Wirtschaft

Altes Rezept soll helfen Wall Street wappnet sich für Bilanzsaison

imago_st_100308400208_60554619.jpg7403491764328559496.jpg

Börsianer hoffen, dass die Bilanzsaison glatt geht.

(Foto: imago stock&people)

Die US-Bilanzsaison steht an und trifft auf nervöse Anleger. Der Haushaltsstreit und die Schuldengrenze sorgen für Aufregung, schlechte Quartalszahlen kann die Börse nicht gebrauchen. Zum Glück gibt es ein altbewährtes Mittel, um sich vor Enttäuschungen zu schützen.

S&P 500
S&P 500 3.327,00

Haushaltsstreit plus Schuldengrenze und nun der Start in die Bilanzsaison – die USA stehen vor einer neuen Phase der Unsicherheit. Altbekannt ist allerdings das Schema vor der neuen Bilanzsaison, die am Dienstag beginnt: Die Gewinnerwartungen werden im Vorfeld heruntergeschraubt, um sie nachher leichter übertreffen zu können.

Laut den Schätzungen der Analysten werden die Gewinne der S&P500-Unternehmen im dritten Quartal um lediglich 3,2 Prozent steigen. Vor drei Monaten waren die Analysten noch von einem Zuwachs um 6,5 Prozent ausgegangen. Bereinigt um den Finanzsektor würde sich das Plus im S&P500 auf lediglich 1,9 Prozent belaufen. Was auf den ersten Blick sehr negativ erscheint, ist regelmäßig kurz vor der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse von US-Unternehmen zu beobachten. Die Unternehmen berichten über mögliche Schwierigkeiten, die Analysten senken die Ergebniserwartungen. Anschließend werden diese reduzierten Erwartungen bei der tatsächlichen Bekanntgabe der Ergebnisse aber häufig übertroffen. Im Schnitt übertrafen in den vergangenen Quartalen rund 65 Prozent der Unternehmen die Gewinnerwartungen des Marktes.

Muster wiederholt sich

Auch die jetzige Saison ist keine Ausnahme. Laut der US-Researchfirma FactSet haben bereits 89 Unternehmen aus dem S&P500 Gewinnwarnungen für das dritte Quartal abgegeben, was allerdings ein Negativrekord ist. Enttäuschende Meldungen kamen beispielsweise von dem Modekonzern Abercrombie & Fitch und dem Einzelhändler Target, sowie den Chipzulieferern KLA-Tencor und Teradyne. Hingegen haben lediglich 19 Unternehmen mit ihren Prognosen positiv überrascht. Der Anteil der Unternehmen mit enttäuschenden Ankündigungen liegt damit bei mehr als 82 Prozent. Das ist ebenfalls Negativrekord. Den S&P500 hat das wie erwartet jedoch kaum belastet.

Alcoa darf weiter einläuten

Alcoa ist zwar am 20. September nach US-Börsenschluss aus dem Dow Jones abgestiegen, die Quartalssaison im S&P 500 wird der Aluminiumhersteller nichts desto trotz weiter eröffnen: Der Konzern legt am 8. Oktober nach Börsenschluss die Ergebnisse vor. Die Gewinnschätzungen für Alcoa sind in den vergangenen drei Monaten von 0,10 Dollar je Aktie auf nur mehr 0,06 Dollar für das dritte Quartal gesunken. Die Anpassung bei dem Aluminiumhersteller steht dabei stellvertretend für den gesamten Sektor, ist doch das erwartete Ergebnisplus für den Bergbausektor laut FactSet von 15 Prozent auf nur mehr zwei Prozent gesunken. Damit hat die Branche die größten Kürzungen verbucht. So stiegen die Schätzungen für den Verlust je Aktie des Stahlherstellers US Steel von 0,18 Dollar auf 0,44 Dollar. Der Goldförderer Newmont Mining soll statt eines Gewinns je Aktie von 0,60 Dollar nun nur noch 0,32 Dollar erwirtschaften.

Nicht nur für die Bergbaubranche, sondern für den gesamten S&P500 dürfte ein stärker werdender US-Dollar belastend gewesen sein. Nach der Umrechnung der ausländischen Einnahmen bleibt auf Dollar-Basis weniger übrig. Zudem hatte sich das Wirtschaftswachstum in China und Indien abgeschwächt. Immerhin war die Wirtschaft in der Europäischen Union gegenüber dem Vorjahr stabil. Die Gewinnmarge für die S&P 500-Unternehmen liegt mit 9,5 Prozent allerdings in der Nähe des Allzeithochs und damit deutlich über dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre von 8,4 Prozent. Ein Grund hierfür waren Anpassungen in der Unternehmenspolitik, zu denen auch Entlassungen gehörten. Allerdings lassen sie sich von diesem hohen Niveau aus nicht fortschreiben, weitere Effizienzsteigerungen dürften daher schwierig sein.

Finanzsektor mit Überraschungen?

Den stärksten Beitrag zum erwarteten Gewinnplus des S&P500 liefert der Finanzsektor: Mit einem Ergebniszuwachs von 9,3 Prozent führt er die Rangliste klar an. Getragen wird die Ergebnisverbesserung bei den Finanzwerten hauptsächlich von zwei Unternehmen: der Bank of America und Morgan Stanley, nicht zuletzt weil die Institute vor einem Jahr schwache Zahlen vorgelegt hatten. Unsicherheitsfaktoren bleiben allerdings, denn Investmentbanken wie Morgan Stanley dürften Analysten zufolge darunter gelitten haben, dass der zwischenzeitliche Zinsanstieg das Handelsgeschäft mit Anleihen deutlich beeinträchtigt hat. Außerdem würden die Gewinne des Finanzsektors ohne Bank of America und Morgan Stanley laut FactSet um 0,4 Prozent sinken. Somit bietet der Finanzsektor ein größeres Überraschungspotenzial. Am kommenden Freitag berichten mit JP Morgan und Wells Fargo die ersten Finanzinstitute von ihren Quartalsergebnissen.

Für Anleger, die längerfristig positiv für die USA gestimmt und entsprechend positioniert sind, etwa über einen Fonds, ETF oder ein Indexzertifikat, heißt die Devise nun abwarten und Tee trinken. Schließlich sitzt man auf dicken Buchgewinnen. Sollte sich die Berichtssaison der vergangenen Quartale wiederholen, dann dürften die Kurse zwar stärker schwanken, sich aber langfristig wieder erholen. Wer die zu erwartende steigende Schwankungsintensität kurzfristig ausnutzen und sich gegen fallende Kurse absichern will, kann Put-Optionsscheine oder sogenannten Turbo-Bear- oder Turbo-Short-Papiere erwerben. Sie profitieren, wenn die Indizes an den Börsen den Rückzug antreten.

Quelle: ntv.de