Wirtschaft

GM kooperiert mit Peugeot Was wird aus Opel?

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GM-Kooperation mit Peugeot: ein Fingerzeig für die Zukunft von Opel?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Autoindustrie blickt wieder auf ein transatlantisches Bündnis: Frankreichs PSA Peugeot Citroën und der Opel-Mutterkonzern General Motors kooperieren. Für die Franzosen könnte das ein Ausweg aus der Krise sein. Bei Opel überwiegt die Skepsis.

Der kriselnde Autobauer Opel blickt wieder einmal in eine ungewisse Zukunft. Vorerst ist unklar, was die Partnerschaft zwischen dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und dem französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën für die Werke in Bochum und in Rüsselsheim bedeutet. Experten sehen die Kooperation der Autokonzerne, die beide in Schwierigkeiten stecken, eher skeptisch.

Opel verkaufte im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Fahrzeuge und beschäftigt 40.000 Mitarbeiter in mehreren europäischen Werken, darunter vier in Deutschland, der Wiege des Unternehmens. Neben Rüsselsheim und Bochum baut Opel auch in Eisenach seine Autos. In Kaiserslautern werden zusätzlich Motoren und Komponenten gefertigt.

"Chancen und Risiken"

Seit einigen Jahren schon steht Opel aber immer wieder vor dem Aus. GM machte auch 2011 im Europageschäft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall ein Minus von umgerechnet 570 Mio. Euro, während der Gesamtkonzern einen Milliardengewinn verzeichnete. Eine Reduzierung der Produktionskapazitäten ist deshalb im Gespräch.

GM wolle Opel loswerden, Opel-Werke sollten schließen, Opel werde verkauft, hieß es in den vergangenen Jahren immer wieder. Nun soll die Produktion laut "Wall Street Journal" weiter laufen, ohne Drosselung. Dass GM mit sieben Prozent bei Peugeot Citroën einsteigt, kommentierte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mit den Worten, dass "Chancen und Risiken" zwischen PSA und Opel/Vauxhall "fair" verteilt werden müssten.

"Mittelfristig kann man noch nichts sagen"

Nach Ansicht von Experten ist aber noch unklar, was die Zusammenarbeit von GM und PSA für Opel genau bedeutet. Geplant sind den neuen Partnern zufolge unter anderem eine gemeinsame Nutzung von Fahrzeugbauteilen und ein gemeinsamer weltweiter Einkauf.

"Sehr kurzfristig muss man mit keinen dramatischen Ankündigungen wie der Schließung von Werken rechen", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg/Essen. "Mittelfristig kann man noch nichts sagen."

Opel und Peugeot Citroën haben nach Dudenhöffers Analyse dieselben Probleme: Überkapazitäten und eine starke Konzentration auf Europa, sie seien somit "praktisch nicht auf den großen Wachstumsmärkten vertreten". Im Falle von Opel ist es allerdings der Mutterkonzern, der sich einen Konkurrenten in China vom Hals halten will.

"À la Renault-Nissan"

"Eine Partnerschaft könnte die Rentabilität deutlich erhöhen", meinen Martyn Briggs und Petro Boggia von Frost & Sullivan. PSA fehle ein starker internationaler Partner, so wie dies bei den Tandems Renault-Nissan und Fiat-Chrysler der Fall sei. Und auch Dudenhöffer meint, eine Zusammenarbeit "à la Renault-Nissan" mit  einer gemeinsamen Produktion könne Opel helfen. Um dies auf die  Beine zu stellen, seien aber drei bis vier Jahre nötig.

Ian Fletcher von IHS hält rasche Rationalisierungen für "wenig wahrscheinlich" und verweist zur Begründung auf die gewerkschaftlichen und politischen Widerstände auf beiden Seiten des Rheins.

"Neue Perspektiven"  

Bis zum Jahr 2014 ist Opel durch ein Abkommen geschützt, das Werksschließungen und weitere Entlassungen ausschließt. Dies war von Unternehmensleitung und Gewerkschaften im Gegenzug für einen strikten Sparplan vor zwei Jahren beschlossen worden; 8000 Arbeitsplätze wurden in dem Zusammenhang gestrichen und das Werk im belgischen Anvers geschlossen.

Nach den jüngsten Defiziten versicherte Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD), dass die Zusagen dennoch eingehalten würden. Er fügte allerdings auch hinzu, "die Perspektiven" für die Zeit nach 2014 müssten neu erarbeitet werden.

GM hatte Medienberichten zufolge jüngst erwogen, das Werk in Bochum mit seinen 3100 Mitarbeitern zu schließen. Ob sich die Politik dann so stark wie 2009 engagiert, bleibt abzuwarten: Die nächsten Bundestagswahlen sind im Herbst 2013, zu diesem Zeitpunkt wäre Opel noch durch das Abkommen geschützt.

Quelle: ntv.de, Aurelia End, AFP