Wirtschaft

"Währung als Waffe" Wie funktioniert das?

Die Suche nach dem eigenen Vorteil lässt die großen Volkswirtschaften schwer aneinanderrasseln. Über Währungsmanipulationen wird versucht, das eigene Geld billig zu halten, um so Waren in der Welt besser absetzen zu können. Fragen und Antworten zum Thema Abwertung.

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Weltbank-Präsident Robert Zoellick

(Foto: REUTERS)

Je weiter die Weltwirtschafts- und Finanzkrise zurückliegt, desto mehr bricht der internationale Zusammenhalt auseinander, beklagt IWF-Direktors Dominique Strauss-Kahn. Kaum sind die Länder aus dem Tal der Tränen hervorgekrochen, entbrennt ein Währungsstreit. Strauss-Kahn warnt, Staaten könnten Währungen zunehmend als "politische Waffe" einsetzen, um der eigenen Wirtschaft auf Kosten der Handelspartner zu helfen. Doch wie funktioniert das eigentlich?

Fragen und Antworten zum Thema Abwertung:

Worum geht es bei dem Währungsstreit?

Hinter der Auseinandersetzung steckt die Sorge der großen Währungsregionen, dass ein weltweiter Abwertungswettlauf einsetzt. Europa und die USA werfen China vor, mittels einer künstlich unterbewerteten Währung die eigenen Ausfuhren zu verbilligen. Andererseits kommt den USA ihr schwacher US-Dollar aber auch nicht ungelegen, um selbst auf dem Weltmarkt bestehen zu können.

Welche Vorteile bringt ein niedriger Wechselkurs?

Wird die eigene Währung billiger, lassen sich die eigenen Waren preiswerter in anderen Ländern verkaufen. Das hilft vor allem, wenn die eigene Wirtschaft zu teuer produziert und eigentlich gar nicht wettbewerbsfähig ist. Beispiele sind Italien und Frankreich, die in der Zeit vor dem Euro jahrelang nur mit Abwertungen von Lira und Franc zur harten D-Mark über die Runden gekommen sind. Damit wurden ihre Produkte etwa für die deutsche Kunden günstiger, die Chance, mehr Produkte zu verkaufen, stieg also. Zurzeit hält China den Kurs des Yuan künstlich niedrig, indem das Land immer wieder große Mengen fremder Währungen kauft.

Wer "macht" eigentlich die Wechselkurse?

Wie viel eine Währung wert ist, darüber entscheiden Angebot und Nachfrage. Wie für Butter, Wein oder Rohöl gibt es dafür einen Markt, den Devisenmarkt. Dort können Unternehmen oder Privatleute die Währung kaufen, die sie etwa für die Abwicklung von Geschäften in anderen Ländern benötigen oder die sie für sicher halten.

Welchen Einfluss haben Anleger und Spekulanten?

Oft werden fremde Währungen gekauft, um Geld anzulegen - oder verkauft, wenn Anleger "kalte Füße bekommen": Zum Beispiel waren im Frühjahr 2010 viele Anleger aus Euroanlagen "geflüchtet". Damals ließ die griechische Schuldenkrise das Vertrauen in die europäische Währungsunion wackeln, und der Eurokurs brach ein. Dazu kommt, dass Devisenhändler Mrd. einsetzen, um an bestimmten Kursentwicklungen Geld zu verdienen. Damit kann eine Kursrichtung noch deutlich verstärkt werden.

Lässt sich der Devisenmarkt regulieren?

Richtig festlegen lässt sich ein freier Wechselkurs nicht. Es gibt aber verschiedene "Werkzeuge", um den Preis einer Währung zu beeinflussen. Will ein Land seine Währung "billiger" machen, also abwerten, kauft es große Mengen einer fremden Währung und bezahlt mit der eigenen. Das machen im Moment die Japaner, um den Wert des Yen zum US-Dollar zu drücken. Eine andere Möglichkeit sind Verbote: Staaten legen in Einzelfällen fest, dass die eigene oder fremde Währungen nur in bestimmten Mengen ein- oder ausgeführt werden dürfen. Außerdem können Staaten feste Wechselkurse vereinbaren.

Quelle: n-tv.de, dpa

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