Wirtschaft

EZB-Niedrigzinspolitik wirkt Unternehmen leihen sich massenhaft Geld

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Verstärkte Kreditnachfrage seit 2013.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer will und hat noch nicht? Europas Unternehmen nutzen die derzeit extrem niedrigen Zinsen und leihen sich so viel Geld wie schon seit sieben Jahren nicht mehr. Die größte Kreditnachfrage kommt von den Versorgern und aus dem Energiesektor.

Geld ist derzeit so billig zu haben wie praktisch noch nie. Das weckt den Hunger europäischer Unternehmen. Mit über 325 Milliarden Euro haben sie sich im ersten Halbjahr eine so hohe Summe geliehen wie seit 2007 nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg um 39 Prozent. Diese Werte hat der Finanzdatendienstleister Dealogic ermittelt.

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Begonnen habe die verstärkte Kreditnachfrage im vergangenen Jahr, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik weiter gelockert hatte, berichtet Simon Derrick, der als Direktor bei der Deutschen Bank in London für das Kreditgeschäft mitverantwortlich ist. In vielen Fällen würden die Unternehmen bestehende Kredite refinanzieren. Dank der Zinssenkung der EZB sind Ausleihungen billiger für Unternehmen geworden. Sie können mit einer Refinanzierung ihre Kosten senken.

Die Notenbank hatte zuletzt im Juni ihre Zinsen nochmals gesenkt. Der Leitzins liegt nun bei nur noch 0,1 Prozent. Einlagen von Banken bei der EZB sind sogar mit einem Strafzins von 0,1 Prozent belegt. Damit will die Zentralbank die Kreditnachfrage und so auch die Konjunktur ankurbeln.

Auch Bayer greift in den Kredittopf

Die größte Nachfrage nach Krediten kam im ersten Halbjahr von den Versorgern und aus dem Energiesektor. Unternehmen aus diesem Geschäft nahmen insgesamt über 50 Milliarden Euro auf. Fast genauso viel frisches Geld floss in den Telekomsektor. Im Bau landeten immerhin noch gut 30 Milliarden Euro.

Eine der größten Einzelsummen floss an den deutschen Pharma- und Chemiekonzern Bayer. Der Dax-Konzern hatte Anfang Mai für 14,2 Milliarden US-Dollar das Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten des US-Pharmakonzerns Merck & Co übernommen. Der Kaufpreis wurde zunächst von einem Bankenkonsortium zwischenfinanziert, kurze Zeit später löste das Unternehmen einen Teil des Kredits schon wieder mit Hybridanleihen über 3,25 Milliarden Euro ab.

Andere Kredite an große Namen gingen etwa an die spanische Sicherheitsfrima Prosegur, den italienischen Rüstungskonzern Finmeccanica oder den portugiesischen Stromproduzenten Energias de Portugal.

Quelle: ntv.de, wne/DJ

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