeitung. Anschließend habe ihn "der Sicherheitsdienst aus dem Haus geleitet".

Beschuldigt wird neben Reeder Stolberg laut Staatsanwaltschaft auch ein weiterer früherer Geschäftsführer. Nach dem Handelsgesetzbuch wird ihnen auch "unrichtige Darstellung" vorgeworfen, also das Verschleiern oder das falsche Informieren über Bilanzen oder Abschlüsse. Stolberg hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.

Stolberg wird von dem Frankfurter Wirtschaftsanwalt Hanns Feigen vertreten. "Das Hauptziel von Stolberg neben dem Ausräumen der Vorwürfe ist Beluga und sind die Arbeitsplätze", sagte Feigen. "Das ist das A und O." Zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten wollte er sich nicht äußern. Zunächst sei für die kommende Woche mit Stolberg zusammen ein Gespräch bei der Staatsanwaltschaft geplant.

Quelle: n-tv.de, dpa

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