Wirtschaft

US-Kunden unbeliebt Vorsichtige Schweizer Banken

Der Streit der UBS mit der US-Steuerbehörde hat einige andere Schweizer Banken vorsichtig gegenüber in den USA beheimateten Kunden gemacht. Einige Institute nehmen gar überhaupt kein Geld von Amerikanern mehr an und gefährden so das Image des Landes als privates Bankenzentrum.

UBS.jpgAnlass für dieses Vorgehen ist die Forderung der  Internal Revenue Service (IRS) nach Zugang zu 52.000 Kundenkonten wegen möglicher Steuerhinterziehungen. Dies könnte jedoch möglicherweise die Gesetze der Schweiz zum Bankgeheimnis brechen.

Analysten erwarten, dass die UBS einen hohen Geldbetrag zahlen wird, um die Angelegenheit beizulegen, ehe es zur Gerichtsverhandlung kommt. Sie könnte so letztlich den Fall beenden und gleichzeitig die Identität ihrer Kunden schützen. Doch wie auch immer der Streit ausgeht, einige Schweizer Banken sehen in US-Kunden nun eine teure Belastung.

Banken verunsichert

Die Privatkundenbank Zürcher Kantonalbank (ZKB) macht keine Geschäfte mit US-Kunden mehr, wie ein Sprecher der staatseigenen Bank bestätigte. Ein Sprecher der in Basel beheimateten Bank Sarasin & Cie, die auf vermögende Kunden spezialisiert ist, sagte ebenfalls, das Institut nehme keine US-Gelder mehr an, zum Teil aufgrund der Jagd der US-Behörden nach Auslandsvermögen. Andere, wie die genossenschaftliche Raiffeisen Group und die der größten Schweizer Handelsgenossenschaft Migros gehörende Migros Bank, nehmen noch US-Gelder an, haben jedoch kürzlich strengere Richtlinien für Amerikaner erlassen. Raiffeisen verlangt eine Vollmacht und eine Korrespondenzadresse außerhalb der USA, während Migros sich weigert, mit Kunden auf dem Boden der USA zu korrespondieren.  "Wir wollen sichergehen, dass wir alle Aktivitäten vermeiden, die Migros Bank als aktiven Anbieter von Finanzdiensten in den USA erscheinen lassen", sagte Banksprecher Matthias Hunn.

Die Banken machten keine Angaben zur Höhe des von ihnen verwalteten US-Vermögens, mit Ausnahme der ZKB, bei der die US-Gelder nur etwa 1 Prozent der von ihr betreuten Aktiva von 114 Mrd. US-Dollar ausmachten. Obgleich die Institute, die beim Umgang mit US-Anlagegeldern noch unsicher sind, vergleichsweise winzig sind im Vergleich zu den Bankriesen UBS und Credit Suisse Group, machen die Maßnahmen deutlich, wie sehr die Jagd des IRS nach US-Kunden die Spannungen in der Schweiz erhöht hat. "Die ganze Unsicherheit kommt von diesem hochkarätigen IRS-UBS Fall, der große Verwirrung zwischen Kunden und Banken gestiftet und deutlich gemacht hat, wie wichtig eine vernünftige Lösung ist", sagte James Nason, Sprecher des Schweizer Bankenverbands.

UBS vor Einigung

Die UBS hat in diesem Jahr eine verzögerte Strafverfolgungseinigung mit dem US-Justizministerium getroffen, in der die Bank sich bereiterklärt hat, ein Bußgeld von 780 Mio. US-Dollar zu zahlen und 250 Kundendatensätze auszuhändigen. Am Tag danach wurde der Bank eine sogenannte "John Doe Summons" der USA zugestellt, quasi eine "Ladung von nnbekannt". Damit verlangt die USA, dass die UBS ihr Tausende von Kundennamen mitteilt.

Der Prozess wurde hinausgezögert, um eine Einigung zu ermöglichen. Er soll nun am 3. August in Miami beginnen, doch viele Experten und Analysten gehen davon aus, dass er voraussichtlich außergerichtlich beigelegt wird, bevor beide Seiten sich bei Gericht gegenüberstehen.

Im Zuge der Ermittlungen hat die UBS im vergangenen Jahr damit begonnen, ihre Finanzverwaltung für vermögende US-Investoren bei ihrer Privatbank in der Schweiz zu schließen. Dieses Geschäft ist nun ihrer US-Vermögensverwaltungstochter angegliedert, bisher bekannt als PaineWebber, oder aber an die von der US-Börsenaufsicht SEC kontrollierte Schweizer Tochter Swiss Financial Advisors. Investoren, die ihre Gelder nicht zu einer dieser Töchter transferieren könnten, werden gebeten, die Bank zu verlassen.

Konto aufgelöst

Einem in Georgia ansässigen Schweizer Rentnerehepaar, das seit Mitte der siebziger Jahre UBS-Kunde ist, wurde mitgeteilt, es müsse sein Konto auflösen, weil es in den USA lebe. Das Ehepaar wechselte zunächst zum UBS-Konkurrenten Credit Suisse, bekam jedoch auch dort kalte Füße. Die beiden Rentner, die mit den Geldern ihre Steuern in der Schweiz bezahlen wollen, wurden danach von einer Kantonalbank zurückgewiesen, bevor sie schließlich ihr Vermögen bei Raiffeisen anlegten, einer Genossenschaftsbank. Credit Suisse war nicht zu einer Stellungnahme bereit; die UBS konnte nicht umgehend für eine Stellungnahme erreicht werden.

"Die Schweizer Banken haben meiner Meinung nach völlig überreagiert, auch wenn die Entscheidung der UBS, ihr US-Auslandsgeschäft zu beenden, unter den gegebenen Umständen verständlich ist", sagte Alfred Mettler, Dozent am Robinson College of Business an der Georgia State Universität. Die Bestimmtheit der USA bei der Verfolgung angeblichen Steuerbetrugs und ein von einigen Experten vorhergesagter ähnlicher Vorstoß der Europäischen Union haben Schweizer Banken veranlasst, alle möglichen Geschäfte mit den USA zu meiden - sogar unverfängliche Produkte wie Sparkonten für Kinder. "Für einen angesehenen und ehrlichen Kunden seit 30 Jahren ist es völlig unverständlich, dass er auf einmal de facto ein Kündigungsschreiben seiner Bank erhält, und das beschädigt auf jeden Fall das Image der Schweizer Banken als solide und vertrauenswürdige Partner", sagte Mettler.

Während die Angst vor weiteren Vorstößen der USA wächst, sagte die schweizerisch-amerikanische Handelskammer in Zürich, es gebe bereits Bemühungen um eine Lösung außerhalb eines Pauschalverbots von US-Geschäften. Darüber hinaus wird der Vorstoß der USA mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Revision der bestehenden "Qualified Intermediary", oder QI, Vereinbarungen führen, die bestimmen, welche Arten von Geschäften ausländische Banken in den USA machen dürfen. Die abgeänderten QI-Vereinbarungen werden vermutlich dazu beitragen, dass sich die Spannungen über amerikanische Geschäfte in der Schweiz abbauen und einige Schweizer Banken veranlassen, ihre eigenen Regeln entsprechend anzupassen. "Die Finanzindustrie hasst nichts mehr als Ungewissheit, je schneller die Qualified-Intermediary-Vereinbarungen revidiert werden, um so besser", sagte Mettler.

Quelle: n-tv.de, DJ

Mehr zum Thema