Wirtschaft

Mini-Wachstum in Deutschland Verbraucher retten das Frühjahr

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Eigentlich sieht es ganz gut aus in Deutschland: Bundesbank-Chef Jens Weidmann hält von seinem Bürofenster aus die Konjunkturlage im Blick.

(Foto: REUTERS)

Die deutsche Wirtschaft entgeht im Frühjahr nur knapp der Rezession: Positive Impulse liefert fast ausschließlich die Konsumfreude der Verbraucher. Unternehmer stellen dagegen Investitionen zurück. Beunruhigend: Der Außenhandel - Deutschlands Konjunkturmotor - zeigt Schwächen.

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(Foto: dpa)

Die lebhafte Kauflaune der Verbraucher hat es nach Ansicht von Experten geschafft, die deutsche Wirtschaft vor dem Absturz in die Rezession zu bewahren. Dank steigender Konsumausgaben sei das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,1 Prozent gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die amtlichen Statistiker bestätigten damit ihre erste Schätzung.

Anders sieht die Lage außerhalb der Binnennachfrage aus: Exporte und Investitionen gingen zurück. Ende 2012 war die Wirtschaftsleistung mit 0,7 Prozent so stark eingebrochen wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr.

Für das Mini-Wachstum sorgten damit fast ausschließlich die Verbraucher: Ihre privaten Konsumausgaben legten um 0,8 Prozent zu und damit so stark wie seit Sommer 2011 nicht mehr. Grund dafür sind die geringe Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen. So erhöhten sich die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer brutto wie netto um 3,6 Prozent zum Vorjahresquartal.

Die Aussichten für die kommenden Monate sehen günstig aus: Für Juni sagen die Forscher der GfK das beste Konsumklima seit fast sieben Jahren voraus.

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Die Exporte schrumpften dagegen unter dem Rezessionsdruck innerhalb der Eurozone und der schlappen Weltkonjunktur um 1,8 Prozent, die Importe um 2,1 Prozent. Die Unternehmen hielten sich angesichts der ungewissen Entwicklung auf wichtigen Exportmärkten mit Investitionen zurück: Sie gaben 0,6 Prozent weniger für Maschinen, Geräte und andere Ausrüstungen aus.

In Bauten wurde 2,1 Prozent weniger investiert. Allerdings behinderte der lange Winter viele Baustellen wochenlang; die liegen gebliebenen Arbeiten können ab Frühjahr wieder aufgeholt werden.

Ökonomen: Export-Abhängigkeit lässt nach

Konjunkturexperten in Banken und Brokerhäusern bestätigten die Einschätzung des Statistischen Bundesamtes. "Der solide Arbeitsmarkt und die steigende Kaufkraft erhöhen die Konsumlaune", sagte Thomas Amend, Analyst bei HSBC Trinkaus. Durch den zunehmenden Konsum falle das Wachstumsbild ausgeglicher aus. "Wir sind nicht mehr so sehr vom Export abhängig", fasste Amend das Ergebnis zusammen. Die Ausfuhren bleiben seiner Ansicht nach aber ein wichtiger Faktor. "Die Frage ist: Wie entwickelt sich die globale Konjunktur weiter, nachdem aus China zuletzt negative Signale kamen?"

"Weniger gut sieht es bei den Investitionen aus", schränkte Christian Schulz von der Berenberg die Freude über den starken Wachstumsbeitrag durch den Konsum ein. "Bei den Unternehmen scheint das Vertrauen noch nicht wieder zurückgekehrt zu sein. Trotz günstiger Finanzierungsbedingungen wird weniger investiert. Möglicherweise hat hier auch der lange Winter gedämpft. Auch der Export schwächelt." Dazu kommen gewichtige Probleme. "Wichtige Auslandsmärkte wie China wachsen nicht so schnell wie erwartet", warnte Schulz. "Und mit Japan ist ein aggressiver Wettbewerber hinzugekommen."

Bundesbank rechnet mit Aufhellung

Die deutschen Unternehmen schätzen ihre Lage derzeit schlechter ein als zu Jahresbeginn, wie aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags unter rund 24.000 Betrieben hervorgeht. Der DIHK hat deshalb seine Wachstumsprognose für dieses Jahr mehr als halbiert - von 0,7 auf 0,3 Prozent.

Nach dem Mini-Wachstum zu Jahresbeginn rechnet die Bundesbank aber mit einem Frühjahrsaufschwung. "Für das zweite Quartal 2013 ist mit einer spürbaren gesamtwirtschaftlichen Belebung zu rechnen", hieß es im aktuellen Monatsbericht.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts