Wirtschaft

Duelle auf hoher See Windbranche blockiert sich

Seit Jahren wird von Windrädern in Nord- und Ostsee der große Sprung für den Ökostrom in Deutschland erwartet. Seit Jahren müssen die Pläne jedoch nach hinten geschoben werden. Dabei sollen Windräder in zwanzig Jahren 15 Prozent des deutschen Stroms erzeugen.

offshore.jpg

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vor Gericht und auf hoher See ist man bekanntlich in Gottes Hand. Auf die Manager der mit großen Hoffnungen gestarteten Offshore-Branche trifft das gleich mehrfach zu: Seit Jahren wird von Windrädern in Nord- und Ostsee der große Sprung für den Ökostrom in Deutschland erwartet. Seit Jahren müssen die Pläne jedoch nach hinten geschoben werden. Lediglich ein Pilotprojekt gibt es bislang vor Borkum. Dabei sollen Windräder in zwanzig Jahren 15 Prozent des deutschen Stroms erzeugen.

Die Firmen haben mit Zehn-Meter-Wellen, dem Fehlen von Spezialschiffen und der Finanzkrise zu kämpfen. Die Anbindung an die Stromnetze an der Küste kommt nur schleppend voran. Auch Umweltschützer und Vogelarten wie der Seetaucher, der von Windrädern vor Helgoland verscheucht werden könnte, behindern die Unternehmen. Diese sehen sich auch noch einer Flut von Gerichtsverfahren ausgesetzt, die immer wieder den Baubeginn verzögerten.

Ringen um Baubeginn

Dies musste auch der Finanzinvestor Blackstone erfahren. Als er im Sommer 2008 mit über einer Milliarde Euro Investitionsvolumen in ein Großprojekt in der Nordsee einstieg, wurde das als endgültiger Durchbruch gewertet. Seither ringt die Tochter "WindMW" mit "Sandbank", einem weiteren Projektbetreiber, der mit Eilanträgen den Baubeginn verzögert. Vordergründig spielen auch die Seetaucher eine Rolle, die von den 80 Windrädern des Konkurrenten vertrieben werden könnten und einen weiteren Windpark in der Nachbarschaft unmöglich machten.

Kürzlich hat "WindMW" erneut vor dem Oberverwaltungsgericht Hamburg recht bekommen, eine Beschwerde im Eilverfahren wurde abgelehnt. "Das Verfahren hat allerdings den Baubeginn schon um mindestens ein halbes Jahr verzögert", sagte WindMW-Geschäftsführer Jens Assheuer. Damit könnten für die Anlagen wohl frühestens Ende 2012 die Fundamente gesetzt werden und die Räder 2013 ans Netz gehen.

45 Milliarden Investitionen

Das Verfahren zeige aber auch, wie groß die Chancen mit dem Geschäft auf dem Meer eingeschätzt werden, sagt Assheuer. "Ein genehmigtes Projekt ist richtig Geld wert." In großen Gebieten rund um Helgoland werden schon keine Anlagen mehr zugelassen, um die Natur zu schonen. Insgesamt sind in Nord- und Ostsee 25 Windparks genehmigt, weitere rund 70 wurden beantragt. Das Investitionsvolumen wird auf über 45 Milliarden Euro geschätzt.

Anders als an Land können die Windräder nicht von Kleininvestoren aufgestellt werden. Neben Blackstone sind inzwischen auch die großen deutschen Versorger wie RWE, Eon, EnBW und Vattenfall eingestiegen.

Ein Grund ist das Erneuerbare Energien Gesetz, das garantierte Abnahmepreise auf zwölf Jahre festlegt - allerdings nur dann in voller Höhe, wenn die Anlagen bis 2015 ans Netz gehen. Daher werde jetzt ein Ansturm auf Spezialschiffe und Material einsetzen, der die Preise treiben dürfte, vermutet WindMW-Geschäftsführer Assheuer. Allein die Fundamente in bis zu 45 Metern Wassertiefe bestehen aus 700 Tonnen Spezialbeton. Daher kostet jede Verzögerung auch Geld - ob durch Stürme oder Gerichte.

Quelle: n-tv.de, rts

Mehr zum Thema