Wirtschaft

Leichte Entspannung im Tarifkonflikt Ufo und Lufthansa sondieren

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"I love Lufthansa ... deshalb streike ich" - Das Kabinenpersonal im Ausstand.

(Foto: REUTERS)

Na endlich, denkt sicherlich so mancher Lufthansa-Kunde. Beim Tarifstreit ist zumindest etwas Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo und das Unternehmen machen den ersten Schritt aufeinander zu. Der derzeit laufende 24-Stunden-Streik wird aber durchgezogen.

In den Tarifstreit bei der Lufthansa kommt Bewegung. Zur Lösung des Tarifkonflikts bei der Lufthansa sollen bereits heute erste Sondierungsgespräche stattfinden. Das sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Ufo während des Flugbegleiterstreiks in Frankfurt. Weitere Informationen zum Inhalt der Gespräche könnten zunächst nicht mitgeteilt werden.

Die Lufthansa hatte bestätigt, dass bereits seit Donnerstag nach einem Weg aus dem Streikgeschehen gesucht werde. Die Einsetzung eines Schlichters sei aber noch nicht beschlossen, hieß es in Unternehmenskreisen. Vielmehr solle zunächst bilateral gesprochen werden. Auch die ins Spiel gebrachten Schlichter-Kandidaten wie der frühere SPD-Chef Franz Müntefering, der Hamburger Ex-Bürgermeister Henning Vorscherau oder der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier wurden von der Lufthansa nicht kommentiert.

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Der Lufthansa-Personalmanager Peter Gerber hatte selbst die Möglichkeit einer auf wenige Fragen verengten Schlichtung ins Spiel gebracht. Ufo-Chef Nicoley Baublies signalisierte "Kompromissbereitschaft" bei den Sparplänen des Konzerns.

Im Verlauf des heutigen Tages hatte der Streik der rund 18.000 Fluglotsten seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nach zwei regionalen Streikwellen hatte Ufo zu einem bundesweiten Streik aufgerufen. Die Lufthansa hatte nach der Ankündigung bereits am Mittwoch rund 1000 ihrer 1800 Flüge für Freitag gestrichen.

Rund 100.000 Reisende sind von dem bislang beispiellosen Ausstand der FLugbegleiter betroffen. Chaos gab es aber zunächst weder an Flughäfen, Bahnhöfen noch auf den Autobahnen. In Frankfurt waren die Schlangen vor den Check-in-Schaltern nicht annähernd so lang wie an den beiden ersten Streiktagen, als der Airport im Chaos versank. An Deutschlands größtem Flughafen waren vor allem ausländische Gäste gestrandet, die nichts von dem Streik erfahren hatten. Lufthansa-Passagiere aus Deutschland haben ihren Flug umgebucht oder nahmen gleich die Bahn. Richtig voll war es deshalb am Bahnhof des Flughafens.

Eine teilweise Schließung des Flughafens wegen übervoller Parkpositionen wie vergangene Woche ist dieses Mal kein Thema. Die Lage ist "sehr entspannt", sagte ein Flughafen-Sprecher. Die Lufthansa hatte bereits am Donnerstag knapp 50 Verbindungen gestrichen - viele davon Langstreckenflüge. Die Flugzeuge stehen nun in Übersee, anstatt den Frankfurter Flughafen zu verstopfen.

Keine Streiks in den nächsten Tagen

"Das könnte tatsächlich der letzte Streiktag sein", machte Ufo-Chef Baublies bei n-tv den Lufthansa-Passagieren Hoffnung. Die Gewerkschaft wolle der Lufthansa eine Denkpause geben. Ufo sei bereit zu Gesprächen am Wochenende, sagte Baublies. Über welche Themen man dabei sprechen werde sei offen. "Ob wir dann auch einen Schlichter benennen, wird sich zeigen", sagte Baublies. Die Lufthansa hat bislang darauf gepocht, dass nur über die Löhne verhandelt werden könne. Die Gewerkschaft hingegen verlangt, auch über den Einsatz von Leiharbeitern zu sprechen.

"Es hat einen Kontakt gegeben, bedauerlicherweise war der nicht zielführend. Wir hoffen jetzt auf Kontakte, die irgendwann zum Ziel führen", sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther bei n-tv. "Wir haben die Ufo immer wieder aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Diese Einladung steht weiterhin und wir hoffen jetzt auf konstruktive Gespräche, die zu einer raschen Beendigung dieses Konfliktes führen, denn es geht um die Zukunft der Deutschen Lufthansa. Wir sind europaweit die Nummer eins, wir können noch aus einer Position der Stärke heraus handeln. Wenn wir weltweit weiter eine führende Rolle spielen wollen, müssen wir uns auf den modernen Wettbewerb einstellen."

Ufo fordert in dem seit 13 Monaten währenden Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber eine große konzerninterne Billigtochter mit niedrigeren Gehaltstarifen. Für die verbleibenden Lufthanseaten will das Unternehmen die Gehaltsstufen abflachen und für Neueinsteiger niedrigere Bedingungen durchsetzen.

Auf der Seite Lufthansa können Sie den Status Ihres Fluges abfragen. Telefonisch erreichen Sie die Lufthansa unter 01805 / 805 805. Die Fluggesellschaft bittet Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, auf den Internetseiten des Unternehmens ("Online Check-In") zu prüfen, ob sie bereits auf einen Alternativflug eingecheckt wurden: "Ist dies der Fall, kann die Bordkarte für diesen neuen Flug sofort online erstellt werden."

Quelle: ntv.de, rts