Wirtschaft

Swingerclub auf Jamaika Weitere Lustreisen bei Ergo

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Lustreisen einzelner Vertriebsmitarbeiter: Ein harter Schlag für Ergo-Chef Torsten Oletzky.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Versicherer Ergo steht erneut wegen zwielichtiger Auslandsreisen für Vertriebsmitarbeiter am Pranger. Nach der schlüpfrigen Party in einer Budapester Therme deckt die Konzernrevision nun weitere Fälle aus der Vergangenheit auf. Ein Ergo-Sprecher bestätigt die Vorwürfe.

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Neue Details aus dem Vertrieb: Die Berichte der Konzernrevision zeichnen ein schmuddeliges Bild.

(Foto: picture alliance / dpa)

Beim Versicherungskonzern Ergo reißen die Affären um Lustreisen auf Kosten des Unternehmens nicht ab. Nachdem der zweitgrößte deutsche Erstversicherer erst vor einem Jahr durch eine moralisch mehr als nur zweifelhafte "Sex-Sause" für Versicherungsvertreter in einer Budapester Therme in die Schlagzeilen geraten war, brachte die Konzernrevision nun weitere Fälle ans Tageslicht.

Demnach haben Vertreter bei der Konzerntochter Hamburg-Mannheimer in den Jahren 2009, 2010 und 2011 Reisen in einen Swingerclub auf Jamaika organisiert. Ergo-Sprecher Alexander Becker bestätige einen entsprechenden Bericht im "Handelsblatt". Doch diese Reisen seien nicht vergleichbar mit der Budapester-Affäre, beteuerte der Sprecher. Die peinliche Firmenfeier in Budapest hatte nicht nur dem Image des Versicherers schweren Schaden zugefügt, sondern auch die Bäderanstalten in der ungarischen Hauptstadt - weitgehend zu Unrecht - in Verruf gebracht.

Die Zeitung berief sich in ihrem aktuellen Ergo-Bericht auf einen Revisionsbericht des Konzerns vom 24. Juni 2011, wonach allein bei einer Reise 2010 Gesamtkosten in Höhe von mehr als 75.000 Euro angefallen sein sollen. 2005 soll außerdem ein Bordellbesuch auf Mallorca vom damaligen Vertriebschef gesponsert worden sein.

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Die Sexparty in Budapest mit Prostituierten als Belohnung für besonders verdiente Versicherungsvertreter sei zwar in ihrem Umfang einmalig, aber die Berichte der Revision zeigten, dass Sex-Reisen offenbar als ein gängiges Belohnungsinstrument eingesetzt worden seien, schrieb die Wirtschaftszeitung. Zugleich dokumentierten sie, wie locker käuflicher Sex abgerechnet wurde.

Bei Ergo hieß es unterdessen, dass der Bordellbesuch auf Mallorca und die Ausflüge in den berüchtigten Swingerclub "Hedonism II" auf Jamaika nicht mit der Budapester Affäre vergleichbar seien. Unabhängige Vermittler hätten die Jamaika-Reisen in Eigenregie organisiert, sagte Becker. Dafür habe es Zuschüsse gegeben. Zur Mallorca-Reise sagte er: "Es gab seinerzeit Hinweise, dass nach dem Programm noch in ein Bordell eingeladen worden sein soll." Dies sei am Ende einer Untersuchung aber nicht eindeutig gewesen. "Wir konnten nicht aufklären, was dort passierte."

Schwerer Rückschlag für Oletzky

Ganz neu sind die Berichte über die Lustreisen allerdings nicht. Mitte Juli 2011 hatte der "Spiegel" bereits berichtet, dass ein Geschäftsstellenleiter der Ergo in Frankfurt seinen Turboverkäufern was Gutes tun wollte und sie zu einer großen Sause ins Swinger-Hotel auf Jamaika eingeladen habe. Das Geld dafür sei aus einem Fonds gekommen, den Ergo gefüllt habe und mit dem besonders erfolgreiche Verkäufer belohnt worden seien. Ergo habe dem Leiter ein Rüge erteilt und die Zuschüsse zurückgefordert.

Dennoch: Für Vorstandschef Torsten Oletzky sind die weiteren Lustreisen ein Schlag ins Kontor - hatte er doch nach Bekanntwerden der Budapester Sex-Party hart daran gearbeitet, das Image des Versicherers aufzubessern. Er sprach damals von einem unentschuldbarem Fehlverhalten. Aber man dürfe nicht tausende von Beratern und Mitarbeitern in Mithaftung nehmen. Ein neuer sogenannter Compliance-Bereich wurde geschaffen, der sich um die Einhaltung von Verhaltensregeln kümmern sollte, vor allem auch für die selbstständigen Vermittler.

Wie der Ergo-Sprecher weiter sagte, seien die umstrittenen Reisen dezentral organisiert und lediglich nach Einhaltung formaler Kriterien geprüft worden. Die Entscheidung über die Auswahl der Hotels sei von selbstständigen Vermittlern getroffen worden.

Quelle: ntv.de, dpa