Wirtschaft

Moskau legt Konjunkturprogramm auf VW tritt in Russland auf die Bremse

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Die Sanktionen des Westens machen den Autobauern in Russland immer stärker zu schaffen. Vor wenigen Jahren sah die Zukunft noch rosig aus. Hier die Präsentation des neuen VW Polo in Moskau 2010.

(Foto: imago stock&people)

Es läuft nicht rund auf dem russischen Automarkt. Internationale Konzerne bemühen sich um Schadensbegrenzung und greifen zu drastischen Sparmaßnahmen. VW will nun Jobs streichen und weniger produzieren. Bricht der einstige Wachstumsmarkt weiter ein?

Volkswagen reagiert auf die Absatzkrise auf dem russischen Automarkt und drosselt die Produktion in seinem Werk in Kaluga. Von April bis Juli werde in der Fabrik südwestlich von Moskau auf eine Viertagewoche umgestellt, teilte der Wolfsburger Konzern mit. Außerdem würden ab Mai die Zeitverträge von 150 Mitarbeitern nicht verlängert, sagte Lilija Leonowa, Sprecherin von VW-Russland. Wer freiwillig den Konzern verlasse, erhalte eine Entschädigung, hieß es zudem in einer Mitteilung.

Der lange von Autobauern als vielversprechend gelobte russische Markt befindet sich wegen der Wirtschaftskrise seit Monaten im Abwärtstrend. Von Januar bis Februar brach der Verkauf nach Angaben der Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. Volkswagen verbuchte in derselben Zeit ein Absatz-Minus von 40 Prozent.

Um sich der Krisensituation anzupassen, wechselt VW in seinem Werk in Kaluga ab Mai zudem vom Drei- in den Zweischicht-Betrieb. Für die kommenden Monate sei keine Erholung in Russland zu erwarten, hieß es. Volkswagen betonte, Russland bleibe für den Konzern ein Markt mit langfristigen Wachstumsperspektiven. Doch die aktuelle Krise trifft die Wolfsburger hart: Laut Betriebsratschef kostet sie VW "dreistellige Millionenbeträge".

GM zieht Opel ab, bei Nissan Stillstand

Mehrere Autobauer haben bereits auf die Krise reagiert: General Motors zieht seine Tochter Opel zum Jahresende aus Russland ab. Der Mutterkonzern selbst konzentriert sich künftig nur noch auf Fahrzeuge der Premiummarken wie Cadillac und Chevrolet im Riesenreich. Im Nissan-Werk in St. Petersburg stehen zudem derzeit bis Monatsende die Bänder still.

Angesichts der schweren Krise kündigte der russische Regierungschef Dmitri Medwedew rund 25 Milliarden Rubel (knapp 400 Mio Euro) Unterstützung für die angeschlagene Autobranche an. Das Geld soll den Herstellern dabei helfen, Zinsen für Autokredite zu drücken und Leasingkosten zu senken. Damit soll die Nachfrage angekurbelt werden. Außerdem seien zusätzliche Nutzfahrzeug-Käufe durch staatliche Behörden vorgesehen.

Die Autobauer in Russland hoffen seit Jahren, Deutschland als größten Markt in Europa ablösen zu können. Wegen des massiven Einbruchs des Ölpreises seit vergangenem Sommer und verstärkt durch die Sanktionen des Westens im Ukraine-Konflikt befürchten die Hersteller 2015 aber einen Absatzrückgang um ein Viertel.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa/rts