Wirtschaft

Hochzeit von Renault und Fiat Was für und gegen die Autofusion spricht

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Durch den Zusammenschluss von Renault und Fiat-Chrysler würde der drittgrößte Autobauer der Welt entstehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Einen Tag nach Bekanntwerden der Fusionspläne von Renault und Fiat-Chrysler sehen Anleger das Vorhaben bereits nüchterner. Beide Autobauer ergänzen sich zwar. Eine Allianz hätte aber auch gravierende Risiken. Das sind die wichtigsten Argumente.

Der große Paukenschlag ist verhallt: Nachdem die Aktienkurse von Fiat-Chrysler und Renault am Montag einen Riesensatz gemacht hatten, beginnen die Anleger die Fusionspläne der Autobauer auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Autowelt ändert sich radikal. Wegen schärferer Klimavorgaben und steigender Kosten für die Entwicklung von umweltfreundlicheren Motoren und E-Autos steigt der Druck auf die einzelnen Hersteller. Viele Autobauer suchen ihr Heil in Allianzen und Fusionen. So wollen es jetzt auch Renault und Fiat-Chrysler machen. Das sind die wichtigsten Argumente für und gegen die Autohochzeit:

Was für die Autohochzeit spricht

  • Mögliche Synergien: Fiat-Chrysler und Renault schätzen, dass sie ihre gemeinsamen Kosten nach einem Zusammenschluss um jährlich fünf Milliarden Euro senken könnten. Dieses Geld könnten sie in E-Mobilität, neue Modelle und die Eroberung neuer Märkte stecken. Denn beide Seiten ergänzen sich hervorragend: Renault ist weder im größten Markt der Welt, dem Asien-Pazifik-Raum, noch auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt, USA, vertreten. Hier hat Fiat-Chrysler den Franzosen einiges voraus: Die Italiener setzen mehr als 50 Prozent ihrer Neuwagen im Nafta-Raum ab und machen dort rund 90 Prozent ihrer Gewinne. Umgekehrt ist Renault für Fiat-Chrysler interessant, weil der Konzern 50 Prozent seiner Fahrzeuge in Europa verkauft, 20 Prozent gehen nach Eurasien. Bislang ist Europa für die Italiener nur ein teures Anhängsel. Von der Verbindung würden also beide Seiten profitieren.
     
  • Größe als Chance: Mit 8,7 Millionen verkauften Fahrzeugen wäre das Bündnis aus Renault und Fiat-Chrysler der drittgrößte Autohersteller nach Volkswagen (10,8 Millionen Fahrzeuge) und Toyota (10,6 Millionen Fahrzeuge). Zählt man die Autoverkäufe des japanischen Nissan-Mitsubishi-Konzerns hinzu, mit dem Renault durch eine Überkreuzbeteiligung verbunden ist, käme der neue Konzern sogar auf mehr als 15,6 Millionen Neuwagenverkäufe.
     
  • Profitabilität: Der VW-Konzern verdient knapp 1300 Euro pro Auto, Renault 930 Euro pro Fahrzeug und Fiat-Chrysler nur knapp 850 Euro. Kühle Rechner sind überzeugt, dass es bei Fiat-Chrysler und Renault nach einer Fusion beim operativen Gewinn pro Fahrzeug noch deutlich Luft nach oben geben dürfte.
     
  • E-Mobilität: Die Modellpalette von Fiat-Chtysler ist völlig veraltet. Elektroautos hat der Konzern gar nicht in der Pipeline. Mit Renault wäre der Einstieg in die Elektromobilität auf der Überholspur möglich. Die Franzosen haben erst vor kurzem ein Billig-Elektroauto für den chinesischen Markt vorgestellt.

Argumente gegen die Autofusion

  • Balanceakt für Renault: Die Fusionsgespräche mit Fiat-Chrysler haben Renaults japanischen Partner Nissan offenbar kalt erwischt. Das Verhältnis zwischen den Franzosen und Japanern ist durch die fragwürdige Entmachtung von Carlos Ghosn, der beide Konzerne in Personalunion führte, ohnehin schon belastet. Eine Fusion von Renault mit Fiat-Chrysler könnte die Gräben noch vertiefen. Der französische Konzern müsste einen schwierigen Balanceakt zwischen seinen japanischen und italienisch-amerikanischen Eigentümern vollbringen. Die Gefahr ist groß, dass die Japaner sich verabschieden, weil sie fürchten, in dem Konglomerat untergebuttert zu werden. Dann würde Renault auf einen Schlag der Zugang zum asiatischen Markt wegbrechen.
     
  • Fusionen dauern: Fiat-Chrysler und Renault hätten einen jahrelangen Fusionsprozess vor sich. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht: Zwar passen Renault und Fiat-Chrysler in Sachen Marktzugängen und Elektromobilität gut zusammen. Beide für sich genommen sind aber schwach. Durch eine Fusion könnten sich deshalb ganz neue Probleme entwickeln. Größe allein wird sie nicht beweglicher machen. Den Willen zum Wandel müssen beide Konzerne selbst aufbringen.
     
  • China als Achillesverse: Auch nach einem Zusammengehen hätten beide Seiten weiter keinen direkten Zugang zum größten Automarkt der Welt. Das China-Geschäft haben die Franzosen größtenteils dem Allianzpartner Nissan überlassen. Große China-Player werden Renault und Fiat-Chrysler also auch gemeinsam voraussichtlich nicht.
     
  • Politische Konflikte: Bei Renault ist der französische Staat mit 15 Prozent an Bord. Paris hat zwar grundsätzlich Wohlwollen für den Deal signalisiert. Der Elysée-Palast besteht aber bei einer Renault-Fiat-Fusion auf Jobzusagen und einer Standortgarantie für Frankreich. Seinen Anteil will Paris nicht aufstocken. Entsprechend würde der Staatsanteil bei einer Fusion unter Gleichen auf 7,5 Prozent schrumpfen. Die Gewerkschaft CGT fordert deshalb bereits eine Sperrminorität. Das ruft Rom auf den Plan: Weil Frankreich bereits Anteile hält, drängt Italiens Innenminister Matteo Salvini darauf, dass auch Italien beim Autoriesen einsteigt. In Sachen Staatseinfluss soll Parität herrschen. Konflikte sind damit programmiert. Dass das Verhältnis zwischen Rom und Paris nicht spannungsfrei ist, hat sich erst kürzlich bei den stockenden Bauarbeiten beim Hochgeschwindigkeitszug TAV zwischen Turin und Lion gezeigt.
     
  • Kulturelle Hürden: Beim geplanten Zusammenschluss von Renault und Fiat-Chrysler müssen nicht weniger als vier Kulturen unter einen Hut gebracht werden: Amerikaner, Franzosen, Italiener und Japaner. Auch das wird es nicht leichter machen.

Quelle: n-tv.de

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