Wirtschaft

Mamma Mia Wirbel bei Telecom Italia

Der italienische Konzern Telecom Italia kann seinen Jahresabschluss noch nicht veröffentlichen. Grund ist ein Geldwäsche-Skandal bei der Service-Tochter Sparkle. Die Staatsanwaltschaft stellt in diesem Zusammenhang 56 Haftbefehle aus.

1.jpg

(Foto: REUTERS)

Ein bis in die Spitzenpolitik reichender Geldwäsche-Skandal zwingt die Telecom Italia zu einem Aufschub ihres Jahresabschlusses. Wegen Ermittlungen zu Milliarden-Verschiebungen bei der Service-Tochter Sparkle sagte Europas fünftgrößter Telekommunikationskonzern die Veröffentlichung seiner Bilanz zum Krisenjahr 2009 ab.

Allerdings gab das Unternehmen vorläufige Zahlen heraus. Demnach geht es von einem unveränderten Gewinn bei einem Umsatzrückgang von knapp sechs Prozent aus. Ein hoher Wettbewerbsdruck und die schwache Konjunktur hätten die Geschäfte belastet. Die Aktie gab an der Börse in Rom drei Prozent nach.

Die Staatsanwaltschaft wirft Sparkle vor, von 2003 bis 2006 gemeinsam mit dem Breitband-Anbieter Fastweb fiktive internationale Netzgebühren von zwei Milliarden Euro abgerechnet zu haben. Die Ankläger haben 56 Haftbefehle ausgestellt - unter anderem gegen einen Senator aus der Partei von Ministerpräsident Silvio Berlusconi und den Fastweb-Gründer Silvio Scaglia, einen der reichsten Männer Italiens.

300 Millionen Euro beschlagnahmt

Zudem wollen die Ermittler gerichtlich ernannte Aufseher für beide Unternehmen einsetzen. Sparkle und Fastweb haben alle Vorwürfe zurückgewiesen. Fastweb ist der zweitgrößte Internet-Anbieter Italiens und gehört mehrheitlich der Schweizer Swisscom.

Die Staatsanwaltschaft hatte 300 Millionen Euro in bar sowie in Schuldtiteln bei Sparkle beschlagnahmt und eine Klageschrift über 1600 Seiten zugestellt. Sparkle erklärte, der Vorstand müsse die Dokumente prüfen, bevor er sich ein Bild über die Geschäftslage verschaffen könne.

Als neuen Termin für die Vorlage des Geschäftsberichts nannte das Telecom Italia den 25. März. Zugleich soll die Überarbeitung eines Drei-Jahres-Plans auf Eis gelegt werden, in dessen Mittelpunkt ein Schuldenabbau steht. Den vorläufigen Zahlen zufolge liegt der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 2009 mit 11,3 Milliarden Euro und der Umsatz mit 27,2 Milliarden Euro im Rahmen der Erwartungen.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

Mehr zum Thema
23.04.09